CityLeaks - Köln

Strassenkunst

Das Festival CityLeaks gibt internationalen Straßenkünstlern freie Hand und lockt damit etliche Stars der Szene an den Rhein. Seit letzter Woche sind 20 Wandbilder von smash137, El Bocho oder Herakut in Köln entstanden, nun zeigt eine Ausstellungswoche die Street Art in Off-Locations und Galerien.

Obwohl Keith Haring die Graffiti schon vor 30 Jahren museumsreif machte, riecht die Straßenkunst immer noch etwas nach Urin. Das liegt an den zahllosen Mauern, Hinterhöfen und Unterführungen, an denen mal mehr und mal weniger begabte Sprayer mit Kritzeln ihr Revier markieren.

Auf diesem soliden Grund der urbanen Sonntagsmalerei ruht auch – der Name sagt es – das Kölner Urban Art Festival CityLeaks. Gleichzeitig lässt es ihn mit einer Auswahl von 44 internationalen Künstlern und Künstlerduos himmelweit unter sich. Dabei erweist sich die immer noch um Anerkennung ringende Straßenkunst in handwerklicher Hinsicht als erstaunlich konservativ: So eindeutig kommt Kunst sonst nirgendwo von Können.

In ihren Pioniertagen war die Straßenkunst grundsätzlich eine Nacht-und-Nebel-Aktion. Mittlerweile hat sich das zwar geändert, doch sind die Arbeitsbedingungen, die CityLeaks seinen Künstlern bietet, trotzdem etwas Besonderes. Jedem Gast wird eine großflächige Hausfassade, eine mobile Hebebühne und eine Farbdosen-Palette gestellt, außerdem bekommt er freie Hand bei der Auswahl des Motivs und vor allem mehrere Tage Zeit. So sind ausgefeilte Malereien wie Claudio Ethos surrealistisch ausfransender Mönch oder eine zwischen Konstruktivismus und Groteske schillernde Figur von AMOSE entstanden. Über die virtuose Dosenführung und Maltechnik (mit Sprühaufsätzen werden die verschiedenen „Pinselstärken“ erzeugt) kann man auch in den meisten anderen Fällen nur staunen. Passend dazu wurden die Malarbeiten überwiegend freundlich begrüßt und waren teilweise von Fans umlagert. Auch soll lediglich eine private Hausbesitzerin ihre Teilnahme am Festival mittlerweile bereuen; allerdings ist ein fassadenfüllender, gehäuteter und kopfüber an den Pfoten aufgehängter Feldhase auch nicht jedermanns Geschmack.

Seit einigen Jahren lässt sich die zunehmende Professionalisierung der Straßenkunst nicht mehr übersehen. Etliche Künstler werden von Galerien vertreten oder von Spraydosen-Herstellern unterstützt, smash137 machte laut CityLeaks-Kuratorin Anne Scherer Karriere, als er sich vor einem Schweizer Gericht schuldig und gleichzeitig zu seiner Berufung „seriöse Kunst“ bekannte. Gerade bei seiner Arbeit zeigt sich allerdings die leichte – möglicherweise aber auch nur große Teile der Straßenkunst getreu abbildende – konzeptionelle Schwäche des insgesamt gelungenen Festivals. Zwar hat Köln einige neue Schauseiten bekommen. Andererseits könnten alle auch in anderen Städten stehen. Man hat praktisch nie den Eindruck, die Künstler hätten sich auf die Umgebung ihrer Wände eingelassen.

Es fehlt also, was der Street Art, vor allem in Person von Banksy, zu Aufmerksamkeit verhalf: soziale Eulenspiegeleien, die als Stolpersteine ins Straßenleben eingelassen sind. Ansätze dazu gibt es von El Bocho, der seine Porträtreihe "Citizen" auf Köln ausdehnt und mit Kalle und Bernd zwei sprechende Überwachungskameras aus Berlin mitbrachte. Insgesamt erfordern derartige "Eingriffe" in den Alltag aber einen konzeptionellen wie logistischen Aufwand, der von einem schamlos unterfinanzierten Festival wohl schlichtweg nicht zu leisten ist.

Seit dem 16. September wird das CityLeaks-Festival um eine Ausstellungswoche erweitert, in der einige Szenegrößen in alternativen Räumen und ausgewählten Galerien zu sehen sind. Zu ihnen gehört Stefan Strumbel, der kürzlich mit seiner deutschen Heimatkunst in den USA für Wirbel sorgte, und mit Jim Avignon ist sogar ein Elder Statesman der Straßenkunst vor Ort. Das Rahmenprogramm umfasst neben einem Symposium, täglichen Führungen, mehreren Workshops und Konzerten natürlich jede Menge Partys. Außer den Stars sollten dort auch die unermüdlichen CityLeaks-Macher ausgiebig gefeiert werden.

Urban Art Festival CityLeaks Cologne

bis 25. September 2011

http://www.cityleaks-festival.de