Carolyn Christov-Bakargiev

Documenta 13



CAROLYN CHRISTOV-BAKARGIEV LEITET DOCUMENTA 13

Jetzt ist es offiziell: Wie art bereits gestern meldete, wird Carolyn Christov-Bakargiev, Chefkuratorin des Castello di Rivoli in Turin, nächste Documenta-Leiterin. Dies bestätigte heute die Documenta-Geschäftsführung in Kassel. Unsere Italien-Korrespondentin Ute Diehl kennt die gebürtige US-Amerikanerin von zahlreichen gemeinsamen Treffen – ein Porträt.
// UTE DIEHL, TREVI

Für Carolyn Christov-Bakargiev ist alles zeitgenössisch: die Luft, die wir einatmen und auch die Kunst aus dem Mittelalter. "Ich bin gegen diese künstliche Trennung von dem was gestern war, und dem was heute ist, und gegen diese ständige Suche nach neuen Produkten für den Markt", sagte sie einst.

Seit 2002 ist Christov-Bakargiev, 51, Chefkuratorin im Schloss von Rivoli, dem wichtigsten Zentrum für zeitgenössische Kunst in Italien, und hat Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlern, wie Pierre Huyghe (2004) oder von Vertretern der historischen Avantgarde, wie "Franz Kline" (2005) kuratiert.

So vereinte sie für die Schau "Gesichter in der Menge" (2005) 100 Werke von Eduard Manet bis Steve McQueen. Sie wollte zeigen, was von der Kunst übrigbleibt, wenn sich ihre Aktualität überholt hat. Carolyn Christov-Bakargiev verdankt ihren etwas komplizierten Namen dem bulgarischen Vater. Ihre Mutter stammt aus dem Piemont. Sie studierte Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität in Pisa und schrieb ihre Doktorarbeit über "Die Beziehung zwischen zeitgenössischer Dichtung und zeitgenössischer Kunst". Ihr Mann und ihre beiden Töchter leben in Rom, sie selbst pendelt zwischen New York, Sydney, Turin und Rom. Sie war Senior Curator am P.S.1 in New York, veröffentlichte zahlreiche Publikationen über zeitgenössische Kunst und deren Beziehung zu den historischen Avantgarden. Ein Buch über Arte Povera erschien bei Phaidon Press im Jahr 1999.

Revolution in Kassel?

Zu viele Kunstausstellungen gäbe es heute, meint Christov-Bakargiev, und hat trotzdem 2005/06 gemeinsam mit Francesco Bonami eine weitere Triennale, die von Turin, kuratiert. "Wir machten den Überfluss zum Thema", sagt sie, "wir fanden in der Figur des Riesen Pantagruel, dem Vielfraß und Weinsäufer, der ab und zu krank wird, eine passende Metapher für den Kunstbetrieb." Takashi Murakami habe dabei perfekt die maßlose Seite des Pantagruel repräsentiert.

Das "Pantagruel-Syndrom" hielt sie auch nicht davon ab, die Leitung der 16. Biennale in Sydney zu übernehmen. Unter dem Titel "Revolutions: Forms That Turn" bespielte sie mehrere Ausstellungsorte in der Stadt und brachte aus Italien die alten Freunde mit: Michelangelo Pistoletto, Jannis Kounellis, Mario Merz, aber auch die jüngere Generation wie Micol Assael, Maurizio Cattelan und Lara Favaretto.

Ist "Revolution" in diesem Zusammenhang nicht ein allzu großes Wort? "Ich benutzte das Wort in seiner Bedeutung als Umkehr und Rückbesinnung." Die Auswahl der Künstler sei ein organischer Prozess, sagt sie. "Mit vielen Künstlern, wie Pierre Huyghe, Janet Cardiff, George Bures Miller und vor allem William Kentridge verbindet mich eine lange Freundschaft. Ich habe viel über sie geschrieben und mache immer wieder Ausstellungen mit ihnen. Das ist kennzeichnend für meine kuratorische Arbeit."

Gibt es einen Kurator, den sie besonders schätzt? "Ich glaube Hans Ulrich Obrist ist einer der besten Kuratoren, die es heute gibt. Ich lud ihn 1992 für ein Projekt nach Rom ein, und seitdem arbeiten wir hin und wieder zusammen." Und wie bekommt man als Kurator eine Großausstellung in den Griff? "Ich finde Instanbul ist ein gutes Beispiel. Da sind immer viele türkische Künstler zu sehen. Das ist wunderbar. Die Biennalen sollten nicht nur internationale Kunst zeigen, sondern auch einen starken Beitrag des Gastlandes."

Documenta 13

Termin: 9. Juni bis 16. September 2012, Kassel

http://www.documenta.de

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1 Leserkommentar vorhanden

ars evolutoria

10:49

12 / 06 / 12 // 

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