Youtube Play - Video-Onlinebiennale

Riesenchance oder billige Talentshow?

23 000 beteiligten sich am Online-Videowettbewerb "YouTube Play" des Guggenheim Museum und der Online-Plattform YouTube – jetzt werden die besten Beiträge in den Guggenheim-Filialen und Online gezeigt
Ausgewählt:Guggenheim Museum und Youtube baten zum Wettbewerb

Visual von "YouTube Play. A Biennial of Creative Video"

Auf der Suche nach dem nächsten Michel Gondry oder Matthew Barney guckt sich das Guggenheim Museum an einem Ort um, an dem sich täglich zwei Milliarden Menschen tummeln: bei dem zu Google gehörigen Video-Internet-Portal YouTube. Kreative, denen sonst der Zugang zur Kunstwelt fehlt, bekommen die Chance, ihre Arbeiten, nicht nur im virtuellen Raum, sondern in einem wirklichen Museum zu zeigen. Alles, was sie dazu brauchen, sind eine Video- oder Web-Kamera und die Idee für einen Film mit der Länge von maximal zehn Minuten, den sie mit einem Essay auf die Website YouTube stellen konnten.

Der Erfolg von "YouTube Play", als internationale Biennale für kreative Videos geplant, war überwältigend: Mehr als 23 000 Videos wurden eingereicht. Im Oktober wird eine Auswahl von 20 Kurzfilmen im New Yorker Guggenheim Museum, in der Berliner Zweigestelle, in Bilbao und im Rahmen der Peggy-Guggenheim-Sammlung in Venedig gezeigt. Die besten 200 Arbeiten, die von einer aus Künstlern, Filmemachern, Designern und Musikern bestehenden Jury ausgewählt wurden, laufen ebenfalls auf YouTube Play.

Online-Videos seien eine der überzeugendsten Möglichkeiten, sich selbst auszudrücken, meint Guggenheim-Direktor Richard Armstrong. Chefkuratorin Nancy Spector erklärt, dass man mit dem globalen Projekt nicht an Arbeiten interessiert sei, die im Moment angesagt sind, sondern an Innovationen: „Wir suchen nach Dingen, die wir nie zuvor gesehen haben.“ Das Video, mit dem das Guggenheim und YouTube ihre als Biennale geplante Aktion im Internet vorstellen, erinnert mit seinem Retro-Look allerdings eher an die Anfänge des Musiksenders MTV in den 80ern.

Die Guggenheim-Initiative wurde bereits mit billigen Talent-Shows im Fernsehen verglichen. Das Museum als Drehtür für neue Talente sei der Feind der Kunst und nicht der Freund, kritisierte Robert Storr, Dekan der Yale University School of Art. YouTube scheint zu hoffen, dass die Kollaboration neue Werbekunden anzieht. Als dritter Partner und Sponsor ist Computerhersteller Hewlett-Packard mit an Bord.