Haiti - Auktion

Mörderische Wellen für Haiti

Wenn Ben Stiller mit David Zwirner eine Wohltätigkeitsauktion für das vom Erdbeben zerstörte Haiti organisiert, muss das ein Erfolg werden. So war es auch, die Gebote überstiegen die Schätzpreise deutlich.

Hollywood und die Kunst schlossen sich für einen guten Zweck zusammen. Was nicht nur Rekorde brachte, sondern Höchstgebote mit gewissem Glamour-Faktor.

Glenn Ligons Arbeit "Stranger #44" mit sich zu schwarzen Flecken verdichtenden Buchstaben ging für 450 000 Dollar an Kino-Star Jennifer Aniston. Es war eine interessante Wahl. Ligon, der eine große Ausstellung im Whitney Museum hatte, arbeitete auf dem Bild mit einem Text des amerikanischen Schriftstellers James Baldwin, der schildert, wie er in den fünfziger Jahren als erster Schwarzer ein kleines Schweizer Alpendorf besuchte. Aniston gehörte neben ihrem Freund Schauspieler Justin Theroux, Ex-Tennis-Profi und Galerist John McEnroe und Ben Stiller, der die Charity-Auktion für Haiti gemeinsam mit dem Galeristen David Zwirner initiiert hatte, zu den prominenten Gästen. Stiller ist mit seiner Stiftung in Haiti aktiv. Zwirner organisierte die Auktion und gewann die Künstler dazu, Werke zu spenden oder für die Versteigerung zu fertigen.

Insgesamt erzielten die 27 Arbeiten von 26 Künstlern ein Ergebnis von 13,7 Millionen Dollar – also über dem oberen Schätzwert von zehn Millionen. Neben Glenn Ligon erzielten drei weitere Künstler einen Rekord: Raymond Pettibon brachte es mit dem Bild einer mörderischen Welle “No Title (But the sand)” von 2011, auf dem mehrere Surfer von einer gigantischen Welle verschluckt werden, auf einen Rekord von 820 000 Dollar. Der aus Algerien stammende Adel Abdessemed, ebenfalls einer von Zwirners Künstlern, erzielte mit seiner aus alten Blechkannen gefertigten Weltkarte einen Rekord von 350 000 Dollar. Eine Amerika-Flagge von Nate Lowman ging für den Rekord von 140 000 Dollar unter den Hammer.

Den Höchstpreis des Abends erreichte Marlene Dumas mit zwei Millionen Dollar und ihrem Gemälde "My mother before she became my mother" von 2010, das sie kurz nach dem Tod ihrer Mutter gemalt hatte. Gefolgt von Luc Tuymans einsamen Spieler “Deal-No Deal“ mit 1,5 Millionen Dollar, einer Neon-Installation von Dan Flavin für 950 000 Dollar, einer tränenreichen Arbeit von Urs Fischer (“Tomorrow“ für 920 000 Dollar) und Neo Rauchs “Chor“ für 900 000 Dollar. Philippe Segalot schnappte sich Raymond Pettibons zweite gigantische Welle “No Title (“From life to“), von der zwei Wellenreiter mit der Bildunterschrift “To Be Wiped Off The Face Of The Earth“ von der Erdoberfläche gewischt werden, für 760 000 Dollar.

Auch Ben Stiller, der für Unterhaltung sorgte, als er John McEnroe nach einem erfolglosen Biet-Gefecht mit seinem Paddle bedrohte, schlug zu. Er kaufte die Flagge von Lowman, erstand für 400 000 Dollar Jeff Koons dekoratives Bikini-Höschen “Bikini (Desert)" und eine von Martin Kippenbergers Lampen, "Kippenblinky" von 1991, für 200 000 Dollar.

Christie’s verzichtete an diesem Abend auf die üblichen Kommissionen. Mit dem Erlös aus der Auktion sollen in Zusammenarbeit mit Architecture for Humanity Schulen in der Gegend von Port-au-Prince wiederaufgebaut werden. Amy Cappellazzo, die Chefin der Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Christie's, schickte David Zwirner während der Versteigerung eine Text-Nachricht. Sie versicherte dem Galeristen, dass er für diese Aktion garantiert in den Himmel kommen wird. Schon bald soll die nächste Charity-Auktion an den Start gehen. Der in Tokio geborene Takashi Murakami hat mit Christie's eine Versteigerung zugunsten seines von Erdbeben und Reaktor-Katastrophen geschundenen Heimatlandes angekündigt.

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