Kashya und Philipp Hildebrand - Zürich

Galeristin lässt Notenbanker straucheln

Kashya Hildebrand, Galeristin und Ehefrau des zurükgetretenen Präsidenten der Schweizer Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, erzielte bei einem Devisenhandel eine hohe Gewinnspanne. Dieses Nachricht allein erregt noch kein Aufsehen. Ein kleiner Stolperstein ist allerdings die Tatsache, dass die Transaktion von Franken in US-Dollar kurz vor der Einführung des Frankenmindestkurses durch die SNB getätigt wurde, was den hohen Ertrag für die Hildebrands erst ermöglichte. Ein Zufall?

Es passiert nicht häufig, dass eine Galeristin den Präsidenten einer Nationalbank zu Fall bringt. Kashya Hildebrand betreibt in Zürich hinter dem Bankenviertel seit 2004 eine Galerie für zeitgenössische Kunst mit Schwerpunkt auf Fernost und Golf-Region. Ihr Mann Philipp Hildebrand war bis zu seinem Rücktritt Anfang dieser Woche der Top-Notenbanker der Schweiz. Zum Verhängnis geworden ist ihm ein Devisengeschäft, das seine Frau aus ihrer Galerie heraus getätigt hat: Am 15. August 2011 kaufte sie über den Kundenberater des Paares bei der Bank Sarasin für 400 000 Franken US-Dollar. Ein paar Wochen später beschloss die Schweizer Nationalbank, die fixe Anbindung des Frankens an den Euro zu einem unteren Kurswert von 1,20. Der Dollar gewann dadurch deutlich an Wert. Die Hildebrands verkauften im Oktober Dollar und realisierten einen Währungsgewinn von 75 000 Franken. Das ist nicht unbedingt viel für einen, der eine knappe Million Franken Jahresgehalt bezieht und sich vor seinem Wechsel zur Nationalbank in der Privatwirtschaft ein Vermögen erworben hat, aber es lässt den unschönen Verdacht auf Insiderhandel aufkommen.

Dass Hildebrand rechtlich korrekt gehandelt hat, weil Devisenhandel den Notenbankern der Schweiz nicht verboten ist, und dass er angeblich erst am Tag danach Kenntnis von der Transaktion seiner Gattin erhielt, nützte nicht viel. Moralisch blieb ein Makel haften, Hildebrand hat das selbst vor den Medien so formuliert und darauf hingewiesen, seine Frau sei eine "starke Persönlichkeit" mit "eigenen Überlegungen". Das Power-Couple lernte sich in den neunziger Jahren in New York beim Hedge-Fund Moore Capital Management kennen. Die in Pakistan geborene Kashya Mahmood arbeitete dort als Devisenhändlerin. Man heiratete und zog 2000 in die Schweiz, eine Tochter kam zur Welt, Kashya Hildebrand wandte sich dem Kunsthandel zu. Beide Eheleute haben sich mehrmals für das moralische Missgeschick öffentlich entschuldigt. Gleichwohl hat die rechte Schweizerische Volkspartei um Christoph Blocher darum herum eine Schlammschlacht inszeniert, die inzwischen selbst die Regierung erreicht hat.