Tretjakow - Rechtstreit

Ein folgenreicher Kuss

Die Moskauer Tretjakow-Galerie ist mir ihrer Klage gegen den russischen Kulturminister Alexander Sokolow gescheitert – der Minister muss sich doch nicht für seine Korruptionsvorwürfe entschuldigen, die er im Zusammenhang mit der Pariser "Sozart"-Ausstellung gemacht hatte.
Klage gegen den russischen Kulturminister:Moskauer Galerie verliert Rechtstreit

Blue Noses, "An Epoch of Clemency", 2005

Alexander Sokolow, Mitte der achtziger Jahre Parteisekretär im Moskauer Staatskonservatorium, hatte im Oktober vergangenen Jahres heftigst gegen die "Sozart"-Ausstellung in Paris protestiert. Er nannte sie eine "Schande für Russland" und bezeichnete das Bild "An Epoch of Clemency" des russisches Künstlerduos Blue Noses als "Pornografie".

Bei einem runden Tisch mit Journalisten Ende Oktober 2007 sagte er, die ausgestellten Werke seien zum Teil von Künstlern, die schon lange nicht mehr in Russland lebten, nur noch ans Geld dächten und mit ihren Provokationen versuchten, ihren Marktwert zu steigern. Eine staatliche Galerie mache sich korrupt, indem sie solche Werke in Ausland ausstellt, sagte der Minister. Am nächsten Tag druckte die auflagestärkste Moskauer Boulevardzeitung "Moskowskij Komsomolez" die Aussage nach.

Die Galerie hat sowohl gegen den Minister Sokolow als auch gegen die Zeitung geklagt. Der Minister selbst kam nicht zur Verhandlung. Sein Vertreter sagte, das Wort "Korruption" sei "seine private Meinung" gewesen und kein böse gemeinter Vorwurf. Und ohnehin habe die Zeitung falsch zitiert. Die Redaktion hat ihrerseits zugegeben, das Zitat falsch wiedergegeben zu haben, jedoch sei der Sinn der Aussage nicht entstellt worden. Nach einer zweitägigen Verhandlung entschied das Gericht, die Klage abzuweisen. So bleibt der Vorwurf der Korruption gegen die weltbekannte Kunstsammlung in Moskau im Raum. Die Tretjakow-Galerie hat bereits Berufung angekündigt.

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