Ekow Eshun - Institute of Contemporary Arts

Ekow Eshun tritt zurück

Der Direktor des Institute of Contemporary Arts in London hat seinen Rücktritt erklärt. Nach Bekanntwerden des Millionendefizits, zahlreichen Umstrukturierungen und erheblichem Imageverlust wurde dieser Schritt schon lange erwartet.
Ekow Eshun tritt zurück:Direktor des ICA erklärt Rücktritt

Ekow Eshun vor Howard Hodgkins "Ekow", 2008

Nun hat Ekow Eshun also doch seinen Hut genommen. Nach fünf Jahren als Direktor des Institute of Contemporary Arts (ICA) wird er im März 2011 seinen Posten aufgeben. Der Schritt war allgemein erwartet worden, erstaunlich ist nur, dass er so lange auf sich warten ließ. Eshun, 42, war im vergangenen Herbst ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als bekannt wurde, dass das ICA unter seiner Führung ein Defizit von einer Million Pfund erwirtschaftet hatte. Dem Direktor wurde vorgeworfen, den stetigen Abstieg seines Instituts zu spät erkannt und nicht rechtzeitig gegengesteuert zu haben, ein Vorwurf, den er immer vehement zurückgewiesen hat.

Die Atmosphäre im Haus wurde immer vergifteter, ein Misstrauensvotum der Belegschaft gegen Eshun wurde zwar nicht ausgezählt, doch Insider sagen, es wäre klar gegen ihn ausgefallen. Ausstellungsdirektor Mark Sladen wollte den neu geschaffenen Posten des Programmdirektors nur annehmen, wenn Eshun zurücktritt. Das geschah nicht, also ging Sladen.

Zwei Hauptsponsoren meldeten 2008 Bankrott

Das Institut, das 1947 "als Spielwiese für Erwachsene, als Quelle der Vitalität und wagemutiger Experimente", so sein Gründer Herbert Read, ins Leben gerufen wurde, war mehr als 50 Jahre Heimstadt der künstlerischen Avantgarde, von Richard Hamilton in den fünfziger Jahren bis Damien Hirst und Steve McQueen, die alle dort zum ersten Mal ausstellen durften. Doch dann kamen die Tate Modern und 'Cool Britannia', die zumindest einen Teil der Rolle des ICA übernahmen. Die Avantgarde, mit allem, was dazu gehört – Provokation, Schock, Rebellion – findet heute in London an vielen Orten statt, das ICA verlor seine Einmaligkeit.

Hinzu kamen teilweise rezessionsbedingte wirtschaftliche Schwierigkeiten. In den Boomjahren verließ man sich zu sehr auf kurzfristige Sponsoren. Um diese Gelder an Land zu ziehen und die Sponsoren bei Laune zu halten, mussten immer mehr Mitarbeiter eingestellt werden, was das Gehaltsbudget gefährlich anschwellen ließ. Als dann die Rezession zuschlug, mussten zwei der Hauptsponsoren den Bankrott erklären. Und eine mit Künstlerspenden bestückte Galaauktion bei Sotheby's fand an dem Wochenende statt, als die amerikanische Bank Lehman Brothers zusammenbrach. Statt der erwarteten 1,2 Millionen oder mehr wurden nur 680 000 Pfund eingenommen.

Die Blase platzte, als das Defizit die Millionengrenze erreichte. Die öffentliche Subventionsbehörde Arts Council sprang zwar mit Überbrückungsgeldern in Höhe von 1,2 Millionen Pfund ein, doch unter der Bedingung, dass die Ausgaben für Gehälter um 1 Million Pfund gekürzt werden. Entlassungen folgten, Eshun unternahm eine totale Umstrukturierung der Aufgabenbereiche und sagt nun, er verlasse ein gestärktes Institut mit einer zufriedenen Belegschaft. Dass er zum Rücktritt gezwungen wurde, dementiert er – er wolle sich nach fünf Jahren neuen Aufgaben widmen, unter anderem ein Buch schreiben. Im Oktober soll dann auch ein neuer Vorsitzender des Stiftungsrats eingesetzt werden. Dessen erste Aufgabe wird es sein, einen neuen Direktor zu suchen. Eshuns Nachfolger wird es nicht leicht haben, das ICA wieder völlig auf die Beine zu stellen.

Mehr zum Thema auf art-magazin.de

Mehr zum Thema im Internet