04 / 12 / 2008
Gib mir fünf!
Die Tipps der Woche
DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE
Max Bill: "Das absolute Augenmaß"
Erich Schmid, Regisseur des Films "Max Bill – Das absolute Augenmaß", hat ganz schön tief gewühlt. Für das abendfüllende Porträt des Bauhausstars Max Bill hat er nicht nur Weggefährten Bills befragt und altes TV-Material ausgegraben, sondern – und das ist das große Manko des Films – seine Witwe Angela Thomas befragt.
Diese offenbart Dinge, die niemanden interessieren, wie zum Beispiel, dass Bill zu Hause gerne Pyjama trug. Richtig pathetisch wird es gegen Ende des Films, wenn sie sich vom Regisseur (übrigens ihrem jetzigen Ehemann) filmen lässt, während sie weinend auf den Flughafenboden kniet, auf dem Bill gestorben ist. Gut und amüsant ist der Film an den Stellen, an denen Menschen zu Wort kommen, die wirklich etwas zu Bills Werk sagen können.
Oder aber wenn er selbst spricht, beispielsweise bei seiner Dankesrede zur Preisvergabe des Kunstpreises der Stadt Zürich 1968, in welcher er schmunzelnd eingesteht: "Ich bin ein wenig in Verlegenheit über die Vergabe dieses Kunstpreises, weil ich selbst vor fünf Jahren, damals als Gemeinderat, die Erhöhung der Preissumme beantragt habe." Hier lernt man einen Max Bill kennen, der nicht nur genialer Künstler, Designer und Architekt war, sondern auch Politiker und Mensch, der seine Umwelt ästhetischer und besser gestalten wollte. Der Film ist ab Anfang Dezember in sämtlichen Programmkinos zu sehen. Er lohnt sich für alle, die eine ordentliche Prise Pathos vertragen und mehr über den Mensch Max Bill erfahren wollen.
München: "Jeff Wall"
Jeff Walls Arbeiten werden allzu oft als "inszenierte Fotografie" bezeichnet, er selbst wird als "subversiver Geschichtenerzähler" gelobt. Wall kennt sich aber nicht nur damit aus, wie man Geschichten in einem Augenblick erzählt und Spannung in einem statischen Bild erzeugt. Das Inszenierte an seinen Bildern ist auch auf seine besondere Verwendung des Lichts zurückzuführen. Seit den 1980er Jahren zieht Wall sein Großbilddias auf Leuchtkästen. Das surreale Licht, das durch den beleuchteten Hintergrund entsteht, korrespondiert mit den Bildern. So entsteht eine Szene, die auf eine verborgene Dramturgie im Hintergrund verweist und die Motive seiner Bilder intensiviert. In der Galerie Rüdiger Schöttle sind bis zum 24. Januar 2009 Arbeiten Walls zu sehen, die zwischen 1979 und 1990 entstanden sind.
Hamburg: "Hoffnung Nr. 2"
Im Cut-And-Paste-Zeitalter, in dem durch Franchise-Unternehmen Sofakissen auf der ganzen Welt gleich aussehen und Hamburger überall gleich schmecken, sehnt man sich als Konsument zurück nach dem Original, einem Unikat. Das Magazin "Hoffnung" bedient diese Sehnsucht. Das Heftformat ist mit den Maßen 25x16 Zentimeter weit von den handelsüblichen Standards entfernt, eine kleine Auflage sichert den Status des Besonderem, und die Seiten sind einzeln bearbeitet, so dass jede Seite einzigartig bleibt. Auf diesen findet der Leser Zeichnungen, Collagen und Drucke von 18 Künstlern, die sich in der aktuellen Ausgabe des Themas "Weltschmerz" annehmen. "Das Ergebnis", so der Pressetext, "schwankt zwischen ironischem Kommentar und bitterer Katharsis, zwischen Jean-Paul und StudiVZ." Man darf gespannt sein. Zur Vorbereitung also lieber noch mal ein paar Freunde gruscheln und nebenbei den "Titan" lesen. Und dann ab zur Vernissage, die am 5. Dezember im Hamburger Off-Space "Hinterconti" stattfindet.
04 / 12 / 2008