Universal- museum - Dubai

Neuer Rekord für den Wüstenstaat?

In Dubai wird die nächste Phase eingeläutet: Nach jahrelangem Bauwahn soll nun Kultur und Bildung im Vordergrund stehen. Kürzer getreten wird trotzdem nicht. So entsteht wohl bald ein Mega-Museum in der Wüste.
Neuer Rekord für den Wüstenstaat?:Deutsches Mega-Museum im Wüstensand

In Zukunft geht es in Dubai nicht nur um die höchsten Gebäude, sondern auch um Kunst und Kultur

Dubai ist ein Emirat am Golf und seit einiger Zeit gut für Weltrekorde. Hier befinden sich der höchste Wolkenkratzer und das luxuriöseste Hotel. Hier wird der größte Flughafen gebaut und ganze Inseln werden aufgeschüttet für das spektakulärste Touristenzentrum. Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum aber strebt nach Höherem. Jetzt will er das erste Universalmuseum der Welt bauen.

Sein Beauftragter in dieser Angelegenheit ist ein Deutscher, der ehemalige Theaterregisseur Michael Schindhelm. Dessen Karriere vom Chemiker zum Schriftsteller, Provinz-Theaterdirektor und Berliner Generalintendant der Opernstiftung und nun zum Kulturmanager in Dubai ist atemberaubend. Das scheint auch die Generaldirektoren der drei größten deutschen Museen zu beeindrucken. Am 7. Mai haben in Dubai die Staatlichen Museen Berlin, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein Abkommen zum Aufbau des Mega-Museums unterzeichnet.

Gemeinsam mit Schindhelm präsentierten sie ihre Pläne jüngst in Berlin. Der zählte etliche Argumente dafür auf, warum ein solches Vorhaben in der arabischen Wüste gerade richtig ist. Dubai wachse mit atemberaubender Geschwindigkeit: an Einwohnern binnen 35 Jahren von ein paar Hunderttausend Einwohnern auf mehr als eineinhalb Millionen. An Touristen von null auf gut acht Millionen, bald würden es 15 Millionen sein. Nur ein Fünftel der Einwohner sei noch am Ort geboren, der Rest sei vor allem aus Indien, Pakistan und auch aus Großbritannien. Als treibende Wirtschaftskräfte hätten die Bau- und Finanzbranche, der Handel und der Tourismus das Öl längst abgelöst. Über soziale Verhältnisse sagte er nichts.

Drei deutsche Direktoren für Dubais neues Image

"Das Image Dubais hängt an Gebäuden", aber das werde sich ändern. "Der Scheich hat angekündigt, dass in der nächsten Phase Kultur und Bildung im Vordergrund stehen müssten." Dafür baue Zaha Hadid zum Beispiel das Opernhaus, das eine Milliarde Dollar kostet; und für das Museum werde eine "erhebliche dreistellige Millionensumme" ausgegeben. In fünf bis acht Jahren soll es eröffnet werden. Aber nun gehe es nicht darum, "mit viel Geld die deutschen Museen einzukaufen. Was wir brauchen, ist die Expertise".

Die scheinen die drei Direktoren mit sichtlicher Begeisterung – und dabei bloß für ein wenig Aufwandsentschädigung – zur Verfügung stellen zu wollen. Reinhold Baumstark aus München offeriert den "Kanon der Weltkultur", der die "Verflechtungen, Spiegelungen und Dialoge der Kulturen" ineinander führt. Nichts werde ausgelassen aus dem Kosmos der Menschheitsgeschichte: "Erfindungen, Schrift, Sternenkunde, Philosophie, Architektur, Gesetzgebung", kurz das "Weltwissen". Sein Berliner Kollege Peter-Klaus Schuster ergänzte den Katalog um "Zivilisations- und Wissenschaftsgeschichte, Klima, Ernährung", kurz die "Weltneugierde".

Das alles werde selbstverständlich an Originalexponaten vorgeführt. Dafür werde das Haus eine eigene Sammlung aufbauen und für Ausstellungen mit Leihgaben aus Berlin, Dresden und München bestückt. Welche, wollte noch keiner der Beteiligten sagen. Man ahnt, was der Eintritt des Ölscheichs am Kunstmarkt bewirken wird, was die Restauratoren über den Ausleihezirkus sagen werden. Aber das Projekt ist auf dem Weg, dafür sorgt auch das wohlwollende Interesse des Auswärtigen Amts. Und der Dresdner Generaldirektor Martin Roth brachte es auf den Punkt: "Was wir hier machen, ist Politik."

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