Reinhard Stuth - Kultursenator

Leichte Parteilösung

Wochenlang wurde in Hamburg gerätselt, ob es überhaupt noch einen neuen Kultursenator geben wird. Jetzt steht fest: Reinhard Stuth (53, CDU) tritt die Nachfolge der zurückgetretenen Karin von Welck an. Die Zweifel an seiner Befähigung für das Amt sind in der Kulturszene jedoch gewaltig.
Reinhard Stuth wird Kultursenator:Reinhard Stuth wird Kultursenator

Heiter weiter: Der neue Kultursenator Reinhard Stuth (l.) und seine Vorgängerin Karin von Welck

Es ist Reinhard Stuth sichtlich unangenehm, wenn man ihn auf den März 2009 anspricht. Damals wurde er überraschend als Staatsrat der Hamburger Kulturbehörde in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Ganz offensichtlich hatte Stuth die politischen und zwischenmenschlichen Zeichen falsch gedeutet, denn sowohl seine Senatorin Karin von Welck wie die Behörde, die er als Staatsrat zu leiten hatte, waren längst auf Distanz zu ihm gegangen. Zahlreiche Mitarbeiter hatten sich über Stuths dauernde Abwesenheit, seinen harschen Umgangston und seine mangelnde Konfliktlösungskompetenz beim Personalrat beklagt. Unter Zustimmung der Mitarbeiter erwirkte von Welck dann bei Ole von Beust die Trennung von Stuth.

Nun hat von Beusts Nachfolger Christoph Ahlhaus (CDU) ausgerechnet Stuth an die Spitze jener Behörde gesetzt, die ihn vor nicht allzu langer Zeit abgestoßen hatte. Als neuer Senator für Kultur und Medien soll der politische Jugendfreund Ole von Beusts die massiven Probleme lösen, die Karin von Welck ihm hinterlassen hat. Obwohl es prominente Kandidaten mit weit mehr kultureller Fachkenntnis gegeben hatte, als sie Stuth in dem knappen Jahr als Behördenleiter sammeln konnte – etwa Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, der ehemalige CDU-Staatssekretär für Kultur in Nordrhein-Westfalen, oder Heinz Glässgen, langjähriger Kulturchef vom NDR und danach Intendant von Radio Bremen –, entschied sich Ahlhaus für eine leichte Parteilösung.

Lösung oder Notlösung?

Seine CDU-Mitgliedschaft sei ein Vorteil, denn so könne er in der Regierungspartei besser für die Kultur wirken als eine parteilose Senatorin, sagt Stuth nach seiner Berufung nicht ohne Seitenhieb gegen die einstige Chefin. Das dürfte allerdings nach den letzten merkwürdigen Aktivitäten von Karin von Welck zunächst auch nicht schwer fallen. Die scheidende Senatorin hatte in der kurzen Zeit zwischen ihrer Rücktrittserklärung (gemeinsam mit Ole von Beust am 18. Juli) und ihrem Ausscheiden aus dem Amt am 25. August mit allerhand abstrusen Hauruck-Unternehmungen ihren Ruf und das Ansehen ihrer Behörde ramponiert.

Nachdem es vor ihrem Rücktritt bereits eine konfuse Kommunikation mit Kunsthallen-Chef Hubertus Gaßner über die Sparleistungen des Museums, die angeblich unvermeindliche Schließung der Galerie der Gegenwart wegen defekter Brandschutzklappen und Gaßners Vertragsverlängerung unter geänderten Konditionen gegeben hatte, reagierte die Senatorin auf öffentliche Kritik ihres Opponenten schließlich mit Kurzschlusshandlungen. In einem Mehrfach-Schlag versuchte von Welck in wenigen Tagen, Gaßners Vertragsverlängerung zu verhindern, den Leiter der Hamburger Deichtorhallen, Dirk Luckow, zu seinem Nachfolger zu machen, und in diesem Zuge außerdem, die beiden Kunstinstitute unter Luckows Führung zu vereinen.

Da diese Manöver weder rechtlich machbar noch politisch durchsetzbar waren, verwandelten sie sich bei Bekanntwerden in eine maßlose Blamage, die dem Juristen Stuth so vermutlich nicht passiert wäre. Die Zweifel an seiner Befähigung für das Amt sind in der Kulturszene dennoch gewaltig. Obwohl kein Subventionsempfänger offene Kritik an dem neuen Senator übt, äußern viele von ihnen hinter den Kulissen großes Unbehagen. Angesichts drohender Sparanliegen im Umfang von einer halben Milliarde Euro, die im Herbst für den Etat der Stadt beschlossen werden sollen, herrscht allgemeine Unsicherheit, ob Stuth wirklich der energische Anwalt der Kultur im Senat ist, oder nicht doch eher das ausführende Organ eines Finanzsenators, der bisher wenig Verständnis für die Belange des kreativen Hamburgs gezeigt hat.

Über das größte Sorgenkind wird erst noch verhandelt

Aber auch eine neue und faire Beurteilung der Museumsreform, die Karin von Welck zuletzt immer stärker gegen die Museen als mit ihnen durchgeführt hatte, setzt einen sensiblen Fachmann voraus, der mit den Empfindlichkeiten im Kulturbereich ebenso souverän umgehen kann wie mit den Aufstellungen der Etats. Der seit Jahren ungelöste Konflikt zwischen Museen und Behörden, ob die Millionendefizite der Häuser ihren Grund in einer strukturellen Unterfinanzierung oder in der schlampigen Arbeit der Direktoren haben, muss endlich zu einem konstruktiven Ende gebracht werden.

Über das größte Sorgenkind der Kulturbehörde wird aber erst noch verhandelt. Die Federführung beim Bau der Elbphilharmonie, die vernünftigerweise in die Stadtentwicklungsbehörde gehört und der bisherigen Verantwortlichen, Kultursenatorin von Welck, nur schlechte Schlagzeilen gebracht hat, will Stuth nicht so einfach abgeben. Obwohl im Vorfeld der Senatsneubildung die Verlegung des Projekts in das zuständige Fachressort als beschlossen galt, äußert sich Stuth durchaus optimistisch, die Elbphilharmonie auch in den alten Rahmenbedingungen beherrschen zu können. Vielleicht im Glauben, die schlimmsten Probleme bei der Finanzierung seien ausgestanden, und das fertige Gebäude werde Glanz auf den zuständigen Senator werfen, möchte Stuth das mögliche Renomee-Projekt nicht leichtfertig verlieren.

Die große Skepsis, die Stuth aus seiner Behörde, von seinen zukünftigen Gesprächspartnern in der Kulturszene, aber auch von den Medien entgegen gebracht wird, kann der Mann mit der roten Fliege nur dann entkräften, wenn er einen völlig neuen Kurs einschlägt als bei seiner ersten Runde in der Behörde. Ansonsten droht Reinhard Stuth die nächste Zeit, an die er sich später nicht gerne erinnern wird.