Olaf Metzel - Interview

Es wird runtergedimmt

Der streitbare Künstler Olaf Metzel zieht eine kritische Zwischenbilanz der Ruhr.2010. art sprach mit dem Bildhauer über überflüssige Anglizismen und Herbert Grönemeyer.

Herr Metzel, im Februar sind Sie mit der Europäischen Kulturhauptstadt hart ins Gericht gegangen. Gefällt die Ihnen inzwischen besser?

Olaf Metzel: Ich habe den Titel der Ausstellungsreihe "Mapping the Region" kritisiert. Jeder weiß, dass im Ruhrgebiet Türkisch die erste Fremdsprache ist, und mir ist immer noch nicht klar, warum der Titel unbedingt auf Englisch sein muss.

Ich weiß auch nicht, warum man bei der Internationalen Biennale für Lichtkunst einfach ein Konzept aus den achtziger Jahren wiederholt und Kunstwerke in Privatwohnungen ausstellt. Das ist, ich will nicht sagen: ein alter Hut, aber auch nicht gerade, was man neu und aufregend nennt. Auf der anderen Seite werden wichtige Museen wie das Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg kaputtgespart. Da sollte man ansetzen, da sehe ich – offenbar im Gegensatz zur Landesregierung – ein großes Potential.

Sie haben damals gesagt, das Ruhrgebiet würde versuchen, sich weltläufiger zu geben, als es ist, und darüber versäumen, sich auf seine wirklichen Stärken zu besinnen.

Es gibt hier eine große Geschichte, viele Möglichkeiten, fantastische Museen und Sammlungen, ein großes Engagement – und was passiert in der Kulturhauptstadt? Es wird runtergedimmt. Es beginnt mit Grönemeyers "Komm zur Ruhr", demnächst wird eine Autobahn gesperrt, dann gibt’s da Essen auf Rädern. Das ist mehr die Richtung Brot und Spiele. Bei Baudrillard heißt es "Kultur eint, Kunst entzweit". Mein Ratschlag lautet: Schafft die Kultur ab und macht mehr Kunst.

Besonders hat es Ihnen das Logo der Ruhr.2010 angetan.

Ich finde, das könnte man spannender machen, und habe versucht, das in einer dreidimensionalen Arbeit darzustellen. Es ist ein drei Meter hohes Modell, also kein Briefbeschwerer mehr, sondern schon eine richtige Installation. Die Perspektive ist, es als bleibendes Monument im Ruhrgebiet zu realisieren.

Die Rede ist von einer 20 Meter hohen Skulptur am Duisburger Innenhafen.

Es gibt Gespräche, aber im Moment fehlt noch das Geld. Ich fände es schade, wenn so etwas mal wieder in einer Privatsammlung verschwände. Mein Eindruck ist ohnehin, dass die Steuergelder hier eher nach Gutsherrenart verteilt werden.

Sehen Sie das Ruhrgebiet auf dem Weg zur kulturellen Metropole?

Ich finde es bedauerlich, dass auch hier bei Kunst und Bildung immer zuerst gespart wird. Statt da gegenzusteuern, werden wieder Millionen mit Dingen verpulvert, die 100 Tage zu sehen sind und letztlich niemanden wirklich interessieren.

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