Florian Meisenberg

Starter

Artistischer Höhenflug
Florian Meisenberg: aus der Serie "it was more then it was", 2011 (Courtesy Tanja Pol Galerie)

ARTISTISCHER HÖHENFLUG

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jetzt jede Woche in der Reihe "Starter". Nach Vincent Ganivet geht es weiter mit Florian Meisenberg. Mit Buntstiften und pastelligen Ölfarben erschafft Florian Meisenberg trügerisch clowneske Mikrokosmen, die es in sich haben.
// BIRGIT SONNA

Einst warnte ihn ein Professor an der Kunstakademie Düsseldorf angesichts früher Triumphe: "Man merkt, dass du zu fliegen beginnst, jetzt musst du dir überlegen, wo du landest." "Ich wollte aber gar nicht landen", lacht Florian Meisenberg. Tatsächlich scheint sich der artistische Höhenflug für den mittlerweile in New York lebenden Maler, Zeichner, Performer, Video- und Installationskünstler in geliebter Turbulenz weiter fortzusetzen.

Im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen hatte Meisenberg letz­ten Herbst eine erste Einzelschau in einem Museum. Und bei der Berliner Verkaufsausstellung abc zog sein phänomenal clownesker Auftritt viele Blicke auf sich. Vor einem auf Stoff gemalten Riesengedärm, durch das sich Namen von Künstlerkollegen wie Andreas Gursky, Joseph Beuys, Damien Hirst zwängten, installierte er sarkastisch auf einem Heldensockel das Video einer hilflos sich abmühenden Schildkröte, die einen Turnschuh zu begatten versucht. Für den Meisterschüler von Peter Doig basiert jede Verästelung seines medialen Geflechts auf den Fundamenten der Malerei. Es ist eine luftige, oft trügerisch pastellfarbene Welt, in der Florian Meisenberg mit zeichenhaften Figuren seine Zelte aufschlägt, Banner aus flirrenden Textbotschaften spannt und widerborstigen Haken als Kritik zum geschmierten Kunstbetrieb schlägt.

Seine teils ellenlagen Bildtitel (auch fast alle Antworten unten sind solche!) sind zugleich Credo einer sympathisch versponnenen, ironisch tändelnden Philosophie, in der dennoch in jeder Nische der Abgrund lauern kann. Das Resultat ist ein für Lebensweisheiten durchlässiger Privatmythos aus Buntstiftfarben und Pinocchio-Nasen, Geschlechtssymbolen und Kettenreaktionen. Auf einer seiner schönsten Bildserien, "democracy needs monogamy", schwärmen in einem kindlichen Paradiesgarten allerlei Befruchtungswillige herum. Ein Kosmos, in dem sich Lebewesen kontinuierlich seelisch wie körperlich beglücken und doch auch ganz schön schmutzige Dinge antun können.

Steckbrief

Geboren: 1980, Berlin

Wohnort: New York, Düsseldorf

Ausbildung: Kunstakademie Düsseldorf 2004-2010, Weltmeisterschüler von Peter Doig

Galerie: Tanja Pol Galerie, München

Initialzündung: "cosmic experiences (one thin white woman on her way)"

Höhepunkt: "magic moments of homeo­pathy (sell your cleverness and buy bewil-derment)"

Tiefpunkt: "finally! scientist found out that art is just another hobby! (the vision of tomorrow, today)"

Helden: "masters of disasters"

Credo: "writing shit about new snow for the rich is not art!"

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: "it was more than it was!"

Warum Künstler, nicht Banker? "we think like brokers, we smell like housewifes, we dress like artists, we don’t know what to do!"

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1 Leserkommentar vorhanden

paolorossi9

11:46

08 / 02 / 12 // 

net

Ständig bemerke ich, dass in der Masse die Menschen die Bequemlichkeit nicht mögen. Und sie ist doch in zwei Clicks auf hahaped

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