Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal Cy Twombly als Fotograf, Frauenbilder von Rosa Loy, Softporno von Bruce Conner

Wilde Schraffuren, abstrakte Chiffren, Linienknäuel, Wortfetzen, rätselhafte Zeichen, mit Blei- und Farbstiften oder mit Pastellkreiden auf helle Malgründe geschrieben oder in pastose Ölfarbe gekratzt – so kennt man den Amerikaner Cy Twombly (Jahrgang 1928). Charakteristisch auch seine Skulpturen aus kruden Fundstücken, die er häufig mit kalkig-weißer Farbe überzieht. Einen ganz anderen Twombly gilt es jetzt im Münchner Museum Brandhorst zu entdecken.

Dort werden erstmals in Deutschland über 100 seiner Fotografien gezeigt – Blumenstillleben, Landschaften, Atelieraufnahmen, die er bereits seit den fünfziger Jahren angefertigt hat. Dass Twombly keine ästhetisch-eleganten Fotostücke abliefern würde, versteht sich fast von selbst: Ähnlich wie die weiße Farbe die Holzstücke oder Metallteile seiner Skulpturen bleich überzieht, nehmen in den Fotografien Unschärfe und Überbelichtung den Motiven ihre Eindeutigkeit. Es entstehen Fotos in eigentümlich diffusen Farben und Formen. "Die so genannte Realität löst sich jeweils in eine Fülle von Aggregatzuständen auf", heißt zur Münchner Ausstellung. "Von den Zeichen bleibt das Gestische ihrer Gestaltung, von den Botschaften nur die vage Erinnerung das Zeitgemäße ist von mythischen Momenten durchsetzt...".

Die Ausstellung "Cy Twombly – Photographien 1952-2010 ist im Museum Brandhorst vom 6. April bis zum 10. Juli zu sehen

Gießen: Rosa Loy – "Manna"

So etwas nennt man Kontrastprogramm: Gerade noch hatte der deutsche Konzeptkünstler Gerhard Merz die Kunsthalle Gießen mit granitfarbenem Wandanstrich in die karge Rauminstallation "Granit" verwandelt, so sind jetzt die starkfarbigen Bilder der Leiziger Malerin Rosa Loy hier eingezogen. Loy, die zur Neuen Leipziger Schule gerechnet wird und mit dem Maler Neo Rauch verheiratet ist, beschäftigt sich "mit dem Mysterium der Frau, der neuen Weiblichkeit und der neuen Romantik", wie es auf ihrer Website heißt. Ihre Großformate sind von weiblichen Wesen bevölkert: ruhende Schwangere, schützende Mütter, zupackende Landarbeiterinnen, oft in surreal anmutendem Ambiente, in das auch Elemente aus der Welt von Pop und Comic gemischt sind. Der Titel der Ausstellung, "Manna", bezieht sich auf die gleichnamige Arbeit, die sie für die Ausstellung vollendet hat.

Die Ausstellung von Mona Loy ist in der Kunsthalle Gießen noch bis zum 26. Juni zu sehen.

Dresden: Wolfgang Müller

Seit der Mitte der Achtziger Jahre ist Wolfgang Müller an allen künstlerischen Fronten aktiv: Sein Spektrum reicht von "klassischer" bildender Kunst wie Zeichnung, Malerei und Skulptur bis hin zu Soundart, Hörspiel und Performance. Außerdem gründete Müller 1980 die Künstlerband "Die Tödliche Doris" und veröffentlichte 1982 das Buch "Geniale Dilettanten". Sein Werk ist immer ironisch-witzig, Berührungsängste zur Popkultur kennt Müller nicht. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie für Gegenwartskunst dokumentiert sein Schaffen der letzten 30 Jahre und zeigt bisher selten gezeigte Werke, darunter "parus caerulues" eine Installation, die auf einem FDP-Wahlkampfstand von 1995 basiert.

Die Ausstellung „Wolfgang Müllerrrr – Extra und Gleichzeitig“ läuft noch bis zum 29. Mai im Kunsthaus Dresden – Städtische Galerie für Gegenwartskunst. Dazu findet ein reichhaltiges Begleitprogramm statt.

Zürich: Bruce Conner

Ein grauer Atompilz prangt auf der Ankündigung zur Vernissage von Bruce Conner. Die Kunsthalle Zürich zeigt seinen Film "Crossroads" von 1976, in dem er Aufnahmen von nuklearen Testversuchen auf dem Bikini-Atoll verwendete – und seine Faszination der atomaren Bedrohung verarbeitete. Conner (1933 bis 2008) gilt als einer der großen Experimentalfilmer der USA, ein Wegbereiter des Musikvideos, der schon 1958 in "A Movie" Wochenschaubilder und Filmausschnitte zu einer atemraubenden Assemblage vereinte. In Zürich sind nun seine Filme vom Softporno mit Marilyn-Monroe-Doppelgängerin bis hin zu seinen Musikvideos für Brian Eno und David Byrne zu sehen. Daneben wird auch sein medienübergreifendes Werk mit Gemälden, Zeichnungen und Fotografien präsentiert. Der internationale Art Jet Set kommt auch vorbei, nach der Vernissage stellt Mauricio Cattelan die neue Ausgabe seines Magazins "Toiletpaper" vor.

Kunsthalle Zürich, im Museum Bärengasse, Eröffnung, Freitag, 1.April 2011, 18 bis 21 Uhr. Der Event mit Cattelan findet ab 23.30 Uhr im Cabaret Voltaire statt.

Zwickau: Gudrun Kemsa

Passanten auf der Fifth Avenue, jugendliche Selbstdarsteller in Venice Beach, Flaneure am Spreeufer – in großen Panoramaaufnahmen bildet die Fotografin Gudrun Kemsa den urbanen Raum als Bühne ab. Auf ihren Fotos sind normale Menschen zu sehen, die ihren Alltag in der Stadt erleben und sich selbstverständlich in ihr bewegen. In den Aufnahmen werden sie jedoch zu Darstellern innerhalb eines urbanen Bühnenbildes. Kemsas Bildsprache ist klar, die Kompositionen sind harmonisch und ruhig. Zufällige Konstellationen erscheinen plötzlich bedeutsam, der städtischen Bühne liegt mit einem Mal ein verborgener Sinn zugrunde. Der Kunstverein Zwickau beeindruckte die Jury des ADKV-Art-Cologne-Preises für Kunstvereine so nachhaltig, dass sie ihm ihre offizielle Anerkennung ausgesprochen hat.

Die Ausstellung "Gudrun Kemsa – Urban Stage" läuft vom 1. April bis zum 11. Juni im Kunstverein Freunde Aktueller Kunst<(i>