Engel entdeckt - Hagia Sophia

Engel unter Putz

Türkische Restauratoren haben in der ehemaligen Moschee Hagia Sophia, die heute ein Museum ist, das Gesicht eines Engels freigelegt – das Alter des Mosaiks konnte noch nicht bestimmt werden

Die Hagia Sophia in Istanbul hat eine bewegte Geschichte. Im 4. Jahrhundert von Kaiser Konstantin dem Großen gegründet, war sie zunächst die christliche Hauptkirche von Byzanz, wurde am 29. März 1453 von den osmanischen Eroberern in den islamischen Kult überführt und ist seit 1934 ein Museum. Und dort kam jetzt Überraschendes zutage: Unter sieben Schichten Putz haben Restauratoren in einem Bogen der Hauptkuppel das Gesicht eines 1,50 x einen Meter messenden Engels entdeckt. Es ist eine äußerst detailgetreue, fast naturalistische Darstellung. Der Engel erscheint hier keineswegs als ein idealisiertes Wesen: Zwischen den dichten Brauen über den eng zusammenstehenden Augen und auf der Stirn haben sich tiefe Furchen eingegraben, unter den Augen liegen dunkle Schatten, der kleine Mund ist wie zum Schmollen gespitzt.

Dem Engel, dessen genaues Alter (9. bis 14. Jahrhundert) noch die Experten beschäftigen wird, hat wohl vor 160 Jahren zum letzten Mal ein Mensch in die Augen geschaut: Wie die Katholische Presseagentur Österreich recherchiert hat, war es der italienische Restaurator Gaspare Fossati, der seine Arbeit in zahlreichen Zeichnungen dokumentierte. Er hatte vor 160 Jahren unter Sultan Abdülmecid I. bei der Sanierung der Hagia Sophia und der Rettung der Mosaiken der Kathedrale gearbeitet.

"Die Hagia Sophia war Fossatis große Liebe. Er führte die Restaurierungsarbeiten gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Giuseppe bis 1849 durch. Das Bemühen der Brüder richtete sich auf die Erhaltung der gesamten historischen Bausubstanz. Sie richteten die nach außen geneigten Säulen der Empore wieder auf, erneuerten das Dach, restaurierten die Gewölbe, rissen Anbauten ab, um auch den Außenbau wieder voll zur Wirkung kommen zu lassen, und setzten das Innere des gewaltigen Sakralraums nach umfangreicher Reinigung wieder instand", schreibt "Kathweb". Dabei entdeckten und restaurierten sie auch den Engel, mussten ihn aber auf Befehl des Großmuftis wieder unter Putz verschwinden lassen. Damit entging das kostbare Mosaik allerdings auch dem Schicksal anderer Werke, die zerstört wurden.