Raubgrabungen - Kulturschutz

Hört sofort auf zu kaufen!

Immer wieder stellen Museen antike Kunstwerke aus, die aus Raubgrabungen stammen oder illegal aus ihren Herkunftsländern exportiert wurden – art-Autor Stefan Koldehoff über Kulturschutz.
"Hört sofort auf zu kaufen!":art-Autor Stefan Koldehoff über Kulturschutz

Fahndungsplakat von Interpol

Die Forderung, die Oscar White Muscarella schon vor zweieinhalb Jahren erhob, war eindeutig: "Hört sofort auf zu kaufen!", forderte der große alte Mann der US-Archäologie in einem Interview, das er eigentlich gar nicht hätte geben dürfen. Die Forderung richtete sich nämlich ganz unmissverständlich vor allem gegen seinen eigenen Chef am Metropolitan Museum of Art in New York.

Philippe de Montebello hatte damals gerade eingestehen müssen, dass sein Haus Dutzende antike Kunstwerke ausstellte, die aus Raubgrabungen stammten oder illegal aus ihren Herkunftsländern exportiert worden waren – und erteilte seinem kritischen Kurator kurzerhand Redeverbot, an das sich dieser aber nicht hielt.

Am grundsätzlichen Problem hat sich seither nicht viel geändert – weder durch zahlreiche Restitutionen an Italien und Griechenland, noch durch die windelweiche Erklärung, zu der sich nun die amerikanische Museumsvereinigung AAM durchgerungen hat.

Das Papier ist nicht mehr als eine Empfehlung, an das sich kein US-Museum halten muss: Die Herkunft von Werken sei vor einem Ankauf gut zu prüfen. Was nach 1970, dem Jahr der Unesco-Kulturschutzkonvention, seine Heimat verlassen habe, solle man besser nicht erwerben. Wenn es aber ein öffentliches Interesse an einem Ankauf gebe, könne man die Empfehlung aber gern auch ignorieren.

Dass diese Selbstverpflichtung gar keine ist, belegt zur Zeit das Schicksal des irakischen Nationalmuseums in Bagdad: Was dort beim Einmarsch der US-Truppen geplündert wurde, kann man heute in London, Zürich und New York kaufen. Museen sollten alle Antiken in ihren Fundländern belassen, fordert Oscar White Muscarella. Bislang stieß er auf wenigGehör.