Richard Prince - Urteil

Unoriginell gestohlen

Es ist eine wegweisende Entscheidung: Eine New Yorker Richterin hat den Fotografen Richard Prince wegen Verletzung des Urheberrechts verurteilt. Nun dürfen Arbeiten im Wert von zehn Millionen Dollar nicht mehr gezeigt werden – weil Prince die Werke des Fotografen Patrick Cariou ohne Genehmigung benutzt und nur minimal verändert hatte. Doch der Streit geht weiter.

Der Fall erinnerte an den Kampf zwischen David und dem Riesen Goliath: Der Pariser Fotograf Patrick Cariou hatte Ende 2008 den Künstler Richard Prince und die mächtige Gagosian Gallery auf Verletzung des Urheberrechts verklagt und die Schließung der Ausstellung "Canal Zone" in der New Yorker Zweigstelle verlangt. Mit der Begründung, dass Prince rund 30 Bilder aus Carious Fotoband "Yes Rasta" von 2000 für eigene Zwecke benutzt – und wie bei der Appropriation Art üblich keine Genehmigung eingeholt hätte.

In einer ersten Entscheidung, die in den USA als wegweisend empfunden wird, gab jetzt eine Richterin dem Fotografen Cariou Recht. Arbeiten aus der “Canal Zone“-Serie sollen beschlagnahmt und, wenn es der Kläger so will, sogar zerstört werden. Gagosian, der Werke im Wert von zehn Millionen Dollar verkaufte, muss die Sammler schriftlich über den Rechtsmissbrauch informieren und sie davor warnen, dass die Arbeiten nicht öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen. Richard Prince hatte Kopien von Fotografien aus Carious Buch als Grundlage für seine Bilder eingesetzt, die er mit primitiven Schnitten, Farbe oder Collage-Elementen verfremdete. So steckte er einem Rasta-Mann im Wald eine E-Gitarre in die Hände und verpasste ihm mit kindlichen Kreisen ein maskenhaftes Gesicht.

In dem Fall geht es um grundsätzliche Fragen in der Kunst: Richterin Deborah Batts weigerte sich, die Arbeiten von Prince als ausreichend eigenständig anzuerkennen. Ihrer Meinung nach hatte der Künstler seine Vorlagen nicht dermaßen bearbeitet, dass sie in einem neuen Kontext stehen und damit eine freie Nutzung unter der US-amerikanischen “fair use“-Regelung rechtfertigten. Es ist fast verwunderlich, dass Prince mit seinen abfotografierten Marlboro-Cowboys, den von ihm zitierten Möbelanzeigen, Amateurfotos von Biker-Girls oder den Krankenschwestern aus Groschenromanen im Laufe seiner 30-jährigen Karriere nicht häufiger urheberrechtlichen Ärger hatte. Bislang hat nur der Fotograf Gary Gross, dessen Foto einer zehnjährigen nackten Brooke Shields Richard Prince 1983 unter dem Namen "Spiritual America" ausstellte, protestiert. Gross wurde ein paar Jahre später mit 2000 Dollar abgefunden.

In der Vergangenheit hätte sich Prince meist bei anonymer Werbefotografie bedient, meint Cariou, der acht Jahre lang für das Projekt Zeit mit den Rastafari auf Jamaika verbracht hatte, um deren Leben zu dokumentieren. “Aber diesmal ist es die Arbeit eines lebenden Fotografen. Mir kommt es so vor, als ob Prince vor lauter Macht und Geld den Sinn für Realität verloren hat.“ Als er seine Klage einreichte, antworteten Gagosians Anwälte, dass die limitierte Nutzung von Copyright-Material für kreative Zwecke erlaubt sei. Richard Prince tat die Sache damals damit ab, dass er Carious Fotos für “nicht auffallend originell“ hielt. Doch besonders originell sind auch Prince künstlerische Verwandlungen nicht. Wie viel Schadensersatz dem Fotografen Cariou zusteht, wird im Mai entschieden. Eine eigene Ausstellung mit seinen Rasta-Fotos in einer New Yorker Galerie war damals wegen der Gagosian-Show abgesagt worden.

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