Dasha Shishkin

Starter

Mit Wonne Angst haben
Dasha Shishkin: "With the Dark Comes Dinner I Hope", 2011, 182,9 x 266,7 cm (Courtesy Zach Feuer Gallery)

MIT WONNE ANGST HABEN

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler jede Woche in der Reihe "Starter". Nach Chiharu Shiota geht es weiter mit Dasha Shishkin. Zwischen Märchen und Hölle: Die in Moskau geborene Künstlerin verbindet Tinte, Stoffe und Papierabfälle zu gewaltvollen Farborgien.
// CLAUDIA BODIN

Körperteile werden zu Kuchen verarbeitet. Eine Frau bringt Pinocchio auf die Welt. Ein kahlköpfiger Knabe reitet auf dem Rücken seiner geschundenen Mutter. Die Welt der 1977 geborenen Dasha Shishkin erinnert an das, was man gewöhnlich unter der Hölle versteht.

Meist tragen die raumfüllenden Farborgien etwas Krankhaftes, Gewaltvolles in sich. Es sind düstere Märchen, die von kindhaften Kreaturen, verwachsenen Männern, Prostituierten oder Zwitterwesen bevölkert werden. Umso interessanter ist es, dass sich die Künstlerin selbst als Optimistin versteht. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich gern mit "der puren Wonne, Angst zu haben", so sagte Shishkin einmal. Dass dabei auch ein morbider Humor mitspielt, zeigen Arbeiten wie "Im Falle eines schrecklichen Ereignisses nahe der Fenster bleiben" von 2009, eine mit Tinte und Pastellfarben bearbeitete Blumentapete mit blauem Himmelgrund. In ihre Bilder arbeitet sie auch Materialien wie Stoffe, Leinwandüberreste oder zerknittertes Papier ein.

Shishkin wuchs in Moskau als Kind von Theaterleuten auf, die nach New York gingen. Weil sie Schwierigkeiten hatte, sich mit der englischen Sprache auszudrücken, beschloss sie, die Kunstschule zu besuchen und studierte an der Columbia University. Bereits während ihres ersten Studienjahres wurde sie von der damaligen Münchner Galerie Grimm/Rosenfeld vertreten und für die Talentshow "Greater New York" im PS1 ausgewählt. 2008 nahm der New Yorker Galerist Zach Feuer sie an Bord.

Nach ihrer ersten Einzelschau 2009 bescheinigte ihr der Künstlerkollege Maurizio Cattelan das Talent, die Balance zwischen dem Makaberen und dem Fantastischen zu erforschen. Die in Brooklyn lebende und arbeitende Shishkin betont immer wieder, dass ihr Medium die Zeichnung ist und nicht die Malerei. Sie würde immer noch an den "redegewandten Silhouetten" hängen, die mit Hilfe der Linie erzeugt werden. Was die Deutungen ihrer Arbeiten angeht, sagt sie: "Ich lasse alle Türen offen."

Steckbrief

Geboren: Moskau, Russland, 1977

Wohnort: Brooklyn, New York

Ausbildung: durchschnittlich

Galerie: Zach Feuer, New York

Höhepunkt: Ich bin Optimistin, alle Höhepunkte kommen also noch.

Tiefpunkt: Ich bin Optimistin.

Helden: Mr. Bean, Mr. Lomonossow

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Cool sein

http://www.zachfeuer.com

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