Robert Rauschenberg - Prozess

Robert Rauschenberg und der Mülltonnen-Räuber

Ist der Abfall des Künstlers Robert Rauschenberg Teil seines Gesamtkunstwerks? Diese Frage überprüft nun ein amerikanisches Gericht: Ein Künstler fand im Müll von Rauschenberg Negative – und verkaufte diese mit Echtheitszertifikat weiter. Jetzt verklagte Rauschenberg den Kollegen.

Robert Francis Montgomery, der unter dem Namen Robert Fontaine auch malt, fand 1998 mehrere Negative in Rauschenbergs Abfall – und soll im Jahr 2007 mindestens eines unter Rauschenbergs Namen mit einem Echtheitszertifikat verkauft haben. Andere Negative aus dem Fund habe Montgomery weggegeben oder im Lauf der Jahre ausrangiert, sagt dessen Anwalt der Zeitschrift "Art Newspaper".

Rauschenberg selbst bestreitet, dass diese Bilder von ihm stammen – und verklagte Montgomery. Er fürchtet um seinen Ruf, und dass der Wert seiner wirklichen Werke sinken könnte. Rauschenberg forderte, dass alle weiteren Objekte im Besitz Montgomerys, die seinen Namen tragen, zerstört werden. Außerdem erhebt er Anspruch auf alle Gewinne, die fälschlicherweise unter seinem Namen gemacht wurden. Montgomery giftete vor Gericht zurück: Wenn Rauschenberg Schaden genommen habe, dann nur wegen dessen "eigenen sorglosen, fahrlässigen und sträflichen Handelns".

Der 1925 geborene Rauschenberg gilt als Wegbereiter der Popart in den Vereinigten Staaten. Bekannt ist er für seine "Combines", in denen er Alltagsgegenstände wie Glühbirnen oder Radios mit Malerei kombiniert. 1959 nahm er an der Documenta II teil. Ein Jahr später war er in der MoMA-Schau "Sixteen Americans" vertreten. 1964 gewann er auf der 32. Biennale in Venedig den Großen Preis für Malerei. Er lebt heute in New York und auf Captiva Island, Florida.