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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Diesmal mit Malerei zu der dunklen Seite Amerikas, Stadtentwicklung von unten, aus dem Hirn fallenden Bildern, Marilyn Monroe und dem Mythos Pythagoras
// MIRJA ROSENAU, KATRIN VATTES
Krefeld: Fabián Marcaccio – Some USA Stories

Die dunkle Seite der jüngsten amerikanischen Geschichte ist der Ausgangspunkt für Fabian Marcaccios neue Serie "Some USA Stories". Der 1963 in Argentinien geborene Künstler beschäftigt sich seit den letzten Jahren mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. In seinen zwölf Werken zum Titel "Some USA Stories", die Marcaccio speziell für die Ausstellung im Haus Esters in Krefeld gemalt hat, greift er schreckliche Ereignisse auf, die sich in den USA oder im Zusammenhang mit dem Land ereignet haben.

Beispielsweise setzt er sich mit dem mexikanischen Drogenkrieg auseinander oder mit dem Amoklauf an der Columbine School in Colorado, bei dem zwei Schüler 13 Menschen getötet und 24 weitere verletzt hatten. Ein weiteres Thema ist das Fallujah Massaker von 2004, bei dem Militärkräfte der US-Arme chemische Waffen gegen die Zivilbevölkerung in der irakischen Stadt Fallujah einsetzten. Als Maluntergrund verwendet der heute in New York lebende Marcaccio grob strukturierte Gewebe, die aus Hanfschnüren oder zum Teil sogar Kletterseilen geflochten sind. Auch bei seinen neuen Werken liegt das besondere Kennzeichen seiner künstlerischen Arbeit darin, das zweidimensionale Bild auf verschiedene Weise ins Räumliche zu überführen. Die dick aufgetragene Farbe verwebt er mit Silikonformen, wodurch die Werke eine physische Präsenz erhalten.

Kunstmuseum Krefeld, Museum Haus Esters, 18. März bis 19. August

Wien: Hands-On Urbanism 1850 - 2012. Vom Recht auf Grün

"Selbstbewusstsein, Selbständigkeit und Selbsttätigkeit" forderten die Gründer des ersten Schrebergartenvereins, die ab 1865 in Leipzig rund um den Schreberplatz erst Kinderbeete, dann selbstregulierte Gärten angelegt hatten. Eines von vielen Modellen einer "Stadtentwicklung von unten", wie sie die Kuratoren der Ausstellung "Hands-On Urbanism" interessiert. Zusammengetragen wurden selbstorganisierte, informelle oder von Bürgern und Stadtplanern, Architekten, Künstlern, Designern und Aktivisten gemeinsam entwickelte Wohn- und Lebensformen: "Self-Made-Cities", die Selbstbestimmung, Verteilungsgerechtigkeit, Nachbarschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und das "Recht auf Grün" gegenüber "Developerdruck" und der "kapitalintensiven Logik" des "Top-Down-Neoliberalismus" beanspruchen oder verteidigen. Zum Beispiel im Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg, in dem seit 2009 Nachbarn und andere Interessierte Gemüse anbauen und ernten. In Colombes bei Paris baut das "atelier d’architecture autogerée" an einem "sozialökonomischen Cluster", bestehend aus Biomarkt, Gemüseanbaufeldern, Recyclinghof und einer kooperativen Wohnanlage, die aus selbst recycelten Baumaterialien entsteht. In Amsterdam realisierte die Künstlerin Marjetica Potrc gemeinsam mit der Gruppe Wilde Westen und mit Rückendeckung des Stedelijk-Museums im Problembezirk "Nieuw West" im Jahr 2008/09 einen Gemeinschaftsgarten samt Küche. Andere Fallbeispiele stellen in der Ausstellung Projekte von Gemeinschaftsgärtnern und Stadtbauern in Wien, Hongkong, New York, Quito, Kuba, Bremen, Istanbul oder Mexiko vor. Aufgehängt werden die Fotos, Filmpräsentationen, Pläne und Skizzen neben Nutz-, Zier- und Wildpflanzen in Baustellengittern, die für Umbau stehen: "Eine andere Welt ist pflanzbar", glaubt man in Wien.

Architekturzentrum Wien, Alte Halle, 15. März bis 25. Juni

Rostock: Pingo ergo sum – Das Bild fällt aus dem Hirn

Der Kopf als Atelier: Die Kunst löst sich vom Geschick der Hände. Für die Ausstellung "Pingo ergo sum – Das Bild fällt aus dem Hirn" entstehen Bilder allein durch die Aktivität der Hirnströme. Der Künstler Adi Hoesle greift nicht zu Pinsel und Farbe, sondern zum EEG-Messgerät und zu einem "Brain Computing Interface" (Gehirn-Computer-Schnittstelle). Mittels der Hirnströme entstehen so virtuelle Gemälde, "Brain Paintings" genannt. Ursprünglich wurde diese Technik als Kommunikationsmöglichkeit für Patienten im Stadium kompletter Immobilität (Locked-In) konzipiert. Hoesle überführt sie nun in eine kreative Nutzung. Ohne den Umweg über die Hände, können Gemälde, Zeichnungen oder auch Konzerte entstehen. Für das Ausstellungs- und Performanceprojekt "Pingo ergo sum" hat Hoesle zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern in ihren Ateliers "Brain Paintings" erstellt, beispielsweise mit Katharina Grosse, Günther Förg und Erwin Wurm. Der vorangegangene Schaffensprozess wurde filmisch dokumentiert und ist in der Ausstellung in der Kunsthalle Rostock erlebbar. Besucher können sich auch selbst am "Brain Painting" versuchen oder Künstler dabei live beobachten. Die Kunsthalle Rostock zeigt diese interaktive Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Center in Linz. Begleitend zu dem Projekt findet eine interdisziplinäre Vortragsreihe mit international anerkannten Medizinern, Psychologen, IT-Spezialisten, Philosophen und Kunsttheoretikern statt.

Kunsthalle Rostock, 18. März bis 28. Mai

Jena: Elodie Pong – Around Life's Central Park

In den Filmen von Elodie Pong geht es um die menschliche Identität im Spannungsverhältnis zwischen Authentizität und Rollenspiel. Die 1966 in Bosten geborene Künstlerin durchleuchtet das Individuum, das sich zwischen Realität und Anspruch, zwischen den eigenen Möglichkeiten und kollektiven Normen und Idealen bewegt. In ihren Filminszenierungen arbeitet Pong vor allem mit dem Medium der Sprache, die Basis für zwischenmenschliche Kommunikation. So verwendet sie Zitate aus der Geistes-, Film- oder Musikgeschichte. Beispielsweise zitiert Pong Sequenzen aus alten Hollywoodfilmen oder sampelt Musik von Klassik bis Punk. In "After the Empire" singt Marilyn Monroe Madonnas "Material Girl" für Karl Marx. Für das Video "Endless Ends" hat Pong die Enden verschiedener Filme so zusammen geschnitten, dass sie Erinnerungen wecken und das Gefühl entstehen lassen, etwas verpasst zu haben. In "Secrets for Sale" verraten Menschen ihre Geheimnisse, wodurch eine Geheimnis-Datenbank entstanden ist. Die Kunstsammlung Jena gibt mit der Ausstellung "Around Life's Central Park" einen Überblick über Elodie Pongs Videokunst aus den letzten zehn Jahren.

Kunstsammlung Jena, 17. März bis 3. Juni

Braunschweig: Louise Hervé & Chloé Maillet

Louise Hervé und Chloé Maillet verwandeln die Remise des Braunschweiger Kunstvereins in einen Ort für Diskussionen und wissenschaftliche Auseinandersetzung rund um den Mythos Pythagoras. Die Installation des französischen Künstlerduos, das seit zehn Jahren zusammenarbeitet, ist eine Mischung aus Archiv, Bibliothek und Sitzungsraum. Der antike Philosoph und Mathematiker Pythagoras, der um 500 vor Christus lebte, zählt zu den rätselhaften Persönlichkeiten unserer Geschichte. Schriftliche Aufzeichnungen entstanden erst Jahrhunderte später. In Hervés und Maillets Film "Pythagoras and the Monsters", der speziell für die Braunschweiger Ausstellung entstanden ist, wird Pythagoras zum Filmhelden. Er ist die Hauptfigur in einer Mischung aus Western, Historien- und Gladiatorenfilm. Hervé und Maillet vermischen in ihrer künstlerischen Arbeit historische Bruchstücke mit fiktiven Elementen. In ihrem Projekt für den Kunstverein Braunschweig geht um das Wesen von Geschichte, um das Forschen und die wissenschaftliche Aufarbeitung. So haben Hervé und Maillet in Braunschweig lehrende Professoren zu Vorträgen eingeladen, um ihre Installation in der Remise dann auch tatsächlich als Vortragssaal und Bühne für Diskussionen zu nutzen. Die Remise des Kunstvereins Braunschweig bietet seit 1996 jungen künstlerischen Positionen eine Plattform als Experimentierfeld.

Kunstverein Braunschweig, bis 20. Mai

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