Stuttgart 21 - Gefällte Bäume

Dieses Holz ist zu Höherem berufen

Für das heiß umkämpfte Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 mussten 108 Bäume gefällt werden – aus hrem Holz sollen Skulpturen entstehen
Diskussion:Skulpturen sollen versöhnen

Ein Bagger stapelt im Schlosspark in Stuttgart Bäume, die für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 gefällt worden sind

Das wäre ja noch schöner, wenn sich am Ende einige Besserverdienende aus den gefragten Stuttgarter Halbhöhenlage einen schicken Tisch aus Eichenholz in ihr Heim stellen würden – gefertigt aus dem Holz jener Bäume, die für Stuttgart 21 fallen mussten. Die Überreste der 108 gefällten Platanen, Pappeln und Eichen, die im Schlossgarten der Schwabenhauptstadt ihr Leben lassen mussten, sind zu Höherem berufen. Darin ist man sich zumindest im Stuttgarter Bürgerforum einig. Die Gegner des Bahnhofsprojekts S 21 haben zwar kläglich verloren, ihre Wut ist deshalb aber keineswegs verraucht. Der Kampf geht weiter, wenn auch auf Nebenschauplätzen. Stichwort: Totholz.

So haben sich im Stuttgarter Rathaus Bürger und Experten an einen runden Tisch gesetzt und ernsthaft darüber diskutiert, was mit dem Holz passieren soll, schließlich seien die heftig umkämpften Bäume vielen Menschen ans Herz gewachsen. Deshalb sei klar: Es darf nicht zu Möbeln verarbeitet werden, die dann in privaten Häusern verschwinden. Es darf auch nicht zu wirtschaftlichen Zwecken verwendet werden. Nein, es soll der Gesellschaft nutzen, pädagogisch wertvoll und ökologisch sinnvoll eingesetzt werden. Kurz: das Totholz von S 21 müsse den Menschen zurückgegeben werden.

Nun sollen es die Künstler richten. Die Bahn, die jeden weiteren Konflikt rund um das Großprojekt scheut, hat sich ohne großes Federlesen bereit erklärt, 500 000 Euro zur Weiterverarbeitung des Materials sowie für eine Ausschreibung zur Verfügung zu stellen. Eine eigens installierte Jury soll nun entscheiden, welche der eingereichten Projekte realisiert werden. Erste Vorschläge sind schon eingegangen – so will die Künstlerin Theresia Moosherr aus dem Holz zwischen vier und fünf Meter hohe "Versöhnungsskulpturen" schaffen. Wenn sie sich da mal nicht überschätzt. Denn es wird wohl nicht einmal der Kunst gelingen, die protestwütigen Stuttgarter zu befrieden. Der nächste Streit samt rundem Tisch, Bürgerforum, Expertenbefragung und Schlichtungsgesprächen scheint schon vorprogrammiert – nämlich dann, wenn sich Bahn und Bürger einigen müssen, wo auf dem emotional aufgeladenen S-21-Areal die Holzskulpturen eines Tages stehen sollen.