Bob Dylan - Asia Serie

Das wahre Leben aus dem Archiv

Bob Dylan hat nach eigenen Angaben die Motive seiner Werke aus dem "wahren Leben" genommen. Ungünstig nur, wenn namhafte Fotografen ihre Bilder wenig modifiziert in Dylans "Asia Serie" wieder erkannt haben wollen. Zugegeben hat der malende Rockstar die Kopien nicht - abgestritten aber auch nicht.

Bob Dylans neue Karriere als Maler lief vielversprechend an. Larry Gagosian eröffnete die Herbstsaison in seiner Zweigestelle auf der New Yorker Upper East Side mit Arbeiten der Musikerlegende. Gezeigt wurde Dylans "Asia Serie". "Eine visuelle Reflektion seiner Reisen durch Japan, China, Vietnam und Korea", heißt es in der Ausstellungsankündigung der Gagosian Gallery. Nun weiß man nicht genau, ob übereifrige Galeriemitarbeiter am Werk waren oder ob es der Meister selbst nicht so genau mit der Quelle seiner Inspirationen nimmt.

Auf jeden Fall bestätigt sich, dass Bob Dylan ein "scharfsinniger Beobachter" ist, so die Erklärung von Gagosian. Dylan-Fans fanden heraus, dass ihr Idol eher fotografische Archive bereiste, um Vorlagen für seine Arbeiten zu finden. Ein Großteil der 18 Bilder ist detailgetreu von Fotos abgemalt. Die Vorlagen stammen unter anderem aus "Life"-Magazinen, von dem Fotojournalisten Dmitri Kessel oder von Mitgliedern der Magnum-Agentur, wie dem berühmten Fotografen Henri Cartier-Bresson, dessen Schwarz-Weiß-Foto von einem Eunuchen und einem Mann am Hof der Kaiserin-Witwe Tsu-hsi von 1948 Dylan mit ein wenig Farbe aufpeppte. Oder die Arbeit "Opium" von 2009, bei der Dylan das Foto einer Vietnamesin von Léon Busy von 1914 kopierte und sich immerhin die künstlerische Freiheit herausnahm, die Farbe des Kimonos zu verändern.

Langfinger Dylan?

Es ist eine heikle Angelegenheit. Schließlich sind einige Fotos nach wie vor urheberrechtlich geschützt. An die Fotoagentur Magnum zahlte Dylan für drei Bilder Lizenzgebühren. Der amerikanische Sammler Rob Oechsle, der seine antiken Asien-Fotos unter den Namen "Okinawa Soba" auf Flickr kostenlos ins Internet stellte, entdeckte sechs Bilder, die Dylan als Quellen gedient hatten. Fans fanden inzwischen heraus, dass der Künstler ähnliche Anleihen für seine Ausstellung 2010 in Dänemark gemacht hat. Und die Suche geht weiter. Bob Dylan, der sich in der Vergangenheit mit seinen Songtexten bei Kollegen bedient haben soll, schwieg wie zu erwarten bislang zu den Vorwürfen.

"Ich male meistens nach dem wahren Leben"

Gagosian gab die kryptische Erklärung ab, dass die Frische der Arbeiten den Farben und Strukturen entspringt, die Dylan in alltäglichen Szenen fand, die er während seiner Reisen beobachtete. Der Verweis auf das Interview, das ein Star wie Dylan natürlich mit einem der wichtigsten Kuratoren in Amerika, John Elderfield vom Museum of Modern Art, für den Katalog führte, brachte etwas mehr Licht in die Angelegenheit. Auf die Frage, ob er nach Skizzen der Fotografien malt, antwortete Dylan: "Ich male meistens nach dem wahren Leben. Echte Menschen, echte Straßenszenen, Szenen, die sich hinter der Fassade abspielen, lebendige Models, Malereien, Fotografien, inszenierte Set-ups, Architektur, Raster, Grafikdesign. Was auch immer es braucht.... Aber es muss mit etwas Greifbarem beginnen."
So passt es, dass der prominente Vertreter der Appropriation Art, Richard Prince, der ebenfalls von Gagosian vertreten wird, das Vorwort zu Dylans Katalog geschrieben hat. Prince streitet sich gerade vor Gericht mit einem Fotografen, dessen Bilder er ohne Genehmigung als Vorlagen für eine seiner Serien nutzte.

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