Bronzeklau - Schutz durch GPS

Schnell zum Diebesgut

Bronze-Plastiken werden häufig gestohlen. Dabei geht es den Dieben nicht um die Kunst, sondern nur ums Material. Denn Bronze ist in den vergangenen Jahren im Preis deutlich gestiegen.
Schneller Zugriff:Dänische Kommune stattet Bronzen mit GPS aus

"Pure Moore" von Fritz Balthaus im Park des Bundeskriminalamtes in Berlin erinnert an den spektakulären Diebstahl der Bronzeplastik "Reclining Figure" (1967/70) von Henry Moore

Den Weg zum Diebesgut bekommt die Polizei in der dänischen Kommune Gribskov fortan von GPS-Sendern gewiesen. Henrik Olsen, Sicherheitschef von Gribskov, hat nämlich dafür gesorgt, dass die wichtigsten Bronze-Plastiken der nördlich von Kopenhagen gelegenen Kommune nicht nur mit Alarm, sondern auch mit GPS ausgestattet werden. "Diese beiden Maßnahmen zusammen sollten das Diebstahlrisiko erheblich reduzieren", sagt er. Bei leicht zugänglichen Skulpturen in öffentlichen Anlagen etwa hilft ein Alarm allein häufig nicht, denn bis Polizei oder Wachdienst vor Ort sind, ist der Dieb längst über alle Berge. Dank GPS, dem technischen System, das mittels Satellitennavigation auch Autofahrern den Weg weist, soll der Weg der Beute schnell nachverfolgt werden können. Die Kosten für die Sicherung belaufen sich auf einmalig etwas mehr als 1000 Euro pro Werk.

Bronze-Plastiken werden zur Zeit besonders häufig gestohlen. Das liegt oftmals nicht etwa daran, dass die Diebe für diese Arbeiten wegen deren Ästhetik eine besondere Vorliebe hätten. Nein, es kommt ihnen auf das Material an. Bronze nämlich ist wie auch das Edelmetall Gold in den vergangenen Jahren im Preis deutlich gestiegen. Gestohlene Kunstwerke werden wie Altmetall deshalb eingeschmolzen und als Rohmaterial verkauft. Natürlich wäre das eigentliche Kunstwerk wertvoller, doch entsprechend schwerer zu verkaufen als die Legierung aus Zinn und Kupfer in Barrenform.

Einer der bekanntesten Fälle von Bronzeklau ist der von Überwachungskameras gefilmte Diebstahl der Plastik "Reclining Figure" (1967/70) von Henry Moore. Die Arbeit wurde in Hertfordshire in Englang Ende 2006 einfach auf einen LKW geladen und weggefahren. Vermutlich schmolzen die Diebe die 2,1 Tonnen schwere Plastik ein, um das Material für ein paar Tausend Euro verkaufen zu können. Der Berliner Künstler Fritz Balthaus griff diesen spektakulären Raub thematisch in seiner Arbeit "Pure Moore" auf, die jezt vor dem Bundeskriminalamt in Berlin-Treptow steht. In Zusammenarbeit mit der traditionsreichen Berliner Bildgießerei Noack, die zahlreiche Skulpturen Moores gegossen hat, wurde das ursprüngliche Gesamtgewicht der Plastik von 2100 Kilogramm in Bronze-Rohbarren umgerechnet. Bei einem Einzelgewicht von 9,5 Kilogramm pro Barren ergeben sich 221 Barren, die Moore für seine Skulptur „Reclining Figure“ eingeschmolzen hatte. Diese 221 Bronzebarren schichtete Balthaus auf einen schwarzen Betonsockel in den Dimensionen der Originalsockelfläche.