Cattelan / Minter - New York

Betriebsfeier mit Jungfrauen

Jungfräuliche Kunst zeigen Marylin Minter und Maurizio Cattelan in einer winzigen Galerie in Chelsea: lauter Erstlingswerke

Sein Abschied von der Kunstwelt war kurz. Anlässlich seiner Retrospektive im Guggenheim Museum hatte Maurizio Cattelan verkündet, dass er keine Kunst mehr machen wird. Bereits ein paar Tage später feierte die New Yorker Buchhandlung "Printed Matter" drei Cattelan-Bände, darunter einen mit dem Titel "Die/ Die more / Die better / Die again". Der Künstler ist also einfach nicht totzukriegen.

Statt Kunst zu machen, eröffnete er kurz darauf einen neuen Kunstraum in Chelsea. Unter dem Namen "Family Business" quartierte sich Cattelan gemeinsam mit dem stellvertretenden Direktor des New Museum, Massimiliano Gioni, in den Vorderraum der Galerie von Anna Kustera auf der 21. Straße ein. Bei "Family Business" handelt es sich um ein winziges Unternehmen mit elf Quadratmetern Ausstellungsfläche. Ein Kunsthandels-Witz im Reich der Mega-Galerien von Chelsea. Aber um den Verkauf von Arbeiten geht es bei der kleinen Non-Profit-Galerie sowieso nicht.

Von 2002 bis 2005 hatte Cattelan gemeinsam mit Gioni, der zum Leiter der nächsten Biennale in Venedig (2013) ernannt worden ist und sich in der Vergangenheit gern mal zum Scherz als Cattelan ausgegeben hatte, die noch winzigere, permanent geschlossene "Wrong Gallery" in Chelsea betrieben. Die Kunst konnte man bei diesem Galerie-Experiment nur durch ein Fenster bewundern. Die beiden Herren überließen dem späten Star Marilyn Minter den ersten Auftritt im "Family Business". Künstlerin Minter, die seit 1986 an der New Yorker School of Visual Arts unterrichtet und damit beste Kontakte zum Nachwuchs hat, kuratierte die Mini-Show "The Virgins". Zu den jungfräulichen Künstlern, die noch nie zuvor in einer Galerie ausgestellt haben, zählen Eric Mistretta, der seine bemalten Luftballons unter die Decke hängte und auf dem Fußboden platzierte und eine Perlonstrumpfhose mit dem Worten "Ich werde von jetzt an alles glauben, was du sagst" beisteuerte. Rebecca Ward, die den Raum mit gelbem Klebeband in ein grafisches Gesamtwerk verwandelte. David Mramor mit seinen Ducken von verschwommenen, geisterhaften Porträtfotos und Andrew Brischler mit einem Bild, das den Songtitel "Didn’t We Almost Have It All” der verstorbenen Whitney Houston trägt. Den Mittelpunkt der Show bilden jedoch die in Rotation laufenden Videoarbeiten der Künstlerinnen Patty Chang, Kate Gilmore, Mika Rottenberg, Wangechi Mutu, Aida Ruilova und Laurel Nakadate, die zu diesem Anlass ihre ersten Arbeiten aus dem Archiv kramten und als wiedergeborene Jungfrauen mitmischen. Minter beschreibt ihr Ausstellungskonzept folgendermaßen: "Es ist, als ob Mary Heilmann einen flotten Dreier mit Martin Kippenberger und Blinky Palermo hatte."

Cattelan, der Galeristin Kustera vor vier Jahren dazu ermuntert hatte, in dem vorderen Teil ihrer Galerie die kleinste Kunstmesse der Welt steigen zu lassen, entschied sich spontan dazu, den Raum zu übernehmen. Er unterschrieb einen dreijährigen Mietvertrag. Zur feierlichen Eröffnung im Nieselregen spielte die Band "The Virgins". Teil zwei der Show startet demnächst mit neuem Jungfrauen-Aufgebot.