Beuys-Archiv - Museum Schloss Moyland

Beuys-Familie fordert Werke zurück

Die Familie des Künstlers Joseph Beuys (1921 bis 1986) fordert zahlreiche Kunstwerke zurück, die im Museum Schloss Moyland am Niederrhein gezeigt werden. Auch das dort aufbewahrte Beuys-Archiv mit zehntausenden Dokumenten zu Leben und Werk des weltbekannten Künstlers müsse teils zurückgegeben werden, fordern die Witwe Eva Beuys und ihre beiden Kinder.

Wer immer sich dem Thema Joseph Beuys nähert, betritt vermintes Gelände: Schon der frühere nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Johannes Rau (SPD) holte sich juristische Schrammen im Streit mit dem eigenwilligen Kunstprofessor. Dessen Sachwalter verstricken sich auch 23 Jahre nach dem Tod des Künstlers immer wieder gern in Intrigen und allerlei Ränke. Am Niederrhein, der Heimat des mittlerweile weltberühmten Kunst-Schamanen, kam es wegen Beuys (1921 bis 1986) nun erneut zum "Knall": Die Familie des Künstlers fordert zahlreiche Kunstwerke zurück, die im Museum Schloss Moyland gezeigt werden.

Auch das dort aufbewahrte Beuys-Archiv mit Zehntausenden Dokumenten zu Leben und Werk des weltbekannten Künstlers müsse teils zurückgegeben werden, fordern die Witwe Eva Beuys und ihre beiden Kinder.

Das umfangreiche Archivmaterial sei ohne Einwilligung der Erben 1990 in die Museums-Stiftung eingebracht worden; auch etliche Kunstwerke befänden sich nicht im Eigentum der Stiftung, heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Brief des Rechtsanwaltes der Beuys-Erben. Die genaue Anzahl der geforderten Stücke geht aus dem Schreiben allerdings nicht hervor.

"Unprofessionelle Restaurierung eines Werkes"

Es ist schärfstes Geschütz, das die Erben auffahren: Der Umgang mit den Beuys-Arbeiten und -Dokumenten in Museum und Archiv sei so dilettantisch, dass der Ruf des Künstlers "weltweit nachhaltig" Schaden nehmen könne, heißt es in dem 14-seitigen Anwaltsschreiben. Insgesamt gleiche Schloss Moyland, dessen Museums-Stiftung von der Sammlerfamilie van der Grinten, den ehemaligen Eigentümern des Schlosses und dem Land NRW getragen wird, "eher einem Heimatmuseum", das überdies seit Jahren keinen Direktor hat, kritisiert Eva Beuys in ihrem Mängelkatalog.

So gehe es etwa um Verletzungen des Urheberrechtes und falsche Werktitel bei einer aktuellen Ausstellung mit Beuys-Zeichnungen in Duisburg und die angeblich "unprofessionelle Restaurierung" eines Werkes, das derzeit in der großen Beuys-Retrospektive in Berlin gezeigt wird. Dies hat wohl bei der Künstler-Familie das Fass endgültig überlaufen lassen.

Nun schien ein günstiger Zeitpunkt gekommen, das durch gegenseitige Blockade der Stifter über Jahre gelähmte und in der Kunstszene mit schlechtem Leumund bedachte Museum am Niederrhein zum Platzen zu bringen. Das Haus ist Eva Beuys ohnehin schon seit den Gründungstagen ein Dorn im Auge, da es ihre Rolle als "Sachwalterin" des Erbes relativiert – und sie im übrigen nicht in den Aufbau des Hauses einbezogen worden war.

"Beuys gehört in die Landeshauptstadt"

Warum die Erben fast zwei Jahrzehnte nach der Stiftungsgründung zum Sturm auf das Schloss im Beuys-Land blasen, fragt sich verärgert Nordrhein-Westfalens Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: Er will "die Angelegenheit jetzt ganz nüchtern juristisch prüfen lassen". Gerade jetzt, so der Kulturpolitiker, zeichne sich doch mit der anstehenden neuen Leitung ein Ausweg aus der langjährigen Museums-Misere am Niederrhein ab.

Die Leiterin des Beuys-Archivs, Bettina Paust, betonte am Donnerstag, man wolle die von der Beuys-Familie aufgestellten "Behauptungen" mit den Erben "konstruktiv klären". Die nötige Fachdiskussion könne "nicht in der Öffentlichkeit" geführt werden, sagte Paust, die als neue Museums-Chefin gehandelt wird.

Die Familie Beuys schlägt in ihrem Brief vor, die zurückgeholten Werke und Archivalien "dem Willen des Künstlers entsprechend" in Düsseldorf auszustellen – mit dem Land als möglichem neuen Stiftungspartner. Hier wehrt Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff entschieden ab, dies käme "auf keinen Fall" in Betracht.

Mit einem im Sommer veröffentlichten Expertenpapier, das auf Betreiben der NRW-Landesregierung entstanden ist, hat die Kulturpolitik allerdings die jetzt laut dröhnende Kanone selbst geladen. Die Experten empfehlen darin die Verlagerung des Beuys-Zentrums nach Düsseldorf, denn "der vielleicht wichtigste Künstler aus NRW" gehöre in die Landeshauptstadt – und werden von Eva Beuys nun mit Genuss zitiert. Gerd Korinthenberg, dpa

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