Pat York

Interview

"Ich würde auch Hitler fotografieren"
Michel Piccoli und Michael York am Set des Films "La Poudre D'Escampette", Essaouira, Marokko, 1971 (Foto: © 2008 Pat York / www.gmurzynska.com)

"ICH WÜRDE AUCH HITLER FOTOGRAFIEREN"

Pat York arbeitete zunächst als Journalistin für die amerikanische "Vogue" und entdeckte dabei ihre eigentliche Leidenschaft: die Fotografie. Ein neuer Bildband präsentiert jetzt intime Porträts von Andy Warhol über Robert Rauschenberg bis Jasper Johns. art sprach mit der US-Fotografin über Egozentriker, Freundschaft und Barack Obama.
// ALAIN BIEBER, HAMBURG

Frau York, die meisten Künstler, die Sie fotografiert haben, sind auch Ihre Freunde.

Pat York: Ja. Aber manche habe ich auch zum ersten Mal getroffen – und danach wurden sie zu Freunden. Viele der Bilder sind in den letzten zwei Jahren entstanden, wie die Fotografien von Jasper Johns oder Robert Rauschenberg. Ich habe zwei Tage mit Rauschenberg in Florida verbracht, ungefähr neun Monate bevor er starb. Ich hatte so wunderbare Erfahrungen mit den Künstlern.

Wie wichtig ist Nähe und Intimität für ein gutes Porträt?

Andy Warhol war ein richtig guter Freund. Mein Bild von ihm ist nach einem Fotoduell entstanden – er fotografierte mich, und ich fotografierte ihn. Mein Ziel ist es, in das Innerste der Personen vorzudringen. Die äußere Schale interessiert mich nicht.

Wie schaffen Sie es, dass die Künstler die Angst vor der Kamera verlieren?

Ich rede meistens mit den Personen, während ich sie fotografiere. Und dann fotografiere ich auch alleine, ohne Assistenten. Das scheinen die Künstler zu mögen. Und ich liebe neutrales Licht. Das macht die Fotografie intimer.

War es schwer, diese großen Künstler zu fotografieren? Wollten sie auf besondere Weise inszeniert werden?

Nein, niemand hat mich um eine bestimmte Pose gebeten. Ich gehe auch immer sehr sensibel vor – und passe auf, dass die Werke und die Gesichter der Künstler gleichermaßen gut zur Geltung kommen. Das Bild mit Damien Hirst ist übrigens entstanden, als er anfing vor der Kamera herumzualbern. Aber ich habe auch sehr viele Bilder von ihm, auf denen er sehr attraktiv aussieht.

Ihr Mann, Michael York, ist Schauspieler. Da gibt es also eine konkrete Verbindung zur Filmgeschäft. Woher kommt aber Ihre Affinität zur Kunstwelt?

Ich hatte in den siebziger Jahren den Auftrag Michael York zu fotografieren – so haben wir uns kennengelernt. Er hatte gerade erst in zwei Filmen mitgespielt, deshalb kannte ich ihn nicht wirklich. Er galt als der coole, heiße Newcomer. lacht Die Kunstwelt war mir aber immer näher. Ich besuchte die Kunsthochschule, und habe viel gemalt, bevor ich mit der Fotografie anfing. Und ich bin auch Mitglied im Obama Arts Policy Committee.

Und haben Sie Barack Obama schon fotografiert?

Nein, leider noch nicht. Aber ich habe ihn getroffen und würde ihn wahnsinnig gerne einmal fotografieren.

Und wen noch?

Nelson Mandela. Ich habe so viel Symphatie für Mandela.

Und gibt es eigentlich Menschen, die Sie nicht fotografieren würden?

Ja, ich möchte keine Menschen fotografieren, die verdorben ist. Egomanische Schaupieler zum Beispiel. Aber ich sage jetzt besser nicht, an wen ich denke.

Aber Sie haben Jeff Koons fotografiert, und viele Menschen halten ihn für einen riesigen Egomanen.

Nein, das ist er überhaupt nicht! Er ist unglaublich charmant, ich liebe ihn! Es war fantastisch, als ich ihn fotografierte und jedes Bild ist großartig geworden. Er ist das komplette Gegenteil eines Egomanen. Sie würden ihn lieben.

Und hätten Sie als Obama-Unterstützerin auch seinen Konkurrenten John McCain fotografiert?

Oh, ja, ich hätte ihn fotografiert, obwohl ich ihn nicht mag. Weil er eben ein Teil der Geschichte ist. Jeden, der Teil der Geschichte ist, würde ich fotografieren. Ich würde auch Hitler fotografieren.

"Pat York. Fame and Frame"

Verlag: teNeues, Format: 28,5 x 37 cm, 96 Seiten, 29,90 Euro.

http://www.teneues.lt

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