Antonio Manfredi - Asylbewerber

Der Museumsdirektor, der um Asyl bat

Die Camorra bedroht sein Museum, also bat Direktor Antonio Manfredi in Deutschland um Asyl
Bitte an Merkel:Der Museumsdirektor, der um Asyl bat

Roberto Manfredi mit Deutschlandfahne in seinem Museum

Casoria ist ein trister Ort im Hinterland von Neapel, wo der Müll die Umwelt vergiftet und die Camorra eine solide Basis hat. In dieser Kulturwüste gibt es eine Oase, das "Contemporary Art Museum", mit einer Sammlung von 1000 Werken internationaler Künstler. Jetzt hat der Direktor des "CAM", Antonio Manfredi, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief um Asyl für sein ganzes Museum samt der Mitarbeiter gebeten. Am Eingang flattert seitdem die deutsche Fahne.

art: Was war der Anlass für Ihren Hilferuf?

Manfredi: Wir fühlen uns seit Jahren durch Briefe, Anrufe und Vandalakte bedroht. Wir sind ein Privatunternehmen und erhalten keine öffentlichen Zuschüsse, aber früher stand wenigstens der Bürgermeister hinter uns. Seit aber vor sechs Jahren die Gemeinderegierung wegen Camorra-Infiltration aufgelöst wurde, haben wir keinen Schutz mehr.

Was könnte die Camorra denn gegen Kunst haben?

Ich will hier in Casoria Interesse für zeitgenössische Kunst wecken und dazu gehört die Auseinandersetzung mit sozialen Themen. 2008 habe ich eine Ausstellung mit neapolitanischen Künstlern zum Thema "Camorra" gemacht. Da gab es üble Reaktionen. Noch schlimmer war es, als ich Werke von 100 afrikanischen Künstlern ausstellte. Damals hatte die Camorra gerade sechs afrikanische Migranten im nahen Castelvolturno erschossen. Am Tag der Ausstellungseröffnung hing eine schwarze Puppe in Menschengröße erdrosselt am Eingangstor.

Warum suchen Sie Hilfe bei der deutschen Kanzlerin und nicht beim italienischen Staat?

Wir haben uns an zahlreiche italienische Institutionen gewandt und nie eine Antwort bekommen. Das verwundert ja auch nicht bei einem Staat,der Pompeji verfallen lässt. In Deutschland dagegen ist man der Kultur gegenüber sensibel. Ich muss allerdings sagen, dass die junge Generation hier in Casoria fantastisch ist. Jeden Tag kommen junge Leute zu mir und bitten mich, gratis im Museum arbeiten zu dürfen.

Hat Ihnen Angela Merkel geantwortet?
Nein, sie persönlich nicht, aber aus Neapel ist der deutsche Konsul und die Leiterin des Goethe-Instituts angereist. Wir haben gemeinsame Pläne für die Zukunft. Ich erhielt auch zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus Deutschland. Das alles hat uns moralisch sehr gestärkt.