Miranda July - Interview

Manchmal hilft es, Umwege zu nehmen

Am 27. Oktober startet "The Future", der zweite Spielfilm der Performancekünstlerin Miranda July. Es geht um ein Paar in den Dreißigern, das beschließt, eine Katze zu adoptieren, und dann halbwegs kalte Füße bekommt. Die beiden wollen den Monat, den sie noch alleine sind, auskosten und alles anders machen. Er kündigt seinen Job und schließt sich einer Öko-Initiative an, sie nimmt Tänze für ein YouTube-Projekt auf. Dann beginnt die Frau eine Affäre, und es rappelt surreal in der Beziehungskiste.

Miranda July, am Anfang Ihrer Karriere sind Sie bei Punk-Konzerten aufgetreten. Was haben Sie dort aufgeführt?

Das Gleiche wie später in den Museen. Es gab komplexe Geschichten, mehrere Figuren und lange Proben. Das war eine gute Schule für die Filmarbeit.

Sie schreiben, singen, filmen, machen Skulpturen, stehen auf der Bühne und konzipieren Mitmach-Internetprojekte. Wie entscheiden Sie, was aus einer Idee wird?

Ich führe ein Notizbuch und markiere die Ideen mit kleinen Buchstaben: M steht für Movie, P für Performance, A für Art usw. Manchmal bin ich mir nicht sicher und reihe Buchstaben hintereinander. Der Keim zu "The Future" war eine Kurzgeschichte, die aber nicht so richtig funktionierte, dann machte ich eine Performance daraus, und schließlich entwickelte sich der Film. Es hilft gelegentlich, Umwege durch verschiedene Medien zu nehmen.

Wie sah die Performance aus, die zu "The Future" führte?

Jeden Abend habe ich ein Paar und einen männlichen "Nebenbuhler" aus dem Publikum auf die Bühne geholt und ihnen eine frühe Variante der Handlung von "The Future" erzählt. Sie haben dann mit ein paar versteckten Regieanweisungen die Rollen improvisiert, was jedes Mal zu ganz und gar unterschiedlichen Ergebnissen führte.

Wusste das Publikum, was es erwartet?

Die Besucher haben nichts geahnt, bis es zu spät war. Mit der Zeit hat sich die Überraschung natürlich herumgesprochen.

Haben sich Paare nach der Aufführung getrennt?

Ein Paar erzählte mir, dass sie sich in den Figuren wiedererkannt haben. Für sie war es eine merkwürdige Erfahrung, "ihre" Zerreißprobe auf der Bühne darzustellen.

Auch in der Bildenden Kunst versuchen Sie, das Publikum einzubeziehen, etwa in den interaktiven Skulpturen, die auf der Biennale von Venedig zu sehen waren.

Ich stelle mir das Publikum als Teil des künstlerischen Prozesses vor – außer beim Film natürlich. Deswegen kehre ich immer wieder zur Performance zurück. Ich mag es nicht, wenn man dem Publikum die Kunst vor die Füße wirft und sagt: "Sieh zu, wie du damit zurecht kommst."

In Ihren frühen Internetprojekten geht es um soziale Interaktion. Hat Facebook Sie da mittlerweile überholt?

Bei "Learning to Love You More" haben wir die Leute dazu gebracht, den Computer zu verlassen, raus zu gehen und sich mit jemandem zu treffen. Das ist etwas anderes als Facebook.

Macht es einen Unterschied, ob man für ein reales Publikum oder für die Kamera spielt?

Ersteres macht mehr Spaß. Und es ist in gewisser Hinsicht auch leichter. Man tut nicht nur so, als wäre man im Moment, sondern geht in ihm auf. Filmen ist ein einziger großer Trick mit viel Technik im Hintergrund.

In Ihrem ersten Film "Ich, Du und alle, die wir kennen" (2005) haben Sie einen satirischen Blick auf die Kunstszene geworfen. Hat sich ihr Eindruck mittlerweile geändert?

Der Film wurde satirischer wahrgenommen als ich ihn gemeint hatte. Damals war ich noch kein richtiger Teil der Kunstszene und habe mir das meiste ausgedacht, so wie ich mir die Tanznummern in "The Future" ausgedacht habe. Mir ging es darum, welche Macht wir Menschen und Institutionen unterstellen, auch wenn diese sie vielleicht gar nicht haben.

Wie hat die Kunstwelt reagiert?

Ich glaube, die Angehörigen der Kunstwelt sind diejenigen, die sie am meisten hassen. Das gilt aber für jede Branche. Man liebt es, über den eigenen Betrieb zu lästern.

Wie würden Sie ihren Charakter in "The Future" beschreiben? Sophie wirkt sehr verspielt, beinahe kindisch.

Ich habe viele Eigenschaften, die mir selbst an mir unangenehm und sogar peinlich sind, in die Figur gelegt. Es tut ein bisschen weh, das anzuschauen, aber ich muss akzeptieren, wer ich bin. Das Ganze ist wahrscheinlich kathartisch.

Sie scheinen von peinlichen Situationen fasziniert zu sein.

Beim Schreiben fühlt sich das gar nicht so an. Es geht eher um Dinge, die ich nicht verstehe, und um das seltsame Gefühl, wenn man etwas Ungewohntes erlebt.

Der Film endet etwas überraschend mit einer dramatischen Note.

Ich wollte, dass die Affäre wirkliche Konsequenzen hat und die Figuren nicht einfach so durch die Handlung gleiten, ihre Lektion lernen, und alles ist gut. Man muss sich kümmern, sonst kann man seine Liebe, seine Seele, sich selbst verlieren. Am Ende steht das Paar am Kreuzweg: Entweder sie trennen sich, oder sie meinen es ernst.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Eine Weile keinen Film zu drehen.