Protest - Köln

Jeck we can!

Am Rosenmontag protestieren 100 Kölner Künstler gegen den Abriss des Kölner Schauspielhauses – heute machte ihr Karnevalswagen seinen Probelauf.
Jeck we can:Künstler wollen Kölner Schauspielhaus retten

Künstlerprotest in Köln – im Hintergrund der Kölnische Kunstverein

Einmal im Jahr darf sich der Kölner so ziemlich alles erlauben – Politiker auf die Schippe nehmen, Promis veralbern, Missstände anprangern. Das nennt man dann Karneval oder auch die "fünfte Jahreszeit". Hatte vor zwei Jahren das Museum Ludwig die Querelen um eine schweinchenrosafarbene David-Skulptur von Peter Feldmann mit einem eigenen Karnevalswagen durch den Kakao gezogen, so haben die 100 Kölner Künstler, die am 15. Februar unter dem Motto "Ihr seid Künstler und wir nicht" zum Rosenmontagszug antreten werden, ein deutlich ernsteres Anliegen: Sie plädieren für den Erhalt des Kölner Schauspielhauses, das nach dem Beschluss des Stadtrats abgerissen werden soll.

"In seiner Sitzung vom 18. Dezember 2009 hat sich der Rat der Stadt Köln für den Neubau des Schauspielhauses und für die Sanierung der Oper entschieden", heißt es dazu lapidar auf der Website der Bühnen der Stadt Köln. Denn: "Das Gebäude des Kölner Schauspielhauses ist veraltet."

"Provokative Umkehrung"

Die Künstler sehen das anders. "Mit der Kostenexplosion von 230 auf 367 Millionen Euro für den geplanten Neubau platzte in diesem Sommer der Traum von einer Zusammenführung aller Betriebseinrichtungen der Bühnen am Offenbachplatz in einem neuen Haus. Die Verwaltung hat es seitdem verschlafen die Möglichkeiten einer Sanierung ernsthaft zu prüfen", heißt es in einer Presseerklärung der Initiative, die von Merlin Bauer, Manu Burghart und Owen Gump ins Leben gerufen worden ist. "Wir fordern dieses jetzt nachzuholen, weil wir keinen Sinn darin sehen, ein grundsätzlich funktionierendes und historisch bedeutendes Gebäude abzureißen und durch ein neues zu ersetzen, dessen Raumprogramm nicht mehr leistet und das darüber hinaus städtebaulich in eine Katastrophe führt."

Mit dem Motto "Ihr seid Künstler und wir nicht" nehmen die Beteiligten eine "provokative Umkehrung" vor: "Wer sind denn die wahren 'Künstler' in Köln, wenn die verantwortliche Schaupielintendantin Karin Beier mit ihrem Votum zum Erhalt des Schauspiels nicht gehört wird? Die Politiker?" Heute gab es einen ersten Probelauf des provokanten Gefährts: Der Wagen fuhr vom Kölnischen Kunstverein bis zum abrissbedrohten Schauspielhaus.

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