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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Diesmal mit einer Auktion für Schlingensiefs Operndorf, einem Stuntman im Pariser Louvre und einer Installation zum Leben der Jackie Kennedy
// KATRIN VATTES
Berlin: Auktion 3000

Zahlreiche internationale Künstlerinnen und Künstler haben Arbeiten für die Benefizversteigerung zugunsten von Christoph Schlingensiefs Operndorf in Afrika gespendet. Matthew Barney beispielsweise, der Schlingensief persönlich verbunden war, unterstützt die Kunstauktion mit einer Fotoarbeit aus dem Cremaster-Zyklus. Die Auktion vereint also nicht nur viele Förderer, sondern erinnert auch an langjährige Freundschaften.

Weiterhin werden Werke von Georg Baselitz, Olafur Eliasson, Christo & Jeanne-Claude, Marina Abramovic, Wolfgang Tillmans, Katharina Grosse, Günther Uecker und vielen weiteren namenhaften Künstlern versteigert. Die "Auktion 3000" findet heute Abend im Hamburger Bahnhof in Berlin statt und soll helfen, die weiteren Bauvorhaben im Operndorf in Burkina Faso zu realisieren. Seit 2008 arbeitete Schlingensief an der Idee des Operndorfs, das er als interkulturelle Begegnungs- und Experimentalstätte angelegt hat. Die Grundschule wurde im Oktober 2011 eröffnet, der nächste Schritt ist der Bau einer Krankenstation. Die vorgegebenen Preise der insgesamt 80 Werke addieren sich auf eine Millionen Euro. Die Benefizversteigerung findet unter Leitung von Rechtsanwalt Peter Raue statt.

Hamburger Bahnhof, Berlin, 8. März, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr)

Hamburg-Harburg: Shahryar Nashat – Stunt

Frédéric Dessains ist ein Stuntman. Normalerweise spielt er in französischen Actionfilmen mit. In der Videoarbeit des Schweizer Künstlers Shahryar Nashat findet sich Dessains jedoch nicht wie üblich auf einem Filmset wieder, sondern auf einer Bank im Rubens-Saal des Pariser Louvre. Langsam zieht er seine Turnschuhe, seine Socken, seine Trainingjacke und schließlich sein Hemd aus. Nach kurzem Auf-und-ab-Laufen vor den überlebensgroßen barocken Gemälden, setzt der durchtrainierte junge Mann zum einhändigen Handstand an. So stellt er die Konventionen der Bildbetrachtung wortwörtlich auf den Kopf. Der von Rubens gemalten Körperlichkeit des Gemäldezyklus, der Stationen aus dem Leben der Maria de Medici zeigt, setzt der Stuntman die präzise Ausführung seiner physischen Turnübungen entgegen. "The Regulating Line" lautet der Titel von Nashats dreiminütigem Film. Er steht im Zentrum der Ausstellung des 1975 geborenen Künstlers im Kunstverein Harburger Bahnhof. Ergänzt wird die Videoarbeit durch zwei Skulpturen Nashats, die die Form von Museumsbänken zitieren. Nimmt der Besucher auf diesen Bänken Platz, so wird die Anfangsposition des Stuntmans im Ausstellungsraum des Kunstvereins verdoppelt. Es entsteht eine Verbindung zwischen dem virtuellen filmischen Raum und dem realen Betrachterraum.

Kunstverein Harburger Bahnhof, 10. März bis 13. Mai

Baden-Baden: Jacqueline Kennedy Onassis – Eine Romantische Ausstellung von Jan De Cock

Jan De Cock konstruiert mit seinen Skulpturen und Installationen ein architektonisches System. Der belgische Bildhauer, Jahrgang 1976, präsentiert in der Kunsthalle und im Stadtmuseum Baden-Baden eine große Ausstellung mit neuen Arbeiten. Sättigung, Spektakel, Wert, Imitation, Fanatismus und Überwindung sind die Titel seiner Installationen, die jeweils in einem Oberlichtraum arrangiert sind. Im Vorfeld der Ausstellung produzierte De Cock sechs Künstlerbücher zu diesen Titeln. In den Bänden stellt er eine Verbindung zwischen den Begriffen her, die er als Momente aus dem Leben von Jacqueline Kennedy Onassis, der Ehefrau des 35. US-Präsidenten John F. Kennedy, identifiziert. Ihr Name ist somit auch der Titel der Ausstellung. Als Star einer vergangenen Epoche dient sie als Projektionsfläche für romantische Sehnsüchte des 21. Jahrhunderts. Die gezeigten Arbeiten von De Cock, sind aus industriell gefertigten Materialien hergestellt. Einzelne Skulpturen scheinen wie Reliefs gegen die Ausstellungswände gepresst zu sein. Diese werden durch im Raum verteilte Objekte ergänzt, die architektonische Elemente zeigen, beispielsweise einzelne Treppenstufen, Säulen oder Sockel. Wiederholt tauchen solche Fragmente im Ausstellungsparcour auf und werden in unterschiedlicher Kombination zu neuen Formen zusammengefügt.

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 10. März bis 24. Juni

Kraichtal: Tobias Spichtig

Der Schweizer Tobias Spichtig beschäftigt sich in seiner Kunst mit Bildern, deren Bedeutung und Vertrieb. Die totale Medienpräsenz und die ständige Verfügbarkeit von Informationen stellen Ausgangspunkte von Spichtigs Arbeit dar. Zum Beispiel vergrößert er qualitativ schlecht aufgelöste Fotografien auf Leinwand. Die Drucke zeigen Bildausschnitte, die durch das stark vergrößerte Detail das ursprüngliche Motiv nicht mehr klar erkennen lassen. So erhält eine gedruckte Fotografie etwas Malerisches. Spichtig löst in seinen Video- und Bildarbeiten die Grenzen der Fotografie zur Malerei auf. Er arbeitet mit Mitteln wie Aneignung, Neukombination und Wiederholung und nimmt klaren Bezug auf die Konzeptkunst der siebziger und achtziger Jahre. Aufgrund der Bilderflut damals sowie heute, verstärkt durch die Digitalisierung, rückt ein reflektierender Umgang mit schon vorhandenen Materialien in den Vordergrund. Unter dem Titel "the blue, the red, the green, the cuboid and the pyramid" präsentiert die Ursula Blickle Stiftung in der Nähe von Heidelberg die erste Einzelausstellung des 1982 geborenen Künstlers.

Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal, 11. März bis 22. April

Bonn: Luca Frei – The Fifth Business

Luca Frei bespielt die Halle des Bonner Kunstvereins mit Skulpturen und Installationen. Das Medium der Zeichnung bildet jedoch den Ausgangspunkt für die Werke des Schweizer Künstlers. Das Zeichnen dient ihm als Notiz. In einem überdimensionalen Metallring präsentiert Frei Fotokopien seiner Zeichnungen, die die Besucher durchblättern können. Seine Arbeit "The Sun Twenty Four Hours" besteht aus zahlreichen gläsernen Sanduhren. Jeder Besucher kann beim Betreten der Ausstellung eine dieser Uhren umdrehen und so seine Besuchszeit messen. Die mundgeblasenen Sanduhren weisen jedoch Abweichungen auf, wodurch die Existenz von multiplen, teils sich widersprechenden Zeiten dargestellt wird. Handlungsszenarien und Zeiterfahrung sind Aspekte, die immer wieder auftauchen. Doch auch skurrile Skulpturen von surrealem Charakter platziert der 1976 geborene Frei in seiner Ausstellung "The Fifth Business". Eine überdimensionale Schürze deutet auf die Existenz von Riesen hin. Ihre Oberfläche zeigt eine Zeichnung einer Kreatur im Hochhauskostüm, die von Krokodilhunden angefallen wird. Heitere Naivität und Selbstironie, aber auch raffinierte Materialität kennzeichnen die Ausstellung von Luca Frei im Bonner Kunstverein.

Bonner Kunstverein, 10. März bis 13. Mai

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