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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Diesmal mit Christiane Möbus, "You killed me first", Simon Denny und Joanna Fadyl, "Tiefe Blicke. Meisterwerke der Druckgrafik" und Willem de Rooij
// KATRIN VATTES
Magdeburg: Die Geschichten der Christiane Möbus

Christiane Möbus' Werke lassen sich im Zusammenhang wie die Seiten eines Tagebuchs lesen: eine künstlerische Sprache aus persönlichen Erinnerungen, Alltagsvisionen, Rollenspielen und intuitiven Konstruktionen mit viel Raum für Fantasie. Die Arbeiten der 1947 in Celle geborenen Künstlerin setzen sich aus Worten, Fundsachen und gebauten Objekten zusammen.

Seit über vier Jahrzehnten folgt sie ihren künstlerischen Eingebungen und ist durch zahlreiche Ausstellungen international bekannt. Geleitet durch die genaue Beobachtung kombiniert Möbus die uns vertraute Realität mit irritierenden Details, eine Mischung aus Künstlichkeit und Wirklichkeit entsteht. So bewacht das Krokodil "Nelly" einen Stapel von alten Koffern, unter denen sich auch ein Medizinball wieder findet, oder eine Giraffenfigur bekommt dem Titel nach "Küsse vom König". Ihre Kunst folgt keiner formalen Logik, ihr Werk lässt sich zwischen den begrifflichen Kategorien Skulptur, Objekt und Installation ansiedeln. Das Kunstmuseum Magdeburg eröffnet mit der Sonderausstellung "Die Geschichten der Christiane Möbus" nach langer Sanierung wieder.

Kunstmuseum Kloster unser lieben Frauen Magdeburg, 21. Februar bis 6. Mai

Berlin: You killed me first

"You killed me first" ist die erste Ausstellung des "Cinema of Transgression". Eine Undergroundfilm-Bewegung aus New York, die es bewusst auf Schock, Provokation und Konfrontation anlegt. In den achtziger Jahren begann eine Gruppe von Filmemachern und Künstlern in der Lower East Side New Yorks Low-Budget-Filme zu drehen, mit denen sie alle moralischen und ästhetischen Grenzen überschreiten. Das von Kriminalität, Brutalität, Drogen, Sex und Aids geprägte Leben wird in aller sozialen Härte gezeigt. Die Filme enthüllen eine schockierende Radikalität: albtraumhafte Gewaltszenarien, perverse sexuelle Abgründe und dramatische Seelenzustände. So ist es auch kein Wunder, dass "You killed me first" erst ab 18 Jahren zugänglich ist. Der Ausstellungstitel stammt vom gleichnamigen Film des amerikanischen Künstlers Richard Kern. Auch Filme von Nick Zedd, der 1985 den Ausdruck "Cinema of Transgression" prägte, werden in der Gruppenausstellung der KW gezeigt. Weitere Filmemacher der bislang weitgehend unbekannten Bewegung, wie Karen Finley, Tessa Hughes-Freeland, Lung Leg, Lydia Lunch, Kembra Pfahler, Casandra Stark, Tommy Turner und David Wojnarowicz sind mit Werken in Berlin vertreten.

KW Institute für Contemporary Art, Berlin, 19. Februar bis 9. April

Münster: Simon Denny/Joanna Fadyl – Envisaging Vocational Rehabilitation

Der englische Begriff "vocational rehabilitation" bezieht sich auf soziale Eingliederungsmaßnahmen, also Menschen aus einer Arbeitsunfähigkeit ins Berufsleben zurückzuführen. Der Künstler Simon Denny und die Wissenschaftlerin Joanna Fadyl, die beide aus Neuseeland stammen, beschäftigen sich in ihrer Zusammenarbeit mit diesem sozialen Aufgabenfeld. Fadyl hat die Entwicklung der Definition und Rolle beruflicher Eingliederung in ihrer Doktorarbeit untersucht. Für das Projekt "Envisaging Vocational Rehabilitation" wurde das visuelle Material ihrer Studie von Denny, 1982 in Auckland geboren, künstlerisch aufgearbeitet. Dabei richtet der Künstler sein Interesse auf die spezielle Funktion von Informationsästhetik. Es ist eine Publikation, die sozialgeschichtliche Dokumente zu Eingliederungsmaßnahmen in Neuseeland versammelt, entstanden. An diese knüpfen weitere Teile des Projektes an, die Denny zusammen mit anderen Künstlern für den Westfälischen Kunstverein erarbeitet hat. Es werden Videos, eine entwickelte Computeranwendung sowie zahlreiche Arbeitsmaterialen zum Thema beruflicher Wiedereingliederung zu sehen sein. Als Ausstellungsort für das Projekt "Envisaging Vocational Rehabilitation" dient die Buchhandlung Walther König; bis zur Fertigstellung des Museumsneubaus 2013 bespielt der Kunstverein in Münster nun schon im vierten Jahr nomadisch immer wieder neue Räume.

Westfälischer Kunstverein, Ausstellungsort des Projektes ist die Buchhandlung Walther König, , Münster, 16. Februar bis 15. April

Delmenhorst: Tiefe Blicke. Meisterwerke der Druckgrafik

Meisterwerke der Druckgrafik gibt es in der Städtischen Galerie in Delmenhorst zu sehen. Arbeiten von Martin Schongauer (etwa 1448 bis 1491) und Albrecht Dürer (1471 bis 1528) bilden den Höhepunkt der Ausstellung "Tiefe Blicke". Um 1475 erlangte Schongauer mit der Technik des Kupferstichs erste große Erfolge in ganz Europa. Seine Grafiken übten großen Einfluss auf jüngere Künstler aus, zu denen auch Dürer zählte. Mit seinen Kupferstichen, die technisch und künstlerisch herausstechen, setzte Dürer für die Zeit um 1500 neue Maßstäbe. Lucas van Leyden, Anthonis van Dyck, Jacob van Ruisdael und Adrien van Ostades stehen für die Geschichte der niederländischen Druckgrafik, die ihre Blütezeit im 17. Jahrhundert erlebte. Rebrandt van Rijn gilt jedoch als bedeutendster Radierer dieser Zeit. Durch die spezifische Behandlung von Licht und Schatten erhalten seine Grafiken eine besondere Intensität. Mit Meisterwerken von Callot, Lorrain, Carracci, Piranesi und Tiepolo sind auch Druckgrafiken aus Frankreich und Italien vertreten.

Städtische Galerie Delmenhorst, 18. Februar bis 15. April

München: Willem de Rooij

Ein gewebter Stoff besteht aus der Textur zweier sich überkreuzender Fäden. Dieses sich beständig wiederholende Überkreuzen ist der Ausgangspunkt für den 1969 geborenen Niederländer Willem de Rooij. In seinen Webarbeiten spürt er abstrakten Konzepten nach, wie Gegensätzen, Kontrasten, Übergängen und Nuancen. Gewebte Stoffe lassen sich seit 2009 in unterschiedlichen Ausführungen und Kontexten in de Rooijs künstlerischem Werk finden. In der Ausstellung im Kunstverein München zeigt er großformatige, handgefertigte Webarbeiten, die verschiedene Spielarten vereinen: Beispielsweise ist ein gradueller Übergang von Silber zu Gold in "Vertigo’s Doll" zu sehen; in "Black to Black" veranschaulicht de Rooij die langsame Entwicklung von einem Schwarzton zu einem anderen. Und seine scheinbar einfarbig pinke Webarbeit "Mechanize her Jenny" entlarvt sich beim näherem Betrachten als Konstruktion aus zehn verschiedenen Pink-Schattierungen. De Rooijs Webarbeiten sind in München zum ersten Mal in Europa als zusammengehöriger Werkkomplex zu sehen. Speziell für diesen Anlass hat der Künstler mit dem Münchener Kunstverein zwei neue Webarbeiten koproduziert. Eine dieser Arbeiten greift Elemente von vorherigen Werken auf und verdeutlicht so den experimentellen und retrospektiven Charakter der Ausstellung.

Kunstverein München, 19. Februar bis 15. April

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