29 / 09 / 2008
Richard Armstrong
Guggenheim
"WIR HATTEN EINE LEICHTE DÜRREZEIT"
Herr Armstrong, wo sehen Sie die Zukunft des Guggenheim-Imperiums?
Richard Armstrong: Was das Interesse des Vorstands geweckt hat, waren meine Vorstellungen, ein streng intellektuelles Museumsprogramm zu machen, lebende Künstler herauszufordern und gleichzeitig ein Gefühl für den Mythos der frühen Jahre und der Herkunft des Hauses mitzubringen, das stark mit Kandinskys Ideen von Idealismus und Utopismus verwurzelt war.
Nach Jahren der Expansionspolitik wird von Ihnen vor allem ein vergeistigter Kurs erwartet?
Das Guggenheim ist kein angeschlagenes Museum, sondern eine gesunde Institution. In der Vergangenheit wurde eine eher unternehmerische Linie verfolgt, die darauf basierte, Schätze des Museums mit der Welt zu teilen. Alles sehr noble Ziele. Aber es herrscht die Meinung, dass das Programm in Zukunft vom intellektuellen Standpunkt her vertretbar sein sollte.
Werden Sie sich mehr auf das Herz der Einrichtung in New York konzentrieren?
Ich möchte erreichen, dass die Kuratoren – und die meisten von ihnen sitzen in New York – das Gefühl haben, dass das Guggenheim ihre Plattform ist. Ausstellungen und Sammlungen können von einer Zweigstelle zur nächsten bewegt werden. In der Theorie ist dies eine multikulturelle Einrichtung. Nun sollten wir testen, ob wir wirklich einen Dialog zwischen New York, Berlin, Venedig oder Bilbao anregen können.
Was halten Sie von Berlin als Kunststandort?
Berlin ist eine der Hauptstädte für zeitgenössische Kunst. Wie lebendig und einladend die Stadt für junge Künstler ist, überrascht mich immer wieder.
Sie brachten die Londoner Tate Gallery als langfristigen Partner für das Guggenheim ins Gespräch.
Es ist eine würdige und gleichzeitig ergänzende Institution. Wir haben bereits in der Vergangenheit Beziehungen zur Tate gepflegt und gemeinsam Ausstellungen wie die über Louise Bourgeois organisiert.
Bislang kennen Sie das Guggenheim nur als Besucher. Was hat Ihnen am Museum gefallen, was kritisieren Sie?
Ausstellungen wie die von Ellsworth Kelly oder Jenny Holzer, die es schafften, sich dem schwierigen Gebäude einzufügen, waren für mich die erfolgreichen. Sie hinterließen starke Bilder im Kopf. Alles, was sich nicht mit dem 20. oder 21. Jahrhundert beschäftigte, interessierte mich ebenso wenig wie übergreifende kulturelle Unternehmungen.
Damit meinen Sie Ausstellungen über Motorräder oder das Schaffen des Modedesigners Armani?
Ich hoffe, dass wir in Zukunft etwas anderes machen können. Aber nichts spricht dagegen, dass die Leute, die sich Armani angeguckt haben, nicht für Kandinsky wiederkehren.
29 / 09 / 2008
