Dia Art - Philippe Vergne

Künstler sollen ihre Träume realisieren können

Philippe Vergne, 43, Direktor der New Yorker Dia Art Foundation über die Rückkehr nach Chelsea, den neuen Kurs und die Zukunft seiner Organisation.

Seit dem Weggang von Michael Govan 2006 wechselte die Dia Art Foundation in New York zwei Mal den Direktoren und häufig die Kurs-Richtung. Die Ankündigung, dass die ursprünglich in den siebziger Jahren von dem deutschen Kunsthändler Heiner Friedrich und seiner Frau, Öl-Erbin Philippa de Menil, gegründete Stiftung, die als einer der ersten nach Chelsea zog, ein neues Haus im Galerien-Viertel bauen will, sorgte für eine Überraschung. Direktor Philippe Vergne erklärt, wo er die Zukunft von Dia sieht.

Herr Vergne, nach verworfenen Umzugsplänen und dem Verkauf des alten Gebäudes für 38 Millionen Dollar führt der Weg zurück nach Chelsea. Warum?

Philippe Vergne: Ich will zu unserem Kern zurückkehren, Künstlern die Möglichkeit zu geben, Projekte zu realisieren. Mit dem Grundstück auf der 22nd Street, das wir besitzen, nutzen wir Ressourcen und bleiben einem Viertel treu, zu dessen Entwicklung Dia beigetragen hat. Chelsea zieht ein Kunst-Publikum an, wir sind dort historisch verankert.

Der alte Standort befindet sich in unmittelbarer Nähe...

Ihr habt all die Jahre gebraucht, um auf die andere Straßenseite zu gucken? wird mancher fragen. Für Dia ist es dennoch ein großer Schritt.

Vor allem in finanzieller Hinsicht. Wie konkret sind die Pläne?

Wir stecken mitten in der Planung. Der Vorstand steht voll dahinter. Wir sind auf der Suche nach einem Architekten. Etwas Extravagantes wollen wir nicht bauen, sondern in unserem Rahmen bleiben.

Haben Sie die Finanzierung für den Neubau zusammen?

Wir wissen, wie viel wir brauchen und benötigen vielleicht drei weitere Monate, um alles umzusetzen. Jeden Tag lege ich die Knieschützer an, um neue Geldgeber zu gewinnen. Grundsätzlich sieht es mit unseren Finanzen gut aus. Natürlich brauchen wir immer mehr Geld für weitere Projekte. Für alle Institutionen ist es keine einfache Zeit.

Aber die Dia-Stiftung mit ihrem Museum außerhalb von New York in Beacon steht gesund da?

Wenn wir uns dagegen entscheiden, etwas Neues zu unternehmen, befinden uns in einer sicheren Position. Jetzt brauchen wir neue Unterstützung, was ein Schritt nach vorn ist.

Ihr Vorgänger Jeffrey Weiss hatte sich klar gegen Chelsea ausgesprochen. Wird die von ihm gestartete Zusammenarbeit mit der Hispanic Society of America Uptown am anderen Ende der Stadt weitergeführt?

Wir haben eine Vereinbarung für vier Jahre, eine weitere Ausstellung wird noch folgen. Dann müssen wir entscheiden, ob wir länger bleiben – und die Hispanic Society, ob sie uns überhaupt weiterhin haben will. Aber wir denken bereits auch über andere Projekte nach.

Wo wird die Dia-Stiftung im Vergleich zu Institutionen wie dem New Museum in Zukunft ihren Platz finden?

Wir werden Arbeiten von Künstlern in Auftrag geben, anstatt Ausstellungen zu organisieren. Die Künstler sollen bei uns das Haus finden, in dem sie Träume umsetzen können. Dia war ein Ort der Konversation mit Symposien, Lesungen, Performances. Das wollen wir wieder beleben, so dass die Stimme der Künstler den Ton angibt.

Wird Dia:Beacon von den Veränderungen betroffen sein?

Mein Traum ist es, die Sammlung in Beacon mit neuen Arbeiten zu füttern, die Künstler mit Dia realisieren.

Sie kündigten an, dass Dan Grahams "Rooftop Urban Park Project" wieder im neuen Gebäude installiert werden soll.

Damit würde ich am liebsten beginnen. Ich finde, das Fundament sollte sich dort oben auf dem Dach befinden.

Wie hoch dürfen Sie Ihr Traum-Haus denn bauen?

Neun Stockwerke. Es ist insgesamt ein wirklich gutes Grundstück.

Ihren Posten traten Sie vor einem Jahr an. Wie gefällt Ihnen die Arbeit bislang?

Bei der Dia-Stiftung wird anders gedacht als im Museumsbetrieb, so wie ich es bislang gewohnt war. Dia hat eine unglaubliche Geschichte und auch Verantwortung. Es handelt sich um eine der ungewöhnlichsten Institutionen mit einer Sammlung, die den "Vertical Earth Kilometer" von Walter de Maria in Kassel ebenso wie Robert Smithsons "Spiral Jetty" in Utah umfasst.

Ihre Konservatoren gaben gerade bekannt, dass sie einen Weg gefunden haben, den Zustand von "Spiral Jetty" auf preiswerte Weise mit einer an einem Wetterballon montierten Kamera zu überwachen.

Um Kunst zu produzieren und zu konservieren werden kreative Lösungen gefunden. Mir gefällt wirklich alles hier.

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