Kochduell - Hamburg

Einer redet, der Andere rührt

Florian Waldvogel entdeckt das Kochduell für den Hamburger Kunstverein. Beim ersten Abend duellierte er sich mit Dirk Luckow, Direktor der Deichtorhallen. Endlich kocht mal etwas anderes hoch als Streit ums Budget in der Hamburger Kunstwelt.
Abgeschmeckt:Wenn Ausstellungsmacher den Kochlöffel führen

Der eine redet, der andere rührt: Dirk Luckow, Deichtorhallen, links, Florian Waldvogel rechts

Irgendwann in den letzten Jahren ist das Kochen zum allgegenwärtigen Phänomen geworden. Kaum ein Gespräch, Fernsehformat oder Zeitschriftenartikel, der ohne die Nennung mindestens dreier Lebensmittel auskäme. Foodblogs schießen wie Pilze aus dem Humus des Internets, und als Feinschmecker will sowieso jeder gelten. Da der Kunstdiskurs sich bekanntermaßen schon etwas länger mit dem Thema Essen beschäftigt, man denke nur an die Eat Art, die mittlerweile doch etliche Jahre auf dem Buckel hat, liegt es also fast nahe, die Kunstwelt mit popkulturellen Kochformaten in Verbindung zu bringen. So oder ähnlich muss Florian Waldvogel, Chef des Hamburger Kunstvereins, gedacht haben, als er für den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe "Stammtisch" ein Kochduell mit Dirk Lukow, Leiter der benachbarten Deichtorhallen, arrangierte.

Das "Duell" lief sehr freundschaftlich und in gelöster Atmosphäre ab. Alkohol floss und geraucht werden durfte auch. Die beiden Ausstellungsmacher plauderten entspannt aus dem Nähkästchen, allerlei kam dabei auf den Tisch. Lukow, der zugab, zuhause eher für den Abwasch zuständig zu sein, berichtete begeistert von seiner Düsseldorfer Zeit, in der er von Peter Kubelka und der Düsseldorfer Eat-Art-Szene schwer beeindruckt war, seine Rolle jedoch eher als Zugucker und Mitesser sah. Man erfuhr viel über seine Jugend in Düsseldorf, die Berliner Studentenzeit als Mitglied einer Punkband und die Abläufe im Hause Luckow. Vor lauter reden kam er kaum dazu, seinen Salat mit Trauben und Hüttenkäse zusammenzustellen.

Waldvogel erzählte von seiner Karriere als Schulabbrecher und einer begonnenen Lehre zum Einzelhandelskaufmann in einem Tennisgeschäft. Die meiste Zeit rührte er jedoch konzentriert seine Tomatensoße. Diese wurde im Laufe des Abends Bestandteil des Hauptgerichts: „Pasta Tricolore“. Beide Gerichte waren auf handfestem Sonntagskochniveau, aber durchaus schmackhaft. Zum Schluss waren alle Anwesenden satt und zufrieden, so dass niemand mehr Interesse an einer Siegerwahl hatte.

Stammtisch

In der Reihe "Stammtisch" wird es immer mittwochs im Foyer des Kunstvereins Filmvorführungen, Künstlergespräche und Gastvorträge geben.
http://www.kunstverein.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de