Cranach-Madonna - Wroclaw (Breslau)

Schöne Bescherung!

Jahrzehntelang hing im Breslauer Dom unerkannt eine Kopie von Lukas Cranachs Meisterwerk "Madonna unter den Tannen" – Heiligabend wird das Original wieder der Öffentlichkeit präsentiert
Heimkehr:Vermisstes Meisterwerk kehrt in den  Dom zurück

Wieder daheim im Breslauer Dom: "Madonna unter den Tannen" von Lukas Cranach d. Ä. (um 1510)

Das wird ein Fest für Breslau! Rechtzeitig zu Weihnachten erhielt die Stadt ein Meisterwerk des Malers Lucas Cranach d. Ä. (1472 bis 1553) zurück, das seit Beginn des 16. Jahrhunderts im Dom der Stadt gehangen hatte und das in den Wirren der Nachkriegszeit bis jetzt verschwunden war. Ab Heiligabend wird es wieder am angestammten Platz der Öffentlichkeit präsentiert.

Bis zum 19. Jahrhundert befand sich das hochformatige Gemälde "Madonna unter den Tannen" in der Johanniskapelle des Doms, irgendwann vor 1939 wurde es in die Schatzkammer überführt, während des Krieges in die Zisterzienserabtei Heinrichau ausgelagert und landete nach dem Krieg schließlich im Erzbischöflichen Museum von Breslau. Da es Schaden genommen hatte, wurde es von dem Geistlichen Siegfried Zimmer restauriert.

Rettung "vor den Kommunisten"

Der hatte die Idee, um das Bild "vor den Kommunisten" zu retten, eine Kopie anzufertigen, und holte sich Hilfe bei seinem Bekannten Georg Kupke. In Gemeinschaftsarbeit entstand eine Kopie, die fortan unbeanstandet im Dom hing – obwohl sie eklatante Abweichungen vom Original aufweist: Eine Burg etwa, die Cranach nur angedeutet hatte, war in der Kopie detailliert ausgeführt, dazu kamen unstimmige Perspektiven oder der Silberblick der Muttergottes.

Das Schicksal des Bildes liegt im Dunkeln

Priester Zimmer übersiedelte 1947 in den Westen. Ob er das Original mitgenommen hatte, bleibt Spekulation. Fest steht nur, dass es in den folgenden Jahren immer wieder mal im Kunsthandel auftauchte. Bis sich 1969 ein deutscher Sammler, dem das Bild in der Schweiz offeriert worden war, hilfesuchend an den Schweizer Cranach-Experten Dieter Koepplin wandte. Der begutachtete es zwei Jahre später in Genf, stellte aber keine Expertise aus. Das weitere Schicksal des Bildes liegt im Dunkeln. Im Sommer dieses Jahres gab aber das polnische Außenministerium überraschend an, das Original sei zurückgekehrt: Die Erben eines Schweizer Sammlers hatten es der Diözese St. Gallen übergeben, die es nach Breslau schickte.