Centro Italiano Arte Contemporanea - Foligno

Eine Investition in die Zukunft

Während Rom die Kulturmittel kürzt, lässt man sich draußen auf dem Land die Kunst etwas kosten. In der Kleinstadt Foligno (55 000 Einwohner) wurde jetzt das "Centro Italiano Arte Contemporanea", ein neues Zentrum für zeitgenössische Kunst, eröffnet.
"Eine Investition in die Zukunft":Neues Kunstzentrum in Foligno

Gino Marotta: "Natura modulare", 1966

"In schwierigen Zeiten müssen wir auf die Kultur setzen", sagt der Bürgermeister bei der Einweihung, "das ist eine Investition in die Zukunft." Er hat die Region Umbrien zur Seite und die örtliche Sparkasse im Rücken. Zwei Millionen Euro hat der große, fensterlose, mit Cortenstahl verkleidete Kubus gekostet, der mitten im historischen Zentrum steht. Das "Centro Italiano Arte Contemporanea", CIAC, verfügt über 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Am Eröffnungstag drängten sich die Besucher.

Die treibende Kraft hinter dem Projekt ist seit sieben Jahren der Kunstkritiker, Sammler und Rechtsanwalt Italo Tomassoni (73), dem die künstlerische Leitung des CIAC übertragen wurde. Seine ambitionierte Eröffnungsschau stimmt für die Zukunft hoffnungsvoll. Sie ist eine Hommage an die legendäre Schau "Lo spazio dell’immagine", ("Bildraum"), die Foligno im Jahr 1967 für einige Monate in den Mittelpunkt der europäischen Kunstszene rückte. Zu Beginn der sechziger Jahre hatte eine Reihe italienischer Künstler begonnen, Environments zu bauen. Lucio Fontana, geistiger Vater der deutschen Zero-Künstler, war das Vorbild. "Raumkonzepte" nannte er seine geschlitzten Leinwände, und schon 1949 hatte er durch ein "schwarzes Ambiente" verblüfft. Man sehnte sich nach der Tabula rasa, nach dem Nullpunkt, an dem alles neu werden sollte. Dieser Ausbruch aus der traditionellen Bildästhetik wurde 1967 in Foligno zum ersten Mal vorgeführt. 19 Environments reihten sich im riesen Renaissancepalast der Trinci aneinander.

Teilnehmer der historischen Ausstellung

Enrico Castellani hatte ein "weißes Ambiente" realisiert, in dem die Besucher die Orientierung verloren. Blau stand das Wasser in den flachen Becken von Pino Pascalis "Meer". Beteiligt an der Ausstellung waren Kunstkritiker wie Germano Celant, der im gleichen Jahr die Arte Povera aus der Taufe hob, und Udo Kultermann, der sechs Jahre vorher in Leverkusen die "Monochrome Malerei" vorgestellt hatte. In Foligno hat es danach keine Ausstellungen mehr gegeben. Aber das Jahr 1967 blieb als "Tipping Point", als ein magischer Augenblick, im kollektiven Gedächtnis. Das Kunstgeschehen konzentrierte sich unerklärlicherweise für einige Monate an diesem Ort: Giancarlo Politi brachte die erste Nummer seiner Kunstzeitschrift "Flash Art" heraus.

Dino Gavina stellte seine Möbelfabrik Künstlern wie Lucio Fontana zur Verfügung, und Gino Marotta experimentierte hier mit dem neuen Material Metacryl für seine Environments. Ein junger Unternehmer aus Foligno, Primo de Donno, entdeckte in der Ausstellung im Palazzo Trinci seine Passion für die Kunst und heute besitzt er eine bedeutende Sammlung von italienischer Kunst des 20. Jahrhunderts. Italo Tomassoni hat in seiner Eröffnungsausstellung noch einmal die Teilnehmer der historischen Ausstellung zusammengeführt, neben anderen Protagonisten wie Alberto Burri, Piero Manzoni und Jannis Kounellis, "denn sie hätten damals eigentlich mit dabeisein müssen". Es folgt ein Schnellkurs über die fehlenden Jahre. Die Rückkehr zur Malerei in den achtziger Jahren wird durch die anachronistischen Maler Stefano Di Stasio und Ubaldo Bartolini dokumentiert. Hier hat Tomassoni in die falsche Schublade gegriffen. Über die Fotokünstler Gabriele Basilico und Oliviero Toscani landet man dann glücklich bei Grazia Toderi und ihrem Video "Rendez-vous" in der Gegenwart.

"Lo spazio dell’immagine" / "Il tempo dell’immagine"

Termin: bis 31. Januar 2010, Centro Italiano Arte Contemporanea, Foligno; Katalog: 2 Bände im Schuber, Verlag SKIRA, 39,00 Euro
http://www.ciacmuseum.com/