Fetish Bubblegirls
Fotografie
art: Darf Kunst sexy sein?
Rik Reinking: Ja, auf jeden Fall. Es geht ja darum, den Betrachter zu erreichen und zu bewegen – und das kann auf verschiedenen Ebenen passieren. Ich finde es nur schwierig, wenn stumpf ein paar sexy Motive ausgewählt werden. Aber wenn dahinter ein durchdachtes Konzept steckt, ist das was anderes.
Was ist sein Konzept? Können Sie uns eine kurze Charakterisierung geben?
Es gibt bei seinen Arbeiten drei verschiedene Betrachter. Es gibt immer den, der sagt: „Oh, mein Gott! Ist das aber schlecht gezeichnet!“ Der andere sagt: „Wow, ist die aber hübsch!“ Darum geht es aber nicht. Zum Glück gibt es noch die dritte Gruppe, die sich fragt: „Was passiert da eigentlich?“ Tilt hat sich zum Ziel gesetzt, ein Bubblegirl in jeder Stadt zu finden, in der er sich aufhält. Und wenn er eine interessante Frau trifft, fragt er diese, ob sie bei einem Shooting mitmachen würde. Sie entscheidet dann selbst, wie weit sie gehen möchte. Viele wagen einiges, denn es scheint ihnen darum zu gehen, für einen Moment als Motiv berühmt zu sein, gesehen zu werden. Und es gibt immer mehr Girls, die genau das kitzelt.
Sie glauben also, seine Kunst ist keine Ausrede, um zu reisen und schöne Frauen kennenzulernen?
Nein! Dazu geht Tilt viel zu ernsthaft mit seiner Arbeit um. Man merkt schnell, dass er einen großen Respekt vor Frauen hat. Das ist keine Masche um sein Gegenüber zu bezirzen – das ist ihm relativ egal. Es gibt einen Termin, dann trifft man sich und erarbeitet das Resultat gemeinsam. Abschließend bedankt er sich mit einem öffentlichen Graffito: Er platziert den Vornamen seines Models im Urban Space. Er revanchiert sich also und setzt ihr damit noch einmal ein Zeichen in der Stadt. Zudem inszeniert Tilt seine Models nicht. Er benutzt ihr eigenes Interesse und Bedürfnis, sich zu zeigen. Was ich im Vorwort zum Buch gesagt habe: Heutzutage verstehen wir uns viel stärker als eine Ware, die sich auch benutzen lässt. Wir leben in einer Fast-Food-Gesellschaft und in einer Fast-Consume-Gesellschaft. Und dazu gehört auch, dass man akzeptiert hat, sich konsumieren zu lassen. Ob das gut ist oder nicht, sei dahingestellt. Tilt geht zumindest sehr kritisch damit um.
Und Sie kennen Tilt persönlich?
Wir arbeiten schon seit gut zwei Jahren zusammen. Wir sind befreundet und ich vertrete ihn wirtschaftlich, inhaltlich und rechtlich.
Wie kam der Kontakt zustande?
Ich habe irgendwann ein Buch mit seinen Arbeiten gesehen und dachte: Den muss ich unbedingt mal treffen. Irgendwann hat er sich gemeldet und wir haben uns relativ schnell angefreundet. Ich dachte nie, dass es in seiner Kunst nur um die Oberfläche geht, nur um die süßen Motive. Ich wollte wissen, was für ein Mensch dahintersteckt. Er ist einfach viel zu sensibel, viel zu feinfühlig, um nur ein paar „sexy Bildchen“ zu schießen.