Gib mir fünf!

Die Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Eva-Maria Träger empfiehlt diese Woche einen Berliner Messebummel, verdrehte Postkartenkunst und historischen Zündstoff aus Litauen.
// EVA-MARIA TRÄGER
Berlin: Art Forum & Co.

Kunst, Kommerz und Krisenzeiten – so könnte das inoffizielle Motto der Kunstmesse Art Forum Berlin lauten, die dieses Jahr zum 13. Mal stattfindet. Vom 31. Oktober bis 3. November präsentieren rund 120 Galerien aus über 25 Ländern "junge, frische und sperrige" Gegenwartskunst. Das verspricht zumindest die Ankündigung. Mit dem offiziellen Thema der diesjährigen Messe "Desire" will man an aktuelle Diskussionen anknüpfen: Die begleitende Gesprächsreihe befasst sich mit Wert und Bewertung von Kunst, Gier und Verlangen. Auch die von Hans-Jürgen Hafner kuratierte Sonderausstellung "Difference, what difference?" wird sich diesen Themen widmen. Zu Entdeckungstouren laden auch die vier kleineren, zeitgleich in Berlin stattfindenen Kunstmessen ein: der Berliner Kunstsalon (30. Oktober bis 3. November), die Berliner Liste (30. Oktober bis 2. November), die Preview (30. Oktober bis 2. November) und die Artville (30. Oktober bis 2. November).

Berlin: "Claudia Angelmaier – Works on Paper"

Was im Museum auf großer Leinwand glänzt, bannt die Kunstpostkarte auf kleines Papier. Man kauft sie als Erinnerung, für die Pinnwand und zum Verschicken: eine Reproduktion im Taschenformat. Für Claudia Angelmaier ist die Miniatur aus Pappe selbst das große Werk. In ihrer Serie "Works on Paper" konzentriert sich die Künstlerin auf Postkarten und zwar auf solche mit romantischen Motiven. Dabei rebelliert sie gegen die Sehgewohnheiten und spielt mit dem Medium: Der Betrachter sieht zwar die bebilderte Vorderseite der Karte, allerdings nur durch die zweckmäßige Rückseite. So schimmert zart ein nackter Frauenkörper hinter schnödem Barcode und Werkangaben hervor. Jedes Motiv wird damit auch immer direkt mit seiner (Ver-)käuflichkeit konfrontiert. Die Berliner Galerie Alexandra Saheb zeigt vom 1. November bis 19. Dezember die erste Einzelausstellung der in Leipzig lebenden Künstlerin.

Essen: "Attila Csörgö – Wurfbahnen und Raumkurven"

Kunst und Wissenschaft, Gefühl und Verstand – Gegensatz oder Ergänzung? Für Attila Csörgö gehört beides untrennbar zusammen: Der ungarische Medienkünstler versucht in seinen Arbeiten, abstrakte Gedanken und Methoden aus der Wissenschaft mit konkreten Erfahrungen aus dem Alltag zu verbinden. "Wurfbahnen und Raumkurven" lautet der kryptische Titel der Ausstellung, die nun vom 31. Oktober bis zum 30. Januar 2009 im Essener Museum Folkwang zu sehen ist. Den Besucher erwartet Erstaunliches: eine Installation aus komplizierten Apparaturen, umständlichen Versuchsanordnungen und technischen Erfindungen, die Alltägliches dokumentiert und bisweilen ins Absurde übersteigert. Der Einfallsreichtum des Bastlers Csörgö wurde in den letzten Jahren mit zahlreichen Preisen honoriert. Zuletzt wurde er im Oktober mit dem internationalen Medienkunstpreis Nam June Paik Award ausgezeichnet.

Berlin: "Deimantas Narkevicius – The Dud Effect"

Ein Blindgänger (engl. "dud") ist Munition, die nach ihrem Abwurf nicht explodiert. In dem Film "The Dud Effect" ging das Geschoss gar nicht erst auf die Reise: Der litauische Videokünstler Deimantas Narkevicius beschäftigt sich in seinem neuesten Werk mit den Nuklearraketen der Sowjetunion, die während des Kalten Kriegs in Litauen positioniert wurden, gen Westen natürlich. Der Ernstfall trat nie ein, Narkevicius simuliert ihn aber nachträglich mithilfe eines ehemaligen litauischen Offiziers, der die Vorbereitungen zum Abschuss vor der Kamera nachstellt – auf dem halbzerstörten Gelände einer früheren Raketenabwehrbasis. Wie in vielen seiner Arbeiten thematisiert Narkevicius die Geschichte seines Heimatlandes auf sehr persönliche Weise, in enger Verknüpfung mit den individuellen Erfahrungen der beteiligten Menschen. Die Berliner Galerie Barbara Weiss zeigt vom 30. Oktober bis 20. Dezember im Rahmen der ersten Einzelpräsentation des Künstlers auch sein erstes Videoarbeit "Europa 54º 54' – 25º 19'" von 1997 – eine Autofahrt, die in Vilnius beginnt und auf dem Land endet.

Köln: Lange Nacht der Museen

Am 11.11. steht Köln wieder mal Kopf, denn dann beginnt wie jedes Jahr das jecke Treiben. Zehn Tage vor dem karnevalesken Großereignis steht aber zunächst ein kulturelles an: die Lange Nacht der Museen. Am 1. November können Besucher zum neunten Mal von 19 bis 3 Uhr die Kunstorte der Stadt besuchen. Über vierzig Museen, Galerien und Kulturinstitutionen stehen ihnen dann mit nur einem Ticket offen. Hinzu kommen zahlreiche Veranstaltungen, darunter Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen und Partys. Das Museum Ludwig zeigt Gerhard Richter, im Schokoladenmuseum wird ein neuer Ausstellungsbereich eröffnet und das Museum für Angewandte Kunst präsentiert erstmals die Designabteilung "Design und Kunst im Dialog". Und für die Jecken, die ihren Auftritt am 11. November gar nicht mehr abwarten können, dürfte in dieser Nacht das Karnevalsmuseum der richtige Ort sein.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo