Florian Meisenberg
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ARTISTISCHER HÖHENFLUG
Einst warnte ihn ein Professor an der Kunstakademie Düsseldorf angesichts früher Triumphe: "Man merkt, dass du zu fliegen beginnst, jetzt musst du dir überlegen, wo du landest." "Ich wollte aber gar nicht landen", lacht Florian Meisenberg. Tatsächlich scheint sich der artistische Höhenflug für den mittlerweile in New York lebenden Maler, Zeichner, Performer, Video- und Installationskünstler in geliebter Turbulenz weiter fortzusetzen.
Im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen hatte Meisenberg letzten Herbst eine erste Einzelschau in einem Museum. Und bei der Berliner Verkaufsausstellung abc zog sein phänomenal clownesker Auftritt viele Blicke auf sich. Vor einem auf Stoff gemalten Riesengedärm, durch das sich Namen von Künstlerkollegen wie Andreas Gursky, Joseph Beuys, Damien Hirst zwängten, installierte er sarkastisch auf einem Heldensockel das Video einer hilflos sich abmühenden Schildkröte, die einen Turnschuh zu begatten versucht. Für den Meisterschüler von Peter Doig basiert jede Verästelung seines medialen Geflechts auf den Fundamenten der Malerei. Es ist eine luftige, oft trügerisch pastellfarbene Welt, in der Florian Meisenberg mit zeichenhaften Figuren seine Zelte aufschlägt, Banner aus flirrenden Textbotschaften spannt und widerborstigen Haken als Kritik zum geschmierten Kunstbetrieb schlägt.
Seine teils ellenlagen Bildtitel (auch fast alle Antworten unten sind solche!) sind zugleich Credo einer sympathisch versponnenen, ironisch tändelnden Philosophie, in der dennoch in jeder Nische der Abgrund lauern kann. Das Resultat ist ein für Lebensweisheiten durchlässiger Privatmythos aus Buntstiftfarben und Pinocchio-Nasen, Geschlechtssymbolen und Kettenreaktionen. Auf einer seiner schönsten Bildserien, "democracy needs monogamy", schwärmen in einem kindlichen Paradiesgarten allerlei Befruchtungswillige herum. Ein Kosmos, in dem sich Lebewesen kontinuierlich seelisch wie körperlich beglücken und doch auch ganz schön schmutzige Dinge antun können.
Steckbrief
Geboren: 1980, Berlin
Wohnort: New York, Düsseldorf
Ausbildung: Kunstakademie Düsseldorf 2004-2010, Weltmeisterschüler von Peter Doig
Galerie: Tanja Pol Galerie, München
Initialzündung: "cosmic experiences (one thin white woman on her way)"
Höhepunkt: "magic moments of homeopathy (sell your cleverness and buy bewil-derment)"
Tiefpunkt: "finally! scientist found out that art is just another hobby! (the vision of tomorrow, today)"
Helden: "masters of disasters"
Credo: "writing shit about new snow for the rich is not art!"
Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: "it was more than it was!"
Warum Künstler, nicht Banker? "we think like brokers, we smell like housewifes, we dress like artists, we don’t know what to do!"
