Paul Vogt - Museum Folkwang

Der Retter der Sammlung

Das Museum Folkwang, von den Nationalsozialisten brutal geplündert, erlebte unter seinem langjährigen Direktor Paul Vogt seine Wiederaufestehung – Vogt wird am Sonntag 85 Jahre alt
85. Geburtstag:Eine große Persönlichkeit der Nachkriegs-Kunstwelt

Wird am Wochende 85 Jahre alt: der ehemalige Folkwang-Direktor Paul Vogt

Er ist einer der ganz großen Museumdirektoren der deutschen Nachkriegsgeschichte: Paul Vogt, Leiter des Museum Folkwang von 1963 bis 1988, feiert am 29. Mai seinen 85. Geburtstag. Das Museum Folkwang, 1902 auf der Basis der Kollektion des Industriellen Karl Ernst Osthaus (1874 bis 1921) entstanden, verdankt Paul Vogt den Wiederaufbau seiner Sammlung und die Gründung der Fotografischen Sammlung im Jahr 1979. Von 1984 bis 2010 war Paul Vogt als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Ruhr verantwortlich für die großen Ausstellungen in der Villa Hügel.

"Das Verlorene zurückholen, in die Gegenwart vorstoßen"

1933 war Folkwang-Direktor Ernst Gosebruch von den Nationalsozialisten entlassen worden. Unter seinem Nachfolger, Klaus Graf von Baudissin, wurde auch das Museum Folkwang Opfer der Hetze gegen die sogenannte entartete Kunst: Kein anderes der 101 von den Nationalsozialisten geplünderten deutschen Museen hat so viele Werke verloren wie das Museum Folkwang. Paul Vogt resümierte 1987 in art: "Abgesehen von ein par Nazi-Schinken besaß das Museum 1945 kein einziges Gemälde mehr, das nach 1900 entstanden ist."

1963 wurde dann Paul Vogt aktiv. Er trat mit dem Vorsatz an, "das Verlorene, soweit es ging, zurückzuholen oder durch Werke ähnlicher Qualität zu ersetzen; dann die Entwicklung zu dokumentieren, die es weder bei Osthaus noch bei Gosebruch gegeben hatte, Surrealismus, Konstruktivismus, die Malerei Picassos; und dann in die Gegenwart vorzustoßen – die eigentliche Aufgabe, die das Folkwang ja immer hatte, ein Museum der Gegenwart zu sein".

Die Fotografische Sammlung – eine der größten in Deutschland

Paul Cézannes Gemälde "Der Steinbruch Bibémus" und Ernst Ludwig Kirchners "Tanzpaar" gehören zu den wichtigsten Werken, die Paul Vogt zurückerwerben konnte. Er erweiterte die Sammlung französischer Kunst um Gemälde von Claude Monet, Robert Delaunay und Fernand Léger und erwarb bedeutende Werke von Joan Miró, Yves Tanguy, Salvador Dalí, Edvard Munch, Piet Mondrian, Max Beckmann und Josef Albers. Auch ergänzte Vogt die Sammlung mit Werken der heute im 2010 eröffneten Neubau präsentierten US-Amerikaner Barnett Newman, Mark Rothko, Franz Kline, Jackson Pollock, Ad Reinhardt, Morris Louis und Frank Stella.

Er widmete sich der osteuropäischen Avantgarde ebenso wie den "Jungen Wilden" zu Beginn der achtziger Jahre. Mit dem Erwerb des fotografischen Nachlasses von Otto Steinert und dessen Sammlung zur Geschichte der Fotografie begründete Paul Vogt die Fotografische Sammlung, die heute zu den bedeutendsten in Deutschland gehört. Zur Zeit schreibt Paul Vogt an seinen Memoiren, die in der Edition Folkwang veröffentlicht werden. pb

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