Durch den Monat mit: - Hans-Werner Schmidt

Durch den Monat mit: Hans-Werner Schmidt

In unserer Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat ihre persönlichen Höhepunkte. Diesmal: Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, das noch bis 15. August die Ausstellung "Neo Rauch. Begleiter" zeigt.
Ausstieg aus dem Alltag:Durch den Monat mit: Hans-Werner Schmidt

Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig: "Auf meinem Urlaubsweg in den Süden mache ich noch einmal Station bei Neo Rauch in München."

Zur Berliner Kulturszene kann man von Leipzig aus eine nachbarschaftliche Beziehung entwickeln. So stehen in der Hauptstadt bei mir im Juli mehrere Besuchsziele an. Von der 6. Berlin-Biennale erwarte ich eine seismografische Stimmenvielfalt zur globalen mentalen Haushaltslage. Die Verbindung zu Menzels extremem Realismus in der Alten Nationalgalerie setzt dazu Bezugspunkte, die man nicht aus den Augen verlieren sollte. Das Projekt Hans Bellmer – Louise Bourgeois in der Sammlung Scharf-Gerstenberg fordert mich als Freund dialogischer künstlerischer Positionen heraus.

Von einem vergleichbaren gedanklichen Resonanzraum ist die Ausstellung Hans Hartung, das Informel und die Folgen im Kupferstichkabinett im Kulturforum am Potsdamer Platz. Ein Besuch von Burg und Herrschaft im Deutschen Historischen Museum hält kindliche Obsessionen wach – sie sorgen für eine befreiende Dissonanz zu den getunten Bahnen der Professionalität. Und Burgenmodelle kommen doch irgendwie Ausstiegsmodellen aus dem Alltag gleich. Dann genieße ich nach all den Kontroversen Passion Fruits im neuen Ausstellungshaus von Thomas Olbricht.

Und in Dresden kehrt die Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart in das Albertinum zurück. Zukunft seit 1560 bekommt dann endlich auch eine zeitgenössische Sprachebene, die das kolossale kulturelle Erbe im Elbflorenz neu akzentuieren könnte. In Frankfurt am Main bin ich auf den neuen Akt von Peter Kogler in der Schirn gespannt, dessen Werk ich seit den achtziger Jahren verfolge. Und auf Sven Johne im benachbarten Kunstverein, ein weiterer Künstler aus Leipzig, der das Genre des Dokumentarischen mit Fiktivem anreichert und dabei die Grenzen zwischen Wissen und Glauben fließend werden lässt. Der Westen leuchtet im Kunstmuseum Bonn und die Einzelpräsentation von Thomas Schütte in der Kunst- und Ausstellungshalle sind deutliche Signale, dass man sich am Rhein seiner künstlerischen Potenz vergewissert. Wenn das Gegenwärtige im 30-jährigen Rückblick überzeugt, dann kann die Szene wieder Strahlkraft entwickeln.

Auf meinem Urlaubsweg in den Süden mache ich noch einmal Station bei Neo Rauch in München, schließlich begleitet mich seine Ausstellung "Begleiter" derzeit täglich im eigenen Haus. Und dann hoffe ich gemeinsam mit dem Künstler Walter Niedermayr den Ortler besteigen zu können, den höchsten Berg Südtirols – also "Mountain Passions".

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