Thomas Altheimer

Europe for President

"Amerika ist zu gut, um es den Amerikanern zu überlassen"
"Die Realität ist konservativ": Thomas Altheimer mit seiner europäischen Botschaft während des Parteitags der Demokratischen Partei. Aus: "Europe For President". A/D, 52 Minuten, Filmstill

"AMERIKA IST ZU GUT, UM ES DEN AMERIKANERN ZU ÜBERLASSEN"

Obama oder McCain? Heute wählen die USA ihren neuen Präsidenten. Aber was wäre, wenn Europa einen eigenen Kandidaten für die amerikanische Präsidentschaftswahl 2008 stellen würde? Der dänische Künstler Thomas Altheimer hat aus dieser Idee einen 52-minütigen Film gemacht. "Europe for President" heißt sein Experiment – art sprach mit ihm über Aufklärung, europäische Werte und das Scheitern.
// CLEMENS BOMSDORF, KOPENHAGEN

Herr Altheimer, Sie sind im Sommer einen Monat durch die USA gereist, um ihre europäische Kandidatin für die US-Präsidentschaftswahlen durchzusetzen. Doch Sie sind kläglich gescheitert. Woran hat es gelegen?

Thomas Altheimer: Jemanden als Kandidaten durchzusetzen ist ein sehr bürokratischer Prozess und sehr teuer. Es heißt, man brauche 56 Millionen Dollar, um überhaupt eine Chance zu haben.

War vielleicht auch das Kleiderbudget zu gering? Sarah Palin, Vize-Kandidatin des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers John McCain, soll immerhin 150 000 Dollar für ihre Wahlkampfgarderobe ausgegeben haben.

Nein, die Kandidatin hatte genug Eleganz. Wir haben sie ja entsprechend ausgewählt. Sie brauchte nicht erst eine Grundrenovierung wie Palin. Aber es gibt noch eine Möglichkeit, auf die wir immer gesetzt haben.

Und die wäre?

Man kann so genannter "Write in"-Kandidat werden. Jeder Wähler kann statt einen der Kandidaten anzukreuzen auch einen Namen auf die Liste schreiben. Und wenn genügend Hannah Jefferson schreiben, dann gewinnt sie die Wahl. Dafür hätten wir aber einen noch größeren Rummel als Barack Obama machen müssen.

Wer Ihren Film über den Wahlkampf gesehen hat, weiß, dass daraus nichts werden konnte. Selten sind mehr als drei Leute zu einer Ihrer Wahlkampfveranstaltungen gekommen, und dann fangen Sie in mehreren Szenen auch noch an, Jefferson zu bekämpfen, indem Sie einfach den Infostand abbauen, während sie eine Rede hält.

Ja, uns ist nichts gelungen. Es war eine völlige Katastrophe. Aber trotzdem ist aus dem Projekt etwas geworden: Mir geht es um die Frage, wie man in die Wirklichkeit eingreifen kann. Die Realität ist konservativ. In meinen Handlungen und Projekten geht es darum, in die Wirklichkeit einzugreifen und mit großen Ambitionen die Realität ein bisschen zum Wanken zu bringen.

Zumindest das Realitätsverständnis des Zuschauers wird durcheinander gebracht. Ihre Kandidatin ist Hannah Jefferson, und so nennen Sie sie auch während des ganzen Films. Im Abspann heißt es dann plötzlich die amerikanische Synchronsprecherin Carol Jacobanis habe Hannah Jefferson gespielt. Ging es also gar nicht darum, eine europäische Kandidatin ins Rennen zu schicken?

Ich bin davon ausgegangen, dass ein Alias-Name kein Problem ist. Mir war ganz einfach das Risiko zu groß, dass mir die erste Kandidatin abspringt. Dann hätte ich eine andere unter dem gleichen Namen Wahlkampf machen lassen können. Übrigens sage ich am Anfang des Films einmal ihren echten Vornamen, aber das war leicht zu überhören. Wichtig ist auch zu wissen, dass wir so die Bestimmung, dass nur zum Präsidentenamt kandidieren kann, wer in den USA geboren ist, eingehalten haben. Unsere europäische Kandidatin ist Amerikanerin, sie hat aber länger in Europa gelebt und vertritt entsprechende Werte.

Im Abspann werden Sie als Drehbuchautor genannt. Wie detailliert war das Drehbuch denn?

Das waren nur zwei Seiten Konzept. Vor allem mit Slogans wie "Amerika ist zu gut, um es den Amerikanern zu überlassen". Der Film war totale Improvisation.

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