Halle 14 - Leipziger Baumwollspinnerei

Baumwollspinner und Schnittlauchdiner

Regenwasser, das in Ausstellungen tropft, ein bedrohlicher Lastenaufzug und auf dem Dach das angeblich größte Schnittlauchfeld der Stadt: Die Halle 14 auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei hat durchaus ihren Charme. Doch weil der wildromantische Zustand des Ausstellungsortes auf Dauer Personal wie Kunstwerke verschleißt, wird das Industriegebäude aus dem 19. Jahrhundert jetzt saniert.
Baumwolle, Schnittlauch und Flipper:Die Leipziger Halle 14 wird saniert

Es grünt so grün: das Schnittlauchdach der Halle 14

Ingesamt stehen 20 000 Quadratmeter auf vier Etagen zur Disposition. Derzeit läuft die Gestaltung eines neuen Besucherzentrums auf Hochtouren. Mit einem Mini-Budget von knapp 100 000 Euro lockten die Halle-14-Macher ein erprobtes Team an: Tilo Schulz, Leipziger Künstler mit Hang zum Design und zu Architekten sowie Kim Wortelkamp vom Büro „quartier vier. Design“. Seit Jahren kooperieren die beiden bei unkonventionellen Innenausbauten wie dem Leipziger Restaurant Palermo oder einer Buchhandlung namens „Flipper“. Schulz gestaltete zudem gerade die VIP-Lounge der Hamburger AOL-Arena im Bauwagenstil.

Für die Halle 14 ersann das Duo organische Formen, die als Tresen und Sitzterrassen amöbengleich in den 600 Quadratmeter großen Raum einsickern. Hier können sich künftig die Besucher der Baumwollspinnerei über die Aktivitäten aller hier arbeitenden Künstler informieren – mit Dossiers und Medienarbeitsplätzen. Damit will Halle 14 gleichsam zum geistigen Hauptquartier des Kunstareals avancieren. Außerdem entsteht hier auch gerade eine Bibliothek mit gut 15 000 Kunstbänden und der Tendenz zum rasanten Wachstum. Denn jedes Jahr bekommt die Halle 14 riesige Publikationskonvolute von der "Art Basel" geschenkt, die in den Regalsystemen von Schulz und Wortelkamp ab Anfang 2008 öffentlich nutzbar sind.

Daneben plant man noch ein Schaudepot: Klimatisierte Lagerwürfel sollen an Sammler vermietet werden, inklusive temporärer Ausstellungsfläche. Doch das ist Zukunftsmusik, denn zunächst ist das undichte Dach an der Reihe, damit der momentan gestoppte Ausstellungsbetrieb wieder laufen kann. Und die Schnittlauchwiese? Die soll behutsam abgetragen werden und nach der Sanierung wieder in alter Pracht erblühen. „Manche halten die Grünfläche für die größte Attraktion der Halle 14", meint Kurator Frank Motz, „ich will vor allem aber bald wieder Ausstellungen machen können.“