Thomas Krens - Guggenheim Museum

Krens tritt zurück

Guggenheim-Direktor Thomas Krens tritt nach 20 Jahren im Amt überraschend zurück.
Führungswechsel bei Guggenheim-Stiftung:Thomas Krens tritt zurück

Thomas Krens – überraschender Abschied nach 20 Jahren im Amt

Die Nachricht kam ziemlich überraschend: Thomas Krens, der langjährige Direktor der Guggenheim Foundation, tritt zurück. Wie die "New York Times" meldete, sucht man bereits nach einem Nachfolger für die Leitung des New Yorker Museumsimperiums. Solange bleibt Krens im Amt. Zudem wird er der Guggenheim-Stiftung weiter als "Senior Adviser for International Affairs" erhalten bleiben.

Krens, 61, war der Motor hinter dem rasanten Expansionskurs des traditionsreichen New Yorker Museums. Er eröffnete Guggenheim-Filialen in Bilbao und Berlin, Venedig und Las Vegas und plante unzählige unverwirklichte Guggenheim-Projekte in Brasilien, Mexiko und China. Seine Strategie eines globalen Museumsnetzes wurde von Kritikern als "Mc-Guggenheim"-Prinzip gegeißelt.

Auch wegen seines herrischen Auftretens und eigenwilliger Ausstellungsentscheidungen war Krens immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Doch in seiner 20-jährigen Amtszeit war der mächtige Museumschef aus solchen Krisen immer als Sieger hervorgegangen. So auch vor drei Jahren, als ihm der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Guggenheim-Foundation, Peter Lewis, ein Ultimatum stellte: Entweder bringe er seine Geschäfte in Ordnung und widme sich wieder stärker dem Museumsbetrieb in New York oder er müsse gehen. Hintergrund waren damals wachsende finanzielle Defizite im Stammhaus in New York. Doch Krens setzte sich durch und blieb im Amt: Zuletzt verließ Lewis, der das Guggenheim mit rund 77 Millionen Dollar unterstützt hatte, erzürnt den Aufsichtsratsposten.

Im vergangenen Jahr kündigte Lisa Dennison, Chefkuratorin und seit 2005 geschäftsführende Direktorin des New Yorker Guggenheim Museum, um eine Position beim Auktionshaus Sotheby’s anzunehmen. Seitdem ist ihre Stelle unbesetzt. Aus Insiderkreisen war zu hören, dass potenzielle Kandidaten sich mit Krens’ Führungsstil schwer tun.
Nun also muss der Guggenheim-Boss seinen Job an den Nagel hängen. Die Entscheidung sei "gemeinsam mit dem Aufsichtrat" gefallen, erklärt die Guggenheim-Leitung. Außerdem werde Krens die Abu-Dhabi-Pläne weiter vorantreiben – sein letztes und vielleicht ehrgeizigstes Projekt.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten soll ein gigantischer Museumskomplex entstehen mit einem 42 000 Quadratmeter großen Guggenheim Museum, entworfen von Frank Gehry – das größte Guggenheim Museum weltweit. Ende Januar, bei einem Besuch der Baustelle auf Saadiyat Island – der Insel des Glücks, sagte Krens gegenüber art: "Es geht ums langfristige Überleben. Die Entscheidung, ein Guggenheim Museum in Abu Dhabi zu bauen, eröffnet uns die Möglichkeit, neu zu definieren, was ein Museum heute sein könnte. Die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen, könnte fürchterliche Konsequenzen haben."
(Das komplette Interview erscheint in art 4/2008)