Terry Richardson - Kritik

Terry Richardson

Terry Richardson ist Fotograf aus Leidenschaft. Den neuesten Vorwürfen nach zu urteilen, insbesondere aus Leidenschaft für seine weiblichen Nude-Models. Mehrere junge Frauen behaupteten kürzlich, der Porn-Chic-Star habe sie während seiner Shootings zu sexuellen Handlungen gezwungen.
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Terry Richardson

Richardson ist einer der bekanntesten Fotografen im Mode- und Starbusiness. Provokante Mode- und Portraitfotos machten ihn berühmt und zum bekanntesten Vertreter des Porn-Chic. Terry Richardson holt junge, weibliche Models für explizite, und Stars für ein bisschen provokante Bilder vor seine Kamera. Dabei gilt für fast alle Fotos: Je weniger Kleidung die Models tragen, desto mehr sieht man von Richardsons Penis. Diesen und seinen nackten, mit Tattoos übersäten Körper hält der nerdige US-Amerikaner gern in die Kamera. Portraitiert er Stars, dann sind diese – Barack Obama mal ausgelassen – meist nur leicht bekleidet, manche barbusig. Miley Cyrus setzte er allerdings gänzlich entblößt auf ihren "Wrecking Ball".
Klar, dass bei so viel Brüsten, Penissen und Hintern der Gedanke an Sex nicht weit ist. Und weil seine Fotografien frech aber auch ästhetisch sind, wurde aus Terry Richardsons Arbeit schnell die ganz große Kunst. Mit einer Serie für das Modehaus Sisley gelang ihm der erste Schritt zum Ruhm. Er schockte, fiel auf und nutzte das Momentum für seine Karriere bis hin zur Solo-Ausstellung in Los Angeles‘ OHWOHW-Galerie 2012. Eine Karriere, die von der Prominenz immer weiter gepusht wurde. Und das trotz aller Vorwürfe: Seit 2004 kursieren immer wieder Gerüchte, dass der Typ mit großer Brille, Bart und notorischem Karohemd seine Nacktmodels zu sexuellen Handlungen zwinge.
Bisher tauchten diese Behauptungen vereinzelt auf – meist anonym – und verschwanden bald wieder, totgeschwiegen von der Mode- und Kunstindustrie. Die verehrt ihn immer noch. Allen voran der ehemalige Direktor des MoCa, Jeffrey Deitch. Nun aber melden sich gleich mehrere Models zu Wort, die in der Vergangenheit mit Richardson gearbeitet haben. Er habe ihr den Hintern abgeleckt, beim Masturbieren ins Gesicht gespritzt und verlangt „ seine Eier zu drücken, so hart wie ich kann“, erzählt die 24-jährige Charlotte Waters dem News-Netzwerk Vocativ. Mit 19 posierte sie nackt für Richardson. Andere junge Frauen bestätigen die Vorwürfe und berichten von Richardsons Einstellung, Sex sei für eine Model-Karriere unvermeidlich.
Vocativ hatte nur wenige Tage zuvor eine Timeline veröffentlicht, welche die sexuellen Ausraster des lüsternden Lichtbildners auflistet. Sie liest sich fast wie die Akte eines Sexualstraftäters. Und doch: alle stehen hinter ihm. Rechtfertigen Talent, Erfolg und Geld etwa, wenn junge Models auf der Suche nach dem persönlichen Karriereglück ausgenutzt werden?

Das Provokativ-Sexuelle an Richardsons Bildern spricht eine breite Masse an. Auch Model Charlotte Waters gab als Motivation für ihr Shooting an, zwar provozierende Kunst zu mögen, aber die Grenze zur sexuellen Handlung sei doch sehr fein. Wo genau verläuft sie? Wie kann man sie erkennen? Wie nah liegen Aktfotografie und Sex beieinander?
Diskussion und Aussagen der missbrauchten Models verbreiteten sich im Internet. Weitere Frauen meldeten sich, verstärkten die Vorwürfe und zerstören so mehr und mehr Richardsons Ruf. Aus einzelnen Behauptungen wurde eine Kampagne, die auf change.org mit einer Petition unterstützt wird. Große Firmen werden darum gebeten, Terry Richardson nicht mehr als Fotografen zu buchen. Fast 32.000 Unterstützer haben bereits unterschrieben.
Diese Auflehnung ist Teil der „vierten Welle des Feminismus“. Die britische Journalistin Kira Cochrane verwendete diese Bezeichnung im Guardian für den Online-Kampf gegen Sexismus und Vergewaltigung. Die erste Welle kämpfte für das Frauenwahlrecht, die Zweite für das Recht auf Abtreibung, die Dritte gegen den Trend zum Antifeminismus – sie war gleichzeitig aber auch ein Generationswechsel. Zur vierten Welle nun zählt Cochrane vor allem Feministinnen wie Laura Bates, die anderen Frauen mit „the everyday sexism project“ eine Plattform gibt, selbsterlebten Sexismus öffentlich zu machen. Und auch die #Aufschrei-Kampagne auf Twitter gehört dazu.
Der Protest gegen Terry Richardson bedeutet nun aber nicht automatisch, FeministIn zu sein. Vielmehr ist es ein Kampf gegen frauenverachtende und menschenunwürdige Methoden, die sich hinter dem Mantel der Kunst zu verbergen versuchen. Terry Richardson ist Künstler. Die Kunst befreit ihn aber nicht von der Verantwortung für sein Handeln.

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