Calisto Tanzi - Italien

Kunstschatz im Keller

Die italienische Steuerfahndung hat im Keller des bankrotten Großindustriellen Calisto Tanzi eine wertvolle Kunstsammlung gefunden. Der 71-Jährige wollte seine Schätze, darunter Gemälde und Zeichnungen von Meistern wie van Gogh, Monet, Cézanne und Picasso, vor dem Konkursverwalter verstecken.

Fast 20 Jahre lang hielt sich in Kunstkreisen das Gerücht von einer angeblich sagenhaften Sammlung in Norditalien. Ein Unternehmer aus der Lebensmittelindustrie, so lautete die Geschichte, hüte dort alles, was in den vergangenen Jahren für Preisrekorde bei Auktionen gesorgt hatte und dann aus der Öffentlichkeit verschwunden war. In seinem Privatmuseum, wohl in Parma, hieß es, hingen unter anderem van Goghs "Porträt des Dr. Gachet", der "Junge in Blau" von Pablo Picasso und die Gartenlokalszene "Moulin de la Galette" von Pierre-Auguste Renoir. Und immer wieder wurde der Name Guido Barilla geraunt.

Entsprechend groß war die Enttäuschung, als am vergangenen Wochenende die italienische Steuerfahndung tatsächlich in Parma eine wertvolle Kunstsammlung beschlagnahmen ließ. Allerdings nicht in der Nobelvilla von Nudelkönig Barilla, sondern in profanen Kellerräumen, die dem Großindustriellen Calisto Tanzi gehörten. Nach der betrügerischen 24-Milliarden-Pleite seines Molkereikonzerns "Parmalat", die vor sechs Jahren Tausende von Kleinanlegern mit in den Ruin gezogen und Tanzi für zehn Jahre hinter Gitter gebracht hatte, versteckte der heute 71-Jährige dort seine Kunstsammlung vor dem Konkursverwalter. Nun wollte er einen Teil davon nach Russland verkaufen.

Gefunden wurden allerdings keineswegs die seit Jahren vermissten Meisterwerke der Kunstgeschichte. Die Carabinieri hielten stattdessen eine ungelenke Zeichnung und ein unbedeutendes Stilleben aus van Goghs frühen holländischen Jahren in die Kameras, eine mittelmäßige Pourville-Landschaft von Monet, das Aquarell einer Hütte von Cézanne, eine Bleistiftzeichnung von Modigliani, ein kleines Picasso-Stilleben, eine rudimentär skizzierte Degas-Ballerina und ein gefälliges Frauenporträt des italienischen Salonmalers Giuseppe di Nittis. Was man kauft, wenn einem Namen wichtig sind – und nicht Qualität. Die Suche nach dem geheimnisvollen Besitzer der verschwundenen Meistwerwerke kann also weitergehen.