Stonehenge - Archäologie

Stonehenge – ein Wallfahrtsort?

War Stonehenge ein Druidentempel? Ein astronomisches Observatorium? Eine Pilgerstätte für Heilung suchende Kranke? Erklärungen für Sinn und Zweck der jahrtausendealten Steinkreise in der Nähe von Salisbury in der westenglischen Grafschaft Wiltshire gibt es viele, doch noch weiß niemand, warum die gewaltigen Steine errichtet wurden. Und auch nicht genau, wann. Zum ersten Mal seit 44 Jahren werden dort nun wieder Grabung vornehmen – und die Archäologen sind überzeugt, dass Stonehenge ein neolithisches Lourdes war, und wollen das nun beweisen.
Das Geheimnis der Steinkreise:War Stonhenge ein neolithisches Lourdes?

Dem Geheimnis auf der Spur: Stonehenge im Südwesten Englands

Der innere Kreis aus Blausteinen wurde wohl um 2500 vor Christus aufgestellt, der äußere aus Sandsteinblöcken wohl ein Jahrtausend später. Doch das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählende geheimnisvolle Mounument ist für den neugierigen Besucher nicht das überwältigende Erlebnis, das es sein könnte und sollte. Auf zwei vielbefahrenen Straßen rauschen Autos vorbei, an einer Stelle nur Meter von dem nach Nordosten ausgerichteten Kopfstein entfernt. Von dem hässlichen Parkplatz und dem unzulänglichen Besucherzentrum gelangt man durch einen Fußgängertunnel zu den durch Zäune abgeschirmten Steinen. Nichts von kontemplativer Stille, die ein solches Monument verlangt.

Schon 1997 nannte ein parlamentarischer Ausschuss die Stätte "einen nationalen Schandfleck", und in den letzten 20 Jahren wurden immer neue Pläne geschmiedet, Abhilfe zu schaffen. Ohne Erfolg. Der jüngste, ein Tunnel für die meistbefahrene A 303, wurde von der Regierung gerade abgeschmettert: Die benötigten 500 Millionen Pfund nannte der zuständige Staatssekretär Tom Harris "eine Verschwendung von Steuergeldern". Kurz danach explodierte eine weitere Bombe: Die größte britische Supermarktkette "Tesco" bekam die Baugenehmigung für eine gigantische Lagerhalle in der Nähe, aus der sich pro Minute ein Riesenlaster hauptsächlich auf die A 303 wälzen wird.

Die Archäologen sind dem Geheimnis der Steinkreise unterdessen weiter auf den Fersen. In den nächsten zwei Wochen werden zwei der führenden Experten, die Professoren Tim Darvill und Geoff Wainright, zum ersten Mal seit
44 Jahren wieder eine Grabung vornehmen und am inneren Kreis aus Blausteinen einen etwa einen Meter tiefen Graben ausheben. Sie sind auf der Suche nach Vertiefungen in der Erde, die ihnen zeigen könnten, wo diese Steine ursprünglich standen, bevor sie versetzt wurden. Außerdem suchen sie nach organischen Stoffen, um mit deren Hilfe den Bau genau zu datieren.

Zwar haben sie den Steinbruch im Südwesten von Wales ausfindig gemacht, aus dem diese Steine stammen, doch noch ist unklar, wann genau und wie sie die mehr als 250 Kilometer nach Wiltshire transportiert wurden. Außerdem hoffen die Forscher, Steinsplitter zu finden, die ihnen sagen können, ob die Steine an Ort und Stelle von Steinmetzen behauen wurden oder ob sie mutwillig zerstört wurden. Die beiden Professoren sind überzeugt, dass Stonehenge ein neolithisches Lourdes war, und wollen das nun beweisen.