Alfred Taubman - Auktionen

Champagner und Kaviarhäppchen

Er verkaufte Renoirs mit dem gleichen Elan wie Wurzelbier. Jetzt kommt in einer Reihe von Versteigerungen der Nachlass des gefallenen ehemaligen Sotheby's-Leiters Alfred Taubman unter den Hammer. Der erste Auktionsabend in New York lief nur durchwachsen.
Champagner und Kaviarhäppchen

Philantrop, Sammler und Geschäftsmann: Der ehemalige Sotheby's-Leiter A. Alfred Taubman wurde 2002 nach illegalen Preisabsprachen mit der Konkurrenz verurteilt und musste ins Gefängnis, jetzt wird sein Nachlass versteigert

"Die Welt kannte A. Alfred Taubman als Geschäftsmann, Unternehmer und Philanthrop. Wir kennen ihn als unseren Vater, ein liebenswerter 'Papa Bär'. Ein Mann, der in vollen Zügen gelebt hat", schreiben seine Kinder in der Einführung des Ausstellungskataloges. Die Welt kannte den im April im Alter von 91 Jahren verstorbenen Taubman tatsächlich vor allem, weil er aus Sotheby's das globale Kunsthandelshaus gemacht hat, was es heute ist – und weil er wegen des Skandals um illegale Preisabsprachen mit dem Konkurrenten Christie's in die Kunstgeschichte eingegangen ist.

Das amerikanische Justizministerium hatte den Fall 2001 aufgedeckt und nachgewiesen, dass Taubman von 1993 bis 1999 in geheimen Treffen mit dem damaligen Christie's-Vorstandsvorsitzenden Sir Anthony Tennant die von den Verkäufern zu zahlende Provision festgelegt und ihren Kunden schlechte Konditionen aufgezwungen hatte. 2002 wurde der Haupteigner und Vorstand von Sotheby's zu einem Jahr Gefängnis und zu 7,5 Millionen Dollar Geldstrafe verurteilt. Separat von dem Verfahren gegen Taubman, der das Haus 1983 für einen Preis von 124 Millionen Dollar gekauft hatte und es 1988 an die Börse gehen ließ, hatte sich das Traditionshaus Sotheby's selbst der Preisabsprache schuldig erklärt und eine Strafe von 45 Millionen Dollar gezahlt. Außerdem entschädigten Sotheby's und Christie's ihre Kunden mit 512 Millionen Dollar. Es war eine finstere Stunde für die Auktionshäuser.

Umso abenteuerlicher ist es, dass 14 Jahre später Taubmans Sammlung bei Sotheby's unter dem Hammer kommt. Der Auktionsriese, der in der letzten Zeit gern von Christie's um Längen abgehängt wird und durch den Großaktionär Daniel Loeb unter Erfolgsdruck steht, hatte darum kämpfen müssen, den Nachlass zu ergattern. Und das, obwohl mit einem Sohn und einer Stieftochter zwei Taubman-Nachfolger in leitenden Funktionen bei Sotheby's arbeiten. Um den Deal zu kommen, sagte Sotheby's den Taubman-Erben die spektakuläre Garantiesumme von 500 Millionen Dollar für die 500 Werke und Objekte zu. Ob dritte Parteien mitgeholfen haben weiß man allerdings nicht. Wie bei Großaufträgen dieses Kalibers üblich, wurden die Werke auf Kosten von Sotheby's durch die ganze Welt zu potentiellen Käufern geflogen.

Zu hoch gepokert?

Mit jedem Werk, das zurückgeht, zahlt Sotheby's den Preis und bleibt auf der Arbeit sitzen. Fällt der Hammer unterhalb der garantierten Summe, übernimmt das Haus die Differenz. Erst wenn ein Werk oberhalb der Garantiesumme versteigert wird, rollt der Rubel. Es wird sich also zeigen, ob Sotheby's mit der groß beworbenen Auktion zu hoch gepokert hat. Sie gilt als Bewährungstest für den neuen Chef Tad Smith, ein absoluter Neuling im so vielschichtigen Kunstgeschäft. Sollten die für November und Januar angesetzten Versteigerungen ein Erfolg werden, handelt es sich um eine Jahrhundert-Auktion wie die Versteigerung des Nachlasses von Yves Saint Laurent.

Die zerstrittenen Taubman-Erben wollen mit dem Geld die Erbschaftssteuer zahlen und im Sinne des verstorbenen Milliardärs weiter Geld für wohltätige Zwecke spenden. Im Laufe seines Lebens hatte Taubman allein der Universität von Michigan, wo er studierte, 150 Millionen Dollar gegeben. Vor allem aber will die Familie ihr Oberhaupt rehabilitieren und ihn in der Reihe von großen Sammlern wie Ronald Lauder einreihen. Zu den Glanzstücken aus Taubmans Sammlung zählen das Frauenporträt "Paulette Jourdain" von Modigliani, das über dem Sofa in Taubmans New Yorker Apartment hing. Insgesamt waren am ersten Auktionsabend 77 Werke aus der Riege der berühmten Herren wie Mark Rothko, Edgar Degas, Egon Schiele, Roy Lichtenstein, Picasso, Franz Kline, Jackson Pollock, Frank Stella, Clyfford Still oder Willem de Kooning im Angebot.

Viele halten Taubman bis heute für unschuldig und glauben, dass seine frühere Direktorin Diana Brooks ihn ausgeliefert hatte, um ihren eigenen Kopf zu retten. Sie kam mit einem halben Jahr Hausarrest und sozialer Arbeit davon, während Milliardär Taubman zusätzlich zu seiner Haft- und Geldstrafe 156 Millionen Schadensersatz aus der Zivilklage, die Sotheby's getroffen hatte, aus eigener Tasche beisteuerte und die Klage der Aktienbesitzer mit 30 Millionen Dollar beglich. Von seinem Anteil am Auktionshaus trennte sich der Mehrheitseigner 2005 für 168 Millionen Dollar.

Taubman – der Meister des Spektakels

Taubman hätte Renoirs mit dem gleichen Elan verkauft wie Wurzelbier – er besaß neben Immobilien, Kinos und Einkaufzentren auch eine Firma, die Wurzelbier produzierte – hieß es im Nachruf der New York Times. Taubman wurde 1924 in Michigan als Sohn einer deutsch-jüdischen Familie geboren. Er studierte Architektur, ohne einen Abschluss zu machen, jobbte als Schuhverkäufer und auf dem Bau und machte sein Vermögen mit dem Bau von Einkaufszentren. Als er Sotheby's übernahm, ging es dem Haus nicht gut. Taubman war ein Meister des Spektakels und mischte das trübe Auktionshausgeschäft, das sich damals vor allem an Kunsthändler nicht an reiche Sammler richtete, mit spektakulären Versteigerungen wie dem Nachlass von Jacqueline Kennedy Onassis oder den Juwelen der Herzogin von Windsor auf. Er ließ aufwendige Kataloge produzieren und eröffnete mit Hongkong oder Monte Carlo Zweigstellen, in denen das Geld saß. Er gewährte Kredite und führte Preisgarantien ein, die eine Versteigerung der Superlative wie diese erst möglich gemacht hatten.

Taubmans Anwälte hatten damals bei der Verhandlung ärztliche Attests vorgelegt, die bescheinigten, dass der damals 77-jährige unter Diabetes leiden würde und herzkrank sei. Sie attestierten ihrem Mandanten eine Lebenserwartung von 3,8 Jahren. Die Anklage, die Taubman für drei Jahre hinter Gitter schicken wollte, setzte sich nicht durch. Taubman saß letztlich neuneinhalb Monate ab und sollte noch ein paar erfüllte Jahre vor sich haben. Als er im Juni 2003 entlassen wurde, flog er mit einem Privatjet auf sein Anwesen in den Hamptons und feierte nicht viel später im Club der einflussreichen Männer, zu dem Michael Eisner, Barry Diller, Henry A. Kissinger und Donald Trump zählten, weiter.

Promi-Gäste und stockende Stimmung

Den Preisabsprachen-Skandal hatte die Kunstwelt schnell vergessen. Den Einfluss von Taubman auf das Auktionsgeschäft, wie es heute ist, allerdings ebenfalls. Taubman schrieb in seinen Memoiren, dass er mit der Haft einen Teil seines Lebens, seinen guten Ruf und elf Kilo verloren hatte. Sein Ruf als Sammler wurde am ersten Auktionsabend nur zu Teilen wieder hergestellt.

377 Millionen Dollar brachte der Abend ein. Die Gebote waren stockend, die Stimmung gedämpft. Da halfen auch die roten Teppiche, die vor dem Auktionshaus auf der Upper East Side ausgerollt waren, der Champagner und die Kaviarhäppchen und prominente Gäste wie Modedesigner Valentino Garavani und Woody Allen, der vielleicht Stoff für einen neuen Film suchte, nicht.

Wie zu erwarten war Modiglianis "Paulette Jourdain" der Star der Show und brachte 42,8 Mllionen Dollar. Für Frank Stella, der mit einer Retrospektive im Whitney Museum gefeiert wird, gab es mit 13,7 Millionen Dollar für "Delaware Crossing" einen Rekord. Taubmans Rothkos verkauften sich jedoch eher mäßig. Eine Abstraktion von Jasper Johns mit einem Schätzwert von 15 Millionen Dollar fand keinen Bieter. Ebenso wie Edgar Degas "Nude Woman, Back" und sechs weitere Arbeiten. Insgesamt schaffte es die Versteigerung knapp oberhalb des unteren Ergebnisses, das für den Abend angepeilt worden war – und lag weit unter den hochgestochenen Erwartungen von 526,5 Millionen. 400 weitere Arbeiten aus der Sammlung stehen noch zum Verkauf aus. Aber eine legendäre Auktion sieht anders aus. Ein Triumph ebenfalls.