Sounding D-Zug - Netzwerk Neue Musik

Das Hören schärfen

Ganz Deutschland soll hören: Der Klangzug "Sounding D", ein Projekt des Netzwerks Neue Musik, macht vom 28. August bis zum 12. September in 15 deutschen Städten halt, um durch Klanginstallationen für Neue Musik zu sensibilisieren und gleichzeitig vom Netzwerk geförderte Initiativen vorzustellen.

Der Zug hat von jeher den Charakter eines Verbindungselementes. Ein Faktor zur Vernetzung von Orten, zur Überbrückung von Distanzen. Auch wenn dieses Symbol aufgrund seiner vielfachen Verwendung etwas abgedroschen scheint, so passt es für das Projekt "Soundig D" doch recht gut: Ein mit Klanginstallationen ausgestatteter Zug ist seit dem 28. August bis zum 12. September in Deutschland unterwegs und soll 15 vom Netzwerk Neue Musik ausgewählte regionale Projekte, die sich mit Neuer Musik beschäftigen, miteinander verbinden. Der Zug soll dabei querschnitthaft und doch repräsentativ zeigen, wie vielschichtig und abwechslungsreich Neue Musik sein kann und welche Möglichkeiten es gibt, sich durch sie auszudrücken.

Das Netzwerk Neue Musik ist ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes, das in der Laufzeit von 2008 bis 2011 an verschiedenen Orten des Landes 15 Projekte, Initiativen und Organisationen unterstützt, die sich Neuer Musik und ihrer Verbreitung in Deutschland widmen. Zur Halbzeit des Förderungszeitraums geht es dem Netzwerk nun vor allem darum, zu zeigen, dass es sich um ein Gesamtprojekt handelt und dass die Projekte auch nach Ende der Laufzeit in der Lage sind, sich selbst zu tragen. "Wir wollen eine gewisse Nachhaltigkeit der geförderten Projekte gewährleisten. Dazu ist es nötig Strukturen zu schaffen und Netzwerke aufzubauen", sagt Florian Bolenius, Geschäftsführer des Netzwerks Neue Musik.

"Ich komponiere Räume, keine Töne"

Um dies zu erreichen, hat das Netzwerk Neue Musik die Idee des Klangzuges entworfen. Dieser ist mit verschiedenen Soundinstallationen ausgestattet, die dazu einladen, selbst zu hören und die darüber hinaus einen Einblick in die jeweilige Arbeit der einzelnen Projekte geben. Die Gestaltung des Zuges übernahm der kanadischen Klangkünstler und Komponist Robin Minard, der an der Weimarer Hochschule für Musik Franz Liszt als Professor für elektroakustische Komposition tätig ist. Eine der Hörinstallationen beschäftigt sich dabei mit dem alltäglichen Hören: Klangkünstler aus den 15 Projektstädten wählten im Vorfeld Plätze in ihren Orten aus, an denen für die jeweilige Stadt besonders charakteristische Klänge zu hören sind. Diese wurden aufgenommen und sind nun sowohl im Internet, als auch im "Sounding D"-Zug in Form einer SoundMap zu hören. So gibt es in Hamburg beispielsweise Hafengeräusche und Wasserplätschern, in Freiburg das Anstoßen von Biergläsern zu hören. "Die Installation soll das alltägliche Hören schärfen", erklärt Minard.

Bei einer anderen Installation des Künstlers geht es um die Wahrnehmung des Raumes: Ein Abteil des Zuges erscheint ganz in blauem Licht, zu hören ist eine von Minard komponierte Klangsequenz, in der der Komponist Resonanzen von Werken Neuer Musik mit den Alltagsgeräuschen aus den Städten verbindet. Die Wahrnehmung eines Raumes, so Minard, verändere sich durch Licht und Klang. "Ich komponiere Räume, keine Töne", sagt er. Ein besonderes Erlebnis ist die sich ebenfalls im Zug befindende Soundinstallation des Künstlers Matthias Gommel: Die Besucher sitzen dabei in einem Zugwagon und stützen ihre Ellbogen auf einer markierten Fläche an der Armlehne auf, um dann ihre Handflächen an die Ohren zu halten. Die Schallwellen werden über die Knochen weitergeleitet und sind somit durch die Handflächen hörbar. Eine Erfahrung, die beim eigenen Ausprobieren völlig absurd scheint: Denn im Raum ist nichts zu hören, wohl aber durch die als Lautsprecher umfunktionierten Handflächen.

"Große klangtopografische Partitur"

Neben Minard haben auch die geförderten Projekte im Rahmen des "Sounding D" die Möglichkeit, sich und ihre Initiative der Öffentlichkeit zu präsentieren. Jedes lokale Netzwerk gestaltet das Rahmenprogramm vor Ort an jenem Tag, an dem der Zug in der jeweiligen Stadt im Bahnhof liegt. Ob Konzerte, Musiktheateraufführungen oder DJ-Performances: In den Programmen geht es um Neue Musik und die verschiedensten Möglichkeiten, mit ihr zu arbeiten. Der Begriff "Neue Musik" steht dabei für eine Vielzahl musikalischer und kompositorischer Richtungen und Stile der Kunstmusik des 20. und 21. Jahrhunderts. Hortensia Völkers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes beschreibt Sounding D als eine „große klangtopografische Partitur“, die es den geförderten Akteuren ermöglicht, "ungewöhnliche Allianzen und institutionelle Kooperationen einzugehen". Und so ist der Zug seinem Symbolcharakter als verbindendes Element ein weiteres Mal gerecht geworden.

"Sounding D"

Termin: bis 12. September, an Bahnhöfen von Dresden bis Eisenach
http://www.sounding-d.net/

Mehr zum Thema im Internet