Futurismus-Schauen - Italien

Die Kuratorin erfuhr es aus der Zeitung

Zwei Ausstellungen Mailand und Venedig – Teil einer Trilogie – sollten den 100. Jahrestag der Veröffentlichung des Futuristischen Manifests feiern – sie wurden jetzt abgesagt. Lediglich die private Peggy Guggenheim Collection bringt den Futurismus in die Lagunenstadt.

Selters statt Sekt: Das rauschende Fest zum 100. Jahrestag des Futuristischen Manifests wird in Italien nicht stattfinden. Denn die geplante Ausstellungstrilogie, die im Januar im Museum "MART" in Rovereto mit der Ausstellung "Illuminationen" begonnen hatte, wird ein Bruchstück bleiben. Der zweite Teil "Abstraktionen", dessen Eröffnung im Museo Correr in Venedig man bereits von Juni auf September verschoben hatte, wurde jetzt endgültig abgesagt. Die Kuratorin der drei Ausstellungen, Ester Coen, entnahm die Nachricht den Zeitungen. Und auch die dritte von Ester Coen erarbeitete Ausstellung zum Futurismus, die unter dem Titel "Gleichzeitigkeit" im Palazzo Reale in Mailand am 15. Oktober eröffnet werden sollte, wurde abgeblasen. Coen: "Ich habe keinen Kontakt mehr zu den Organisatoren."

Offiziell hieß es, die Region Veneto habe die "Abstraktionen"-Ausstellung nicht mehr finanzieren können, nachdem sie wegen der Erdrutsche in Belluno eine Million Euro bereitgestellt hatte. Außerdem hat die Region Venetien auch noch die Kosten für die Restaurierung der vom Erdbeben beschädigten Kirche S. Marco in L’Aquila übernommen. Ester Coen sagt, die Finanzierung der Ausstellung "Abstraktionen" habe von vornherein auf schwachen Füßen gestanden. Der Electa-Verlag, in dem auch die Kataloge zu den Ausstellungen erscheinen sollten, hatte die Aufgabe übernommen, nach Sponsoren zu suchen. Die Stiftung "Musei Civici" und die Region Veneto stellten jeweils 500 000 Euro zur Verfügung. "Mehr kam nicht zusammen", sagt Ester Coen, "ich musste sogar die Ausstellung verkleinern und auf einige Leihgaben verzichten. Aber am Ende fehlten immer noch 100 000 Euro." Als dann auch noch die Region Veneto das Geld zurückzog, sei die Ausstellung nicht mehr machbar gewesen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung "Abstraktionen" sollte der Futurist Giacomo Balla stehen. Unter den 80 Exponaten waren wichtige Werke von Francis Picabia, Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, El Lissitzky, Luigi Russolo und Robert Delaunay vorgesehen, für die längst Leihverträge mit Museen in Philadelphia, Washington, St. Petersburg und London geschlossen waren. Dass der Futurismus nun nicht so gänzlich an Venedig vorrüberrauscht, ist der privaten Peggy-Guggenheim-Sammlung zu verdanken. Dort ist noch bis zum 31. Dezember die Ausstellung "Masterpieces of Futurism at the Peggy Guggenheim Collection" zu sehen. Sie vereint Schlüsselwerke dieser Kunstrichtung unter anderem von Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Gino Severini und Mario Sironi. Außerdem zeigt sie in einer besonderen Sektion Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen anderer avantgardistischer Strömungen wie Divisionismus, Kubismus, Orphismus und Vortizismus.

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