Museums-Streik - Paris

Bis auf weiteres geschlossenen

Das Centre Pompidou in Paris wird seit zehn Tagen bestreikt, und seit heute stehen in Paris auch die Besucher anderer staatlicher Häuser wie Rodin-Museum, Musée d'Orsay oder Bibliothèque Nationale vor geschlossenen Türen.

Noch im September konnte der agile Präsident des Pariser Centre Pompidou, Alain Seban, damit prahlen, seine "Kulturraffinerie" erfolgreich durch alle finanziellen Untiefen geführt und vor allem streikfrei gehalten zu haben, ein Novum in der 30-jährigen Geschichte des Hauses. Mit dieser Bilanz ist es nun vorbei: Das Centre wird seit zehn Tagen bestreikt und ist geschlossen, und seit dem heutigen Mittwoch stehen in Paris auch die Besucher anderer staatlicher Häuser wie Orsay-Museum oder Bibliothèque Nationale vor geschlossenen Türen. Der Louvre öffnete nach einer Personalversammlung mit Verspätung. Eine Ausweitung des Streiks auf das gesamte Land ist fest geplant.

Hintergrund des von vier Gewerkschaften organisierten und mit überwältigender Mehrheit beschlossenen Streiks sind notorische Überschuldung des Centre und höhere Lohnforderungen, Anlass ist ein Sozialplan der Regierung von Präsident Sarkozy, der obligatorischen Stellenabbau im öffentlichen Dienst vorschreibt. Für jeweils zwei angestellte Staatsdiener, die altersbedingt in Pension gehen, soll nur ein Posten neubesetzt werden. Vor allem für das Centre Pompidou, in dem 40 Prozent aller Angestellten über 50 Jahre alt sind, eine düstere Zukunftsperspektive. Folglich fatal für die Museen, die ohnehinzu wenig Personal haben, urteilen die Gewerkschaften. Notwendig angesichts des personellen Überbaus der öffentlichen Hand und verringerter Steuereinnahmen, erwidert die Regierung.

Für den amtsfrischen parteilosen Kulturminister Frédéric Mitterrand wird der Arbeitskampf zum ersten sozialen Konflikt seiner Amtszeit mit drohenden Auswirkungen auf den Touristenstrom der Weihnachtsferien – gerade das Centre Pompidou mit seinen insgesamt 1 100 Festangestellten, von denen viele seit der Eröffnung im Jahre 1978 hier arbeiten, ist für seine langen und konsequenten Streiks berüchtigt. In Paris erinnert man sich nur zu gut an den greisen Salvador Dalí, der bei der angekündigten Eröffnung seiner eigenen Ausstellung vor den Toren des Museums abgewiesen wurde. Damals streikte das Reinigungspersonal; diesmal sind es die quasi unkündbaren Techniker, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Kuratoren.

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