Immer das Gleiche mit Jeff Koons: Er macht den Flieger – wo und wann er nur kann. Lässig spreizt er die Arme und beugt den Oberkörper zum bevorstehenden Abflug. Hinter ihm verblasst eine Schönheit auf ihrem Plastikdelphin: "Antiquity 3", 2009-2011

Ein regelrechter Deutungsstreit entbrannte, als Beobachter sich mit der These hervortaten, es gehe Koons mit der Geste weniger ums Fliegen, als darum, seine Zuneigung zur Welt zu erklären. Bei der Eröffnung einer Ausstellung 2009 in der Neuen Nationalgalerie habe er einen Fotografenpulk in seine Arme schließen wollen

Soooo groß! Koons vor "Split Rocker" in der Orangerie von Schloss Versailles, wo er 2008 ausstellte

1993 in der Staatsgalerie Stuttgart übte er noch: Aufgrund der fehlenden Streckung von Armen und Händen besitzt seine Haltung noch nicht ganz die spätere Grazie. Vor ihm: "Woman in Tub", 1988

Auch möglich, dass Koons mit seinem Flieger (hier eine wilde Variante von 1992) auf seine Flugträume anspielt. Wenn Menschen in ihren Träumen glauben zu fliegen, ist das nicht selten Ausdruck eines ausgeprägten sexuellen Verlangens. 1990 hatte Koons die Porno-Darstellerin Cicciolina geehelicht. Im Hintergrund: "Made in Heaven. Starring: Jeff Koons, Cicciolina"

Im Jahr 2000 schließlich gelingt Koons die erste Fliegerpose in vollkommener Perfektion. Stolz sockelt er das Ergebnis jahrelanger Übung.

Allzeit startklar! Koons bei einem Shooting in Berlin anlässlich der Ausstellung "food, fun and fashion". Im Hintergrund: "Lips", 2000

Wird schon dem Spätwerk zugerechnet: Gentleman-Variante des Fliegers auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli, Hamburg

Grau und grau: Auch seine Arbeiten reagieren auf die berüchtigte Flieger-Pose. In "Dolphin" (2002) schwingt sich ein Delphin mit gespreizten Flossen in die Lüfte. Auch Koons will abheben.

Landeanflug auf Frankfurt: Jeff Koons 2012 im Liebieghaus vor "Ballon Venus", 2008-2012

Zum Artikel: Jeff Koons - Der Überflieger: Mach den Flieger!